Kuppeln auf der Koppel
Diskussion beendet, Piber darf amouröse Außenstelle für die Lipizzaner der Spanischen Hofreitschule bleiben. Hier wird alles für Nachschub in der Kinderstube getan. Der siebte Himmel für Schimmel.

Foto © Kanizaj
der Morgen beginnt für Lipizzanerhengst Favory Dubovina eher unromantisch. Zuerst die lange Reise von Wien nach Piber und dann auch noch das. Absamen. Mit Phantom statt Stute. Die Stute steht nämlich hinter der Attrappe eines üppigen Pferdehinterns und dient schlicht als Lockvogel. Medizinisch erklärt: das Torbogenphänomen, sozusagen eine erotische Kurvendiskussion.
Auch Stute Confiteria ist von der Situation nicht restlos begeistert, wäre sie dem netten Herren mit der weißen Weste doch gar nicht so abgeneigt. Kein Wunder, dass Frau da stutenbissig wird. Das einzig Positive aus Hengstperspektive ist also die Tatsache, dass die diversen Utensilien für dieses Projekt wenigstens auf angenehme 40 Grad aufgeheizt wurden. Das ist aber auch der erste und wiederum letzte Punkt auf der bescheidenen Liste. Aber das Leben ist kein Ponyhof und so tut Hengst was Hengst tun muss. Nämlich alles für die Erhaltung seiner edlen Art.
Denn die Winterpause in der Spanischen Hofreitschule in Wien wird in der Steiermark gnadenlos ausgenutzt. Insgesamt sind gerade vier Hengste auf sagen wir einmal fortpflanzenden Schüleraustausch im Bundesgestüt Piber. Drei Mal in der Woche müssen die Herren der Schöpfung antreten. "150 Milliliter. Das werden drei bis fünf Fohlen", kommt's von Tierarzt und Gestütsleiter Max Dobretsberger trocken anerkennend, während er eine zum Drittel gefüllte Flasche schwenkt und sich Hengst Dobrovina nach und nach wieder beruhigt. Später wird nur das Beste vom Besten tiefgefroren - minus 196 Grad - und in der Samenbank in Gleisdorf aufbewahrt, wo auch schon seine Artgenossen warten. Gut abgefüllt in kleine Fläschchen. Die Ewigkeit im Kühlschrank. Eine Tradition mit Zukunft.
Zucht und Ordnung
Im Hintergrund traben gerade die Stuten aus dem Stall auf die Koppel. "Ah, die Mädels haben Morgengymnastik", sagt Leopold Weiss beim Blick aus dem Fenster. 42 Jahre und 15 Tage arbeitet er bereits in Piber. Ebenso lange kennt er das Phänomen, dass die Pferderln kurz vor den Wahlen zum Polit-Thema werden. Wie zum Beispiel vergangene Woche geschehen.
Weiss lebt Piber. Er ist Piber. Vom Scheitel bis zu den blitzblanken polierten Schuhen, und das, obwohl der Mann den ganzen Tag im Stall unterwegs ist. Bei Begrüßung und Verabschiedung hebt er seine Kappe mit dem silbernen "P" auf purpurnem Untergrund. Angestellte tadelt er subtil, wenn die Kleidung nicht entspricht. Und auf der Koppel ist er in Sachen Pferde-Identifizierung unschlagbar. Jede Gegenüberstellung schafft er mit Bravour. Zum Namen gibt es auch gleich den ganzen Stammbaum bis zu den äußersten Verästelungen. Adel verpflichtet. "Dorli", "Medea" und "Wanda" und wie die Damen alle heißen mögen. Weiss weiß, wie das Pferd rennt. Und wie es sich nennt.
Da gehört es zum Alltag, dem Hengst beim Absamen ein wenig den Weg zu weisen, wie den Stuten bei der Geburt beizustehen. In Kürze ist es wieder so weit. Es werden acht Fohlen erwartet. "Jetzt habe ich Hunderte Geburten hinter mich gebracht, aber immer wieder ist es ein Erlebnis", erzählt er später beim Spaziergang durch das Gestüt, bei dem er abwechselnd aus Jacken-und Hosentasche Zuckerstücke fischt und sie nebenbei an die Damenrunde verteilt. Auch Pferde können den Hundeblick.
260 Lipizzaner sind in Piber untergebracht, die Jungen, die ausgebildet werden und die Altgedienten, die ihren Pensionsabend hier verbringen. Sie waren schon auf der ganzen Welt unterwegs. Weiss nicht. "Ich bin viel hier." Außer er ist mit seinem Toyota unterwegs. 60 PS unter der Haube statt 260 im Stall.









