"Ab 1000 Meter sind alle per Du"
Auf der Alm ticken die Uhren noch etwas langsamer: Erich Haas berichtet von seinem Leben auf der Rappoldhütte.

Foto © FrühErich Haas bewirtschaftet seit sieben Jahren die Rappoldhütte in der Weststeiermarkt
Ursprünglich kommt Erich Haas aus Hartberg, vor sieben Jahren jedoch hat sich der 62-Jährige einen langgehegten Traum erfüllt: Er hat sich als Halter auf der Rappoldhütte in der Weststeiermark beworben. Seit damals lebt Haas das ganze Jahr über auf der Alm, die sich auf 1500 Meter Seehöhe befindet. "Ob Wanderer oder Schifahrer, die Hütte wird im Sommer und Winter bewirtschaftet. Wenn es einmal später wird, können die Gäste auch bei uns im Matratzenlager übernachten", berichtet Haas.
In der Regel steht der sympathische Almhalter um vier Uhr auf. "Dann rühre ich die Butter und mach' den Käse. Anschließend melke ich unsere drei Kühe und sorge dafür, dass die Stube sauber ist", schildert Haas seinen Tagesbeginn. Über die Sommermonate befinden sich rund 250 Milchkühe auf der Alm. "Die Aufgabe des Halters ist es auch, zu kontrollieren, ob eines der Tiere verletzt ist und ob die Geburten problemlos verlaufen", erklärt Kurt Buchegger, der seit 24 Jahren Obmann der Agrar-Besitzgemeinschaft Hirschegg-Piber ist.
"Rund 80 Prozent der Geburten verlaufen ohne Komplikationen. Ansonsten wird der Tierarzt verständigt", ergänzt Haas. Die heftigen Gewitter haben auf der Alm heuer schon vier Kühen das Leben gekostet, sie wurden vom Blitz erschlagen. Kaum ist Haas von seinem Kontrollgang zurück, kommen auch schon die ersten Wanderer. "Da heißt es dann Jausen richten und kochen", so Haas. An den Wochenenden bekommt der 62-Jährige immer Unterstützung, denn bei Schönwetter ist die urige Almhütte ein beliebtes Ausflugsziel. Einmal in der Woche werden in Köflach die Lebensmittel eingekauft. "Da darf man nichts vergessen, denn das nächste Geschäft ist nicht um die Ecke", weiß Haas aus Erfahrung.
Das Ende der Sommersaison wird spätestens am 29. September eingeläutet, dann findet nämlich der traditionelle Almabtrieb statt. "Schneien kann es hier oben aber schon viel früher. Der vergangene Winter war sehr streng, da hat man nur noch das Hüttendach aus dem Schnee ragen sehen", erinnert sich Haas. Auch wenn er dann den ganzen Tag schaufeln muss, möchte Haas nicht mehr zurück in die Stadt. "In Köflach habe ich noch eine Wohnung, aber auf der Alm lebt es sich doch am besten. Ab 1000 Meter sind nämlich alle per Du", lacht Haas.
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Ein Denkmal erinnert an den verstorbenen Berg- und NaturwächterFoto © Früh







