Nicht meckern wegen Ziegen
Nach einer Auszeichnung folgt der nächste Schritt: Tiere sollen Kindergartenbesucher und Pflegeheimbewohner zusammenbringen.

Foto © PrivatZiegenbesuch im Kindergarten
Als die zwei Kinder von Karin Peinhopf den Bärnbacher Kindergarten besuchten, "habe ich dort manchmal gebacken", so die Bäuerin. Dabei ist es jedoch nicht geblieben, denn Peinhopf und Kindergarten-Leiterin Dagmar Weißenberger hatten noch andere Ideen, wie man den Kleinen gesundes Essen schmackhaft machen kann.
Deshalb kommt Peinhopf seit mehr als einem Jahr ein Mal pro Monat in den Kindergarten und geht auf verschiedene Themen ein: Einmal geht's um die Henne und das Ei, dann um Knackiges aus dem Garten oder um ein echt steirisches Fest. Sogar ein Ziegenpicknick wurde schon organisiert. "Die Jause ist dann entsprechend zubereitet", erklärt die Bäuerin, die auf ihrem Hof 20 Mutterziegen und einige Schafe versorgt.
Irgendwelche Vorurteile gegen Ziegenmilch oder -käse haben die kleinen Feinspitze übrigens nach einer kurzen Gewöhnungsphase nicht mehr. Peinhopf: "Sie mögen zum Beispiel das Joghurt mit Himbeergeschmack sehr gern. Und kürzlich hatten wir einen Kürbisstrudel, der mit geriebenem Ziegenkäse verfeinert war, auch dagegen gab es keine Einwände."
Manchmal macht die "Kindergartenbäuerin", wie sie mittlerweile genannt wird, mit ihren Tieren einen Ausflug. "Zwei kleine Ziegen waren zusammen mit mir schon bei den Kindern zum Streicheln, sogar neugeborene Tiere habe ich den Kleinen bereits gezeigt."
Mit dem gesunden Projekt werden aber auch noch andere Ziele als das Verfeinern der Geschmacksnerven verfolgt: Weg vom Fastfood und zurück zur Natur ist ein weiterer Aspekt, der den Verantwortlichen am Herzen liegt. Außerdem sollen die Kinder ein Produkt genau - vom Entstehen bis zum gemeinsamen Essen - kennenlernen. Und letztendlich geht es auch darum, ein Umdenken bei den Eltern zu gesunder Ernährung zu bewirken und sowohl dem Nachwuchs als auch den Erwachsenen die Bedeutung der bäuerlichen Arbeit in Erinnerung zu rufen.
Die ungewöhnliche Idee war einen Preis wert: Bei "g'scheit essen", einem Bewerb der Landwirtschaftskammer, haben die Bärnbacher den ersten Preis in der Kategorie "Essen mit Köpfchen" geschafft.
"Eigentlich war gar nicht beabsichtigt, das so groß aufzuziehen. Es war alles mehr ein Zufall", meint Kindergarten-Leiterin Dagmar Weißenberger im Rückblick. Das trübt die Freude an der Auszeichnung jedoch keineswegs. Was die Leiterin besonders erstaunt, ist, dass bei den Kindern die Lust am Probieren verstärkt zu bemerken ist: "Einige haben anfangs gezögert und wollten nichts essen, was sie nicht kennen."
Peinhopf und Weißenberger gehen bald noch einen Schritt weiter: Es wird ein Gehege angelegt, in dem zwei Ziegen untergebracht sind. Betreut werden die Tiere von Bewohnern eines Pflegeheims und den Kindern.
Features
Auszeichnung
Projekt. Das Projekt "Oafoch und frisch - so kummt's auf unsan Tisch" wurde vom Ziegenzuchtbetrieb Karin Peinhopf und dem Städtischen Kindergarten Bärnbach eingereicht. Gewonnen haben die kleinen Weststeirer und die Bäuerin in der Kategorie "Essen mit Köpfchen".








