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Zuletzt aktualisiert: 18.02.2012 um 20:30 UhrKommentare

Evelyn Kaindl-Ranzinger:"Wir haben richtige Schätze im Bezirk"

Über Heimatmuseen und die große Leistung ihrer Sammler. Evelyn Kaindl-Ranzinger im Gespräch zum Auftakt unserer Museumsserie.

F ür den Verein Musis beschäftigen Sie sich seit mehr als 20 Jahren mit den steirischen Museen. Wie ist der Bezirk Voitsberg museal einzuordnen? EVELYN KAINDL-RANZINGER: Da gibt es natürlich das Oberglas Glasmuseum in Bärnbach, das Heimatmuseum am Wölmißberg oder das Kern-Buam-Museum in Voitsberg. Aber eigentlich zeichnet sich der Bezirk nicht durch große Museen, sondern vielmehr durch kleine Sammlungen aus.

Gibt es eine lückenlose Auflistung aller musealen Einrichtungen? KAINDL-RANZINGER: Nein, das ist sehr schwierig. Als wir mit Musis begonnen haben, hatten wir eine Auflistung von 98 Museen und Sammlungen in der ganzen Steiermark. Derzeit liegen wir bei 340. Und das sind sicher nicht alle.

Was macht eine Gesamtaufstellung so schwierig? KAINDL-RANZINGER: Das liegt schon einmal an der Unterscheidung zwischen Museum und Privatsammlung. Ein Museum besitzt Sammlungen als Grundlage, verpflichtet sich zum Bewahren derselben - also zur Restaurierung, Dokumentation und Inventarisierung - und kümmert sich um Präsentation und Vermittlung. Eine reine Sammlung hingegen ist meist privates Eigentum. Sie entsteht aus privatem Engagement und ist oft auch nur nach Absprache zu besichtigen.

Heißt das, dass Sammlungen qualitativ minderwertige Museen sind? KAINDL-RANZINGER: Nein, ganz im Gegenteil. Wir haben richtige Schätze im Bezirk. Wenn wir zum Beispiel Themenmuseen hernehmen, exemplarisch den Bereich Forst. Da sammelt jemand alles, was es zu diesem Thema gibt. Arbeitsgeräte, Bekleidung, Gegenstände des alltäglichen Gebrauchs. Es hat einen unschätzbaren Wert, dass diese Dinge da sind.

Aber was fehlt, ist oft die wissenschaftliche Aufarbeitung, wenn ich Sie richtig verstanden habe? KAINDL-RANZINGER: Auch das würde ich so nicht sagen. Gerade im Bezirk Voitsberg ist man ja in der glücklichen Lage, Fachleute vor Ort zu haben. Der Historiker Ernst Lasnik ist für viele Sammler Ansprechperson. Und auch Musis berät Sammler gerne. Aber wie bereits gesagt, allein die Tatsache, dass die Gegenstände gesammelt werden, ist wichtig.

Aber es gibt auch kritische Stimmen. Ein Museum beziehungsweise eine Sammlung muss heutzutage modern sein, um sich überhaupt finanzieren zu können. KAINDL-RANZINGER: Museen sind im öffentlichen Interesse und gewöhnlich nicht in der Lage, sich selbst zu finanzieren. Aber vielen privaten Sammlern geht es gar nicht um Materielles. Es geht um den ideellen Wert und auch um den Bildungsaspekt. Gerade die Heimatmuseen sind ja aus dem Bereich der Volksbildung entstanden. Die Menschen sollten aus ihrem direkten Umfeld lernen.

Das war im frühen 20. Jahrhundert. Ist das Prinzip Heimatmuseum mittlerweile nicht schon längst überholt? KAINDL-RANZINGER: Nein, es bietet auch heute noch eine große Chance. Einerseits sorgt ein Heimatmuseum für sozialen Zusammenhalt. Es stellt einen sozialen Nukleus dar, an dem sich Schüler, Eltern und ältere Menschen treffen, um über die gemeinsame Geschichte zu debattieren. Und es trägt zweifelsohne zur Identitätsstiftung bei. Man stelle sich vor, diese Sammlungen würde es nicht geben! Welch großer Verlust! Heimatmuseen erbringen nämlich unschätzbare Leistungen für die Menschen einer Region.

Dennoch kam es - auch im Bezirk Voitsberg - in letzter Zeit immer wieder zu Schließungen von Heimatmuseen. Wurden großartige Sammlungen verkauft, wie etwa die Dokumentation der Foto- und Filmentwicklung von Hans Hubmann in Edelschrott, die an die Vorarlberger Museumswelt abgegeben wurde. KAINDL-RANZINGER: Das ist leider richtig. Ich sehe einerseits ein Generationenproblem. Werden die Sammler zu alt, gibt es oft niemanden, der die Sammlung weiterführen will. Und auch Käufer finden sich selten. Oft werden die Dinge dann einfach am Flohmarkt verkauft. Sammlungen in ihre Einzelteile zerrissen. Wie in allen Bereichen scheitert es eben oft an der Zeit und am Geld.

Wo sehen Sie unter diesen Umständen die Zukunft kleiner Sammlungen? KAINDL-RANZINGER: Die Gemeinden, die selbst auch wenig Mittel haben, hätten die Verantwortung. Aber auch jeder und jede von uns. Wenn wir alle uns unserer Schätze stärker bewusst werden, ist das schon ein wichtiger Schritt.

INTERVIEW: HEIKE KRUSCH


Kommentar

HEIKE KRUSCHSammelobjekte von HEIKE KRUSCH

Schatzsuche

Zum 20-jährigen Jubiläum des steirischen Museumstags (heuer am 17. März) macht sich die Kleine Zeitung auf die Suche nach verborgenen Museumsschätzen im Bezirk Voitsberg.

Immer wieder werden wir in den kommenden Monaten Museen, Sammlungen und die Sammler dahinter vorstellen.

Eine Überblick über die steirische Museumslandschaft gibt es unter: www.musis.at

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