Pleitegeier kreist nicht über den Lipizzanern
Befürchtungen, das Gestüt könne ausgehungert werden, zerstreut die Generaldirektorin: Sie gibt eine "1000-prozentige Standortgarantie" ab.

Foto © Lydia Lasutschenko
Sie wolle zwar nicht die Pferde scheu machen, erklärt Nationalratsabgeordnete Elisabeth Grossmann (SPÖ), "aber aus einer Aufsichtsratssitzung ist durchgedrungen, dass die Gesellschaft ,Spanische Hofreitschule -Bundesgestüt Piber' pleite ist und im Herbst nicht einmal mehr die Gehälter der Mitarbeiter bezahlt werden können". Sie habe schon mehrmals zwecks Rettung des Bundesgestütes ausrücken müssen, "weil es immer wieder Versuche gab, den Standort langsam auszudünnen und letztendlich zu schließen", so Grossmann.
Zucht reduzieren. "Die Pröll-Lobby in Niederösterreich hatte schon vor einiger Zeit in Wetzdorf erkennbare Ambitionen, die Lipizzanerzucht sowie das touristische Begleitprogramm zu übernehmen", meint die Abgeordnete, die von Generaldirektorin Elisabeth Gürtler eine Standortgarantie fordert. "Besorgniserregend ist auch der Umstand, dass die Zucht in ruinöser Weise reduziert werden soll", äußert Grossmann weitere Bedenken. Sie bemängelt außerdem, dass "die Werbeaktivitäten ebenso wie die Turniere und die Präsenz auf Messen" reduziert worden seien. Landtagsabgeordneter Karl Petinger (SPÖ) steht Grossmann zur Seite. Für ihn ist "die scheibchenweise Demontage des Standortes Piber nicht mehr zu ertragen. Die Marke Lipizzaner ist ein touristisches Aushängeschild für die gesamte Steiermark und ganz besonders für unsere Heimatregion".
Wenig Geld. Generaldirektorin Elisabeth Gürtler sieht zwar keinen Pleitegeier kreisen, aber es sei richtig, "dass wenig Geld da ist" und gespart werden müsse. Warum es in der Weststeiermark immer wieder zu Befürchtungen komme, Piber könne es in Zukunft nicht mehr geben, glaubt sie in einer "Mitgift" begründet: Bei der Ausgliederung habe die Gesellschaft zwölf Millionen Euro in Form von Wäldern mitbekommen, nur noch eine Million sei derzeit vorhanden.
Zu etwaigen Reiseplänen erklärt Gürtler: "Wegen der schlechten Wirtschaftslage haben wir die Deutschland-Tournee nicht gemacht. Ich bin jedoch dabei, etwas Neues zu suchen. Es gibt schließlich auch noch andere Länder."
Bestand zu groß. Außerdem ist die Generaldirektorin der Ansicht, dass der Bestand mit 281 Pferden in Piber derzeit viel zu groß sei: Sie wolle Druck machen, damit der Verkauf floriere und zwar "von Lipizzanern, die in Piber angeritten werden". Wie viele der Pferde letztendlich im Bundesgestüt verbleiben, soll die Veterinärmedizinische Universität feststellen: "Ich werde vorsichtig genug sein, ich entscheide das sicher nicht", so Gürtler, die "eine 1000-prozentige Standortgarantie für Piber" abgibt.








