Die Farbkraft entfaltet sich nur langsam
Ohne Geduld geht bei ihrer Kunst nichts: Die Glasmalerin Zvonka Pozun braucht außer einer ruhigen Hand auch viel Zeit, um ihren filigranen Arbeiten die richtige Leuchtkraft geben zu können.

Foto © Zerbrechliche Kunstwerke MAYER
Über die Kunst der Glasmacher und die Faszination des Glases gibt es einen alten Spruch, der lautet: "Es ist ein unendlich' Kreuz, Glas zu machen." Über die Kunst der Glasmalerei könnte man abgewandelt sagen: "Es bedarf unendlich' Geduld, Glas zu bemalen."
Eine, die die Kunst des Glasmalens perfekt beherrscht und auch die Riesengeduld für diese Sparte des Veredelns aufbringt, ist die aus Celje in Slowenien stammende Zvonka Pozun. Obwohl bereits eine Meisterin ihres Faches, ist sie noch immer eine Lernende, eine Suchende.
Mit dazu beigetragen, stets noch perfekter - sowohl in handwerklicher als auch in künstlerischer Hinsicht - zu werden, hat ein Ausspruch ihres Großvaters. Der, ein slowenischer Landwirt, prägte dem Schulmädchen Zvonka den Satz ein: "Schau, dass du jeden Tag in jeder Hinsicht besser wirst."
Zvonka Pozun besuchte die Schule für Gestaltung und Fotografie in Ljubljana und wirkte in der Folge im jugoslawischen Fernsehen auch im Jugend- und Spielfilmprogramm mit. In der Folge arbeitete die Künstlerin als archäologische Zeichnerin beim Museum in Celje. Während dieser Zeit fing sie an, sich mit der Glasmalerei zu beschäftigen. Dabei lernte sie Vertreter des Glasmuseums Bärnbach kennen. Sie absolvierte eine Ausbildung in Bärnbach bei Norbert Langegger, einem Glasmaler im Ruhestand, sowie an der Abteilung für Glasmalerei der Glasfachschule Kramsach.
Über ihren Werdegang meint die Slowenin, dass ihr eine perfekte grafische Ausbildung in der Schule sehr zugute komme. "Zuerst muss man das Handwerk beherrschen, dann kann man sich der künstlerischen Gestaltung zuwenden", meint sie und betont: "Selbstverständlich ist ein hohes Maß an Geduld erforderlich."
Wochen
Bis ein Glas, ein Teller, ein Pokal fertig bemalt ist, bedarf es mehrere Arbeitsgänge, die sich oft über Wochen erstrecken. Als Grundlage verwendet Pozun ausschließlich mundgeblasenes Glas, "wegen der hohen Qualität der Oberfläche", so die Künstlerin. Die Glasmalfarben bestehen hauptsächlich aus farbigem, pulverisiertem Glas und Edelmetallen, die erst nach dem Ofenbrand ihre Leuchtkraft und Brillanz entfalten. Die Glasmalerin mischt das Farbpulver mit wenig Malmittel zu einer feinkörnigen Masse. Bis sie die richtige Konsistenz hat, dauert es oft Tage.
Die Farben werden mit einer Schreibfeder oder mit feinsten Pinseln, oft unter Zuhilfenahme einer Lupe, aufgetragen. Der Arbeitsraum muss möglichst staubfrei sein, denn jede Verunreinigung ist auf dem gebrannten Glas sichtbar. Wobei die verschiedenen Farben nicht miteinander vermengt werden dürfen. Das heißt, dass nur jeweils ein Farbton aufgetragen werden darf, dann kommt das Glas in den Brennofen. Beim Brand verdampfen die Malmittel und die Farben verschmelzen mit der Glasoberfläche. Dieser Vorgang wiederholt sich mehrmals.
Für Pozun sind vor allem die alten Meister ein Vorbild, sie versucht zu erfahren, "wie haben die damals gearbeitet, welche Techniken wurden angewandt". Die Perfektionistin arbeitet sogar an einem Objekt unter verschiedenen Lichtquellen. Denn, so die Meisterin, "man kennt ja vorher den Standort nicht, wo das Stück einmal ausgestellt sein wird. Das Glas soll jedoch bei jeder Art von Lichtquelle seine volle Pracht entfalten".
Demnächst kann man sich von Pozuns Fertigkeiten überzeugen: Die Glasmalerin wird eine Auswahl ihrer Werke in einer Verkaufsausstellung ab 13. Oktober im Glasmuseum Bärnbach zeigen.








