Die Südbahn: Zeitloser Zug
Seit 150 Jahren verbindet die Südbahn Wien mit Triest. Das Technische Eisenbahn Museum Lieboch (TEML) lädt am Nationalfeiertag zur Finissage der Ausstellung "Mit Volldampf in den Süden".

Foto © APAAlte Dampflokomotiven gibt es zu bewundern
Achtung - der Zug von Wien-Südbahnhof nach Triest fährt Bahnsteig eins ab!" - so könnte am 27. Juli 1857 erstmals die Bahnfahrt von der damaligen k. u. k. Reichshauptstadt an die obere Adria angekündigt worden sein. Und obwohl die Südbahn heuer bereits 150 Jahre am Buckel hat, sorgt die alte Dame noch immer für gehörig Zündstoff. Nachdem 1998 der Bau des Semmeringbasistunnels vorläufig ad acta gelegt worden war, soll auch dieses Projekt nun wieder vorangetrieben werden.
Ausstellung.
Anlass genug, die Geschichte der Südbahn bis Freitag in Lieboch nochmals zu beleuchten. Der Tag der offenen Tür am Nationalfeiertag ist Schlusspunkt unter die Ausstellung "150 Jahre Südbahn - Mit Volldampf in den Süden" im Technischen Eisenbahn Museum des Ortes. "Damals war die Südbahn-Gesellschaft auch in die Weststeiermark für die Streckenführung zuständig", erklärt Gottfried Aldrian, Obmann der Steirischen Eisenbahnfreunde. Erst später übernahm die GKB diese Rolle.
Nostalgielok.
Für echte Eisenbahn-Freaks beginnt der Tag der offenen Tür
schon in Graz. "Besucher können mit der Nostalgielok "671" - und damit der dienstältesten Dampflokomotive der Welt im Betrieb einer Eisenbahngesellschaft - um halb zehn und um zwölf Uhr nach Lieboch tingeln", erklärt Aldrian.
Bedeutung der Bahn.
Zu sehen bekommen die Besucher eine alte Dampflok "56.3115" aus dem Jahr 1914, alte Signale, Stellwerke, Weichen sowie historische Fahrpläne, Übersichtskarten und Pläne. "Wir wollen den Besuchern vermitteln, welche Bedeutung der Bau der Südbahn für die Region, aber auch für die Gesellschaft insgesamt gehabt hat", meint Ernst Suppan, Historiker und zuständiger Projektleiter des Eisenbahnmuseums. Durch die durchgängige Befahrbarkeit der Strecke Wien-Triest mit der Bahn verminderte sich etwa die Reisezeit um die Hälfte. "1857 brauchte man dafür 22 Stunden und 45 Minuten. 1914 waren es nur noch zehn Stunden und 35 Minuten", weiß Suppan. Heute, also 93 Jahre später, würde die Reisezeit sogar wieder ein paar Minuten länger dauern.
Zerschlagen.
Denn der Zerfall der k. u. k. Monarchie hatte besonders dramatische Auswirkungen auf die Südbahnstrecke. "Das Eigentum wurde auf verschiedene Länder aufgeteilt, die Gesellschaft in der bestehenden Form einfach zerschlagen", so Suppan.
In die Schau eingebunden ist auch ein Themenschwerpunkt über die Sulmtalbahn, die heuer 100 Jahre geworden wäre. Die Bahn, die zwischen Leibnitz und Pölfing-Brunn verkehrte, wurde 1967 eingestellt.
Herbstfest.
"Ausklingen wird der Tag mit einem Herbstfest und kulinarischen Leckereien. Für die Kinder haben wir ein eigenes Programm zusammengestellt", erzählt Aldrian. Um 10.30 und um 15.50 Uhr geht's mit der Nostalgiebahn wieder zurück nach Graz.
Mürzzuschlag.
Auch im Wintersportmuseum Mürzzuschlag steht das 150-Jahr-Jubiläum der Südbahn im Blickpunkt. Eine Sonderausstellung zeigt Szenen aus dem Alltag der Eisenbahner. Nur ein paar Meter weiter gibt es im Kulturbahnhof "Handfestes" wie alte Loks und Draisinen zu sehen.
Features
Fakten
1857 war es soweit: Die Südbahnstrecke von Wien über den Semmering, Bruck/Mur, Graz, Marburg (Maribor), Cilli (Celje), Laibach (Ljubljana) bis nach Triest war fertiggestellt.
1998 wurde die Semmering-
bahn zum Unesco-Welt-
kulturerbe erklärt.
Auch der Bahnbau auf der schwierigen Moor- und Karststrecke zwischen Laibach und Triest gilt als technische Meister-
leistung.













