Piberegg: Nach Unfall Verwahrlosung aufgedeckt
Forstunfall beförderte tragisches Schicksal ans Tageslicht: Landwirt (65) lebte in verwahrlostem Haus, 18 Rinder und zwei Hunde waren völlig vernachlässigt.
1 / 4
Zentimeterhoch liegt Staub, Dreck und Müll in den Wohnräumen, die Wände sind von Schimmel und Schmutz schwarz gefärbt, der Fußboden ist voller Hundekot. Im Kuhstall stehen die 18 Rinder, davon sieben Jungtiere, auf einem Betonboden in ihren eigenen Fäkalien. Einer der beiden verwahrlosten Hunde, ein Jagdhundmischling, ist an einer drei Meter langen Kette befestigt. Das Wasser im Trinknapf ist gefroren, der Boden des einzigen Unterschlupfs - ein altes Holzfass - ist vereist.
Den Vertretern von Gemeinde, Bezirkshauptmannschaft und Aktivem Tierschutz bietet sich ein schreckliches Bild, als sie den in der Einschicht in 750 Meter Seehöhe liegenden Bauernhof in Piberegg betreten. "Der Bauer lebt wie ein Einsiedler. Bisher gab es aber noch nie die Notwendigkeit einzuschreiten", sagt Bürgermeister Siegfried Reinprecht. Erst durch einen tragischen Forstunfall am Dienstag war die menschliche Tragik überhaupt ans Tageslicht gekommen.
Bei Holzarbeiten war der stark hörbehinderte Weststeirer von einem Baum getroffen worden. Seither liegt der 65-Jährige, der am Brustkorb und an den Beinen schwerste Verletzungen erlitten hatte, im künstlichen Tiefschlaf auf der Intensivstation.
Umgehend wurden Amtstierarzt und Aktiver Tierschutz verständigt. Die beiden Hunde, eine dreijährige Schäferhündin und ein etwa neunjähriger Jagdhundmischlingsrüde, wurden sofort mitgenommen und ins Tierheim "Arche Noah" nach Graz gebracht. "Der Jagdhund dürfte sein Leben lang nicht von der Kette gekommen sein", vermuten die Tierschützer.
Bauer wurde kontrolliert
Der 65-Jährige stand bereits unter Beobachtung der Bezirkshauptmannschaft. "Nach einer Routinekontrolle hat der Amtstierarzt gegen den Halter Erhebungen durchgeführt. Da wurde ihm eine Frist eingeräumt, damit er die Haltung verbessern kann", betont der Voitsberger Bezirkshauptmann Hannes Peißl. Vor Ablauf dieser Frist ereignete sich aber der Forstunfall. Nun werden die Rinder von Nachbarn gefüttert und gepflegt. "Für uns ist es selbstverständlich zu helfen", betont die Familie.
Im Stall wurden bereits erste Maßnahmen getroffen. "Eine Installationsfirma aus Voitsberg richtet die Tränke im Stall her. Es ist alles in die Wege geleitet, um zu helfen", sagt Reinprecht.
Am Freitagvormittag musste die Polizei erneut zu einem Einsatz bei dem abgelegenen Bauernhof ausfahren. "Es gab einen versuchten Einbruch. Von den wenigen Habseligkeiten des Mannes ist aber nichts abhandengekommen", teilt der Bürgermeister mit. Bis der 65-Jährige wieder auf sein Anwesen zurückkehren kann, kümmert sich eine Cousine des Weststeirers um das Gehöft.

















