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Zuletzt aktualisiert: 27.03.2010 um 20:30 UhrKommentare

Puppen, die nur Tracht tragen

Eine Gößnitzer Hausfrau hat ein seltenes Hobby: Sie kleidet Puppen ein und zieht ihnen Dirndkleider an, die Miniaturausgaben der Originale sind.

Ich trage selbst gern die Gößnitzer Tracht", schmunzelt Anna Kirchleitner, Hausfrau in Hochgößnitz - und verweist stolz auf ihre Sammlung von rund 25 Puppen, allesamt gekleidet in steirischer Tracht. Für jede einzelne hat sie das steirische "Gwand'l" selbst genäht. "Nein, ich bin keine Schneiderin, sondern einfache Hausfrau", meint die Gößnitzerin.

Mit dem Anfertigen von Trachten in Puppengröße hat Anna Kirchleitner vor einigen Jahren begonnen: "Für das erste Puppenkleid stand mein eigenes Dirndl, eine ,Alltagstracht Stubalmgebiet-Gößnitz Modell. Nach und nach kamen weitere Varianten dazu."

Als Vorlage dienten Blätter mit Trachtenbeschreibungen des Steirischen Heimatwerks. Denn auf Detailgenauigkeit legt die Hobby-Schneiderin größten Wert. Sie erklärt am Beispiel der Gößnitzer Tracht, dass die Beschaffenheit der Kleider an das Gemeindewappen von Gößnitz angelehnt ist. "Unser Wappen weist auf die Tradition der ,Hellebardenträger hin", so Kirchleitner. "Der rote Leib symbolisiert die Pfingstrosen und der grüne Kittel die Blätter, beides wird als Schmuckwerk für die Hellebarden verwendet."

Detailgetreu

So nach und nach kamen auch Trachten aus anderen Gegenden zur Sammlung. Beispielsweise aus dem Liesingtal, Wildon, Aussee oder dem Mürztal. Und jede einzelne ist bis ins kleinste Detail genau nachgeschneidert. Die "Stehfalten" bei Schürze oder Kittel werden exakt gelegt und genäht oder die feine Zierart am Kragen gestickt. "Nur meine drei ,Männer' sind nicht nach Vorlagen aus dem Trachtenbuch gekleidet", so Kirchleitner. Sie hat eine Vorliebe für Fest- und Alltagsdirndln, aber auch für Brautkleider. "Die beiden Hochzeitskleider meiner Töchter habe ich ebenfalls nachgenäht."

Bis so eine Trachtenpuppe in der Vitrine steht, wendet Anna Kirchleitner zwölf bis 15 Stunden auf. Geschneidert und gestickt wird immer nur abends.

Den Stoff für die Trachten dazu kann man in kleinen Mengen kaufen. Schwieriger wird es, die passenden Puppen zu finden. Hat man die Richtige, dann muss erst die Frisur dem Dirndltyp angepasst werden.

Sehen kann man die Trachtenpuppen von Anna Kirchleitner anlässlich des Brauchtumsfestes am 18. April im Kunsthaus Köflach.

KARL MAYER

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