Schraubenzieher statt Füllfeder
Dass es die Lehre durchaus mit Schul- oder Uni-Abschluss aufnehmen kann, soll der "Tag der Lehre" am Freitag beweisen. Im Bezirk Voitsberg steigt die Zahl der Lehrlinge seit drei Jahren wieder kontinuierlich. Auch dank einer finanziellen Förderung.

Foto © APASchraubenzieher statt Füllfeder
Gesamtschule hin, differenziertes Schulsystem her. Während man sich im ganzen Land momentan gehörig den Kopf darüber zerbricht, bis wann Kinder künftig gemeinsam die Schulbank drücken sollen, kämpft die heimische Wirtschaft mit ganz anderen Sorgen: nämlich der geringen Zahl an Lehrlingen. Denn Schule ist "in", Lehre hingegen out.
Phänomen.
Begegnen will man diesem Phänomen nun mit einer Imagepolitur für die Lehre. So findet etwa heute bundesweit erstmals der "Tag der Lehre" statt. "Viele glauben, dass ein Schul- oder Universitätsabschluss der Garant für eine dicke Brieftasche und ein Leben in Saus und Braus sind", meint Arnold Heidtmann, Regionalstellenobmann der Wirtschaftskammer Steiermark. Die Realität zeige aber ein ganz anderes Bild. "Ein Lehrberuf hat sehr viel mit Kreativität und Selbstverwirklichung zu tun", meint Heidtmann, selbst Malermeister.
Abhilfe schaffen an dieser Fehleinschätzung könnte laut Heidtmann eine regionale Konferenz. Dabei sollten alle möglichen Bildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten im Bezirk vorgestellt werden. Eltern und Kinder könnten sich selbst ein Bild davon machen, welche Angebote es gibt, welcher Schultyp, aber auch welche Lehre, der bzw. die richtige für den Jugendlichen ist.
Wenig Einsatz.
"Leider gibt es auch Lehrlinge, die ganz einfach zu wenig Einsatz zeigen. Hier würden wir ganz dringend die Mithilfe der Eltern
brauchen", spricht Heidtmann ein weiteres Problem an.
In die gleiche Kerbe schlägt auch der Voitsberger AMS-Chef Gottfried Schmidt: "Die persönlichen Defizite bei Jugendlichen steigen immer mehr an." Konkret geht es dabei um Lese-, Schreib- und Rechenschwächen, fehlende Teamfähigkeit, Alkohol- und Drogensucht oder Überschuldung. "Wir lassen nichts unversucht, das Problem in den Griff zu bekommen", erklärt Schmidt.
Hoffnung.
Ein Blick auf die Statistik lässt allerdings hoffen: Während im Jahr 2004 mit 538 Lehrlingen ein historischer Tiefstand im Bezirk Voitsberg erreicht worden ist, gab es 2006 wieder 585 Lehrlingen.
"Seitdem Betriebe, die Lehrlinge ausbilden, vom Bund finanziell unterstützt werden, ist die Bereitschaft dazu sicher gestiegen", freut sich WK-Regionalstellenobmann Heidtmann. Ein ähnlich positives Resümee zieht AMS-Chef Schmidt: "Wir konnten die Zahl der Lehrstellensuchenden im vergangenen Jahr halbieren. Nur mehr neun Mädchen und 15 Burschen suchen derzeit noch eine Lehrstelle."













