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Zuletzt aktualisiert: 22.07.2009 um 16:05 UhrKommentare

Fall "Nachterstedt" in der Steiermark unwahrscheinlich

Das Unglück von Nachterstedt ereignete sich, weil der Boden wie eine Sandburg ausgeschwemmt wurde. Auch in Österreich gibt es Gebiete, in denen früher Tagbau betrieben wurde.

Eine Fläche von sechs Fußballfeldern ist am Samstag in den Tagebausee gesackt.

Foto © APEine Fläche von sechs Fußballfeldern ist am Samstag in den Tagebausee gesackt.

Die Tragödie in Nachterstedt hat in ganz Deutschland und auch im Ausland Aufsehen erregt. Am Samstag gegen 5 Uhr 40 wurden auf mehr als 300 Metern Länge Erdmassen in den angrenzenden Concordiasee, einen Tagebausee, gerissen. Mit ihnen drei Menschen, ein Doppelhaus und ein halbes Mehrfamilienhaus. Tagebauseen, also ehemalige Kohletagwerke, die zur Renaturalisierung mit Wasser gefüllt wurden, gibt es in Ostdeutschland viele. Die Sackung hat nun Diskussionen über deren Sicherheit ausgelöst.

Was sich in Nachterstedt ereignet hat, sei vergleichbar mit dem Spielen mit Sand am Meer: Kommt eine Welle, oder lässt man Wasser darüberrinnen, bleibe keine Sandburg heil, erklärt Friedrich Kremser von der GKB-Bergbau GmbH. In Nachterstedt sei beides zugleich eingetreten: Der geflutete Tagbausee hat das Erdreich von unten durchnässt, zusätzlich hat sich der Boden mit Regenwasser vollgesogen. Bis schließlich 55.000 Quadratmeter Erdreich – das entspricht einer Fläche von sechs Fußballfeldern - eingesackt sind.

Andere Bodenbeschaffenheit

Dass sich ein Unglück wie das von Nachterstedt auch in der Steiermark zuträgt, ist sehr unwahrscheinlich. "Solche sandigen Böden wie in Nachterstedt haben wir hier nicht", sagt Friedrich Kremser. Das Bärnbacher Unternehmen, für das er arbeitet, hat sich auf die Sicherung von ehemaligen Bergbauflächen spezialisiert. "Hier haben wir so genannte bindige Böden, die aus viel Schlurff und Ton bestehen. Natürlich kann man nicht hundertprozentig ausschließen, dass etwas passiert, aber ich kenne in der Steiermark keine Bodensituation, die vergleichbar wäre", sagt Kremser.

Wenn auf einer stillgelegten Bergbaufläche gebaut werden soll, muss die Montanbehörde eine eigene, zusätzliche Baubewilligung erteilen. Gibt es Bedenken, so muss die Behörde bestimmte Sicherheitsvorkehrungen vorschreiben, wie zum Beispiel gestärkte Fundamente. Nicht immer ist aber alles über die Bodenbeschaffenheit bekannt. "Der Altbergbau birgt gewisse Probleme", sagt Kremser. "Es gibt Fälle, in denen unsere Vorfahren gegraben haben, ohne Aufzeichnungen darüber zu machen. Überall, wo ein Wertmineral vorkommt, muss man damit rechnen, dass irgendwann einmal gewühlt wurde."

BARBARA KLUGER

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