Eine "Else", die alles einfacher macht
Warum darauf nicht schon früher jemand gekommen ist? Mit dem System "Else" revolutionieren Elke Margetich und Sewi Krammer das Harmonikaspiel.

Foto © HEIKE KRUSCHImmer ein Lächeln auf den Lippen und die Harmonika im Arm: Elke Margetich und Sewi Krammer
Für die beiden besteht die Welt aus Reihen und Knöpfen. Auf Zug und Druck erzeugen sie ihr akkordzentrisches Weltbild, in dem völliger Einklang herrscht. Bis auf einen kleinen Ton, der aus der Reihe tanzt. Doch der Bärnbacher Sewi Krammer und die Fohnsdorferin Elke Margetich, beide passionierte Musiker und Volksmusiklehrer, wollten sich mit dem unvollständigen Dreiklang nicht zufriedengeben. "Es geht, vereinfacht erklärt, darum, dass man auf der steirischen Harmonika in den unteren Oktaven auf beiden Reihen Akkorde mit denselben Griffen greifen kann. In der obersten Oktave muss man jedoch spezielle Griffe erlernen, da die Töne sonst nicht richtig zusammenklingen." Eine mühsame Anomalie, die viel Fingerfertigkeit erfordert und somit Schüler - und folglich natürlich auch die Lehrer - zu so manchen Misstönen veranlasst.
Ebenso einfach wie genial
Aber jetzt hat die anstrengende Hirn-Finger-Übung ein Ende. "Wir haben beim Musizieren ein bisschen herumprobiert", spielt Margetich die erstaunliche Entdeckung fast herunter, die den Namen System "Else" - also Elke und Sewi - erhielt. Dabei ist diese so einfach wie genial. "Durch eine kleine bauliche Veränderung, die jeder Harmonikabauer schnell und unkompliziert vornehmen kann, ist das Problem ausgemerzt", sind die beiden begeistert. "Oktavierte Passagen können also auf Zug genauso gegriffen werden, wie in der unteren Oktave." Warum das vorher noch niemandem eingefallen ist, verstehen die beiden selbst nicht.
Und dass ausgerechnet sie die Zeit gefunden haben, den verflixten Ton zu entzaubern, erstaunt alle anderen. Weil Krammer und Margetich so umtriebig sind, dass man ihnen die Zeit zum Nachdenken gar nicht zutrauen würde. Neben ihrer Tätigkeit als Volksmusiklehrer (Krammer ist mittlerweile pensioniert) erarbeiten sie auch Unterrichtsunterlagen. Die bekannten Spielhefte, in Noten- und Grundschrift, gibt es mittlerweile in elf Bänden - inklusive Demonstrations-CDs. Dazwischen halten die beiden Seminare im gesamten Alpenraum ab, arbeiten mit Ensembles und sind selbst zum Beispiel in der Kemetbergmusi aktiv.
Musik ist Geselligkeit
"Am liebsten musizieren wir aber nur für uns", so Krammer. "Weil Musik für uns Geselligkeit bedeutet und nicht primär zu Unterhaltungszwecken dient." In ihrem Haus in Maria Lankowitz (Margetich bewohnt außerdem eine "Arbeitswohnung" in Fohnsdorf) gibt es keinen Raum ohne Musik. Etwa zehn Instrumente von der Schwegel und der Okarina bis zum Hackbrett beherrscht jeder von ihnen. "Wir sind eben keine Spezialisten", betont Krammer. "Es ist vielmehr die Vielseitigkeit an der Volksmusik, die uns so gefällt."
Obwohl beim Frühstück keine Volksmusik gehört wird. "Das passt irgendwie nicht", sagt Margetich, die dann eher auf Klassik und Pop zurückgreift und die zur Entspannung den Instrumentenkoffer auch einmal gegen die Golftasche tauscht. Sport, im Winter zum Beispiel auch Schifahren, ist nämlich der nicht musikalische Ausgleich der beiden, die nicht nur in puncto Volksmusik gemeinsame Wege gehen.
Wie es mit "Else" weitergeht? "Da lassen wir uns überraschen", sagen die beiden. Veröffentlichungen in einschlägigen Fachmagazinen gibt es schon zuhauf. Ergänzungsmaterial zu den Spielheften ist in Arbeit und Margetichs Schüler brauchen sich schon jetzt nicht mehr zu ärgern. Es gibt sie also doch, die Harmonikawelt im Einklang.
Features
Fakten
Sewi Krammer, 1945 in Bärnbach geboren, spielt seit seinem achten Lebensjahr Akkordeon. Erst im Alter von 36 Jahren entdeckte er die steirische Harmonika für sich. Der Volks- und Hauptschullehrer in Pension musiziert unter anderem mit der Kemetbergmusi und arbeitet mit Margetich an Notenheften für die Harmonika.
Fakten
Elke Margetich, 1974 in Fohnsdorf geboren, begann nach musikalischen Anfängen mit Flöte und Hackbrett im Alter von 17 Jahren mit dem Harmonikspiel.
Nach einem Hineinschnuppern in die Sportwissenschaften studierte sie am Konservatorium und unterrichtet mittlerweile an den Musikschulen Fohnsdorf und Murau.













