Deutschlandsberg

Ein ganzer Bezirk als medizinisches Versuchskaninchen

In der Weststeiermark startet heute der Testbetrieb für die e-Medikation, eine Funktion der umstrittenen elektronischen Gesundheitsakte Elga. Wer mitmacht, was das bringen soll und was das für die Patienten bedeutet. Von Thomas Wieser

Beteiligen sich an der e-Medikation. Die Stainzer Apothekerin Angelika Bischof (2.v.r.) und ihre Mitarbeiter Ines Kröpfl, Martina Guggi und Stefan Weber
Beteiligen sich an der e-Medikation. Die Stainzer Apothekerin Angelika Bischof (2.v.r.) und ihre Mitarbeiter Ines Kröpfl, Martina Guggi und Stefan Weber © (c) Stefan Kristoferitsch
 

"Das System sollte mehr Patientensicherheit bringen“, ist Martin Millauer, Internist in Stainz und Vizepräsident der Ärztekammer Steiermark, zuversichtlich. Im Bezirk Deutschlandsberg startet nämlich morgen der Probebetrieb für die sogenannte „e-Medikation“, eine Funktion der elektronischen Gesundheitsakte „Elga“. In dieser Liste tragen behandelnde Ärzte bzw. Apotheker verordnete und abgeholte Medikamente ein. Eine Einsicht ist nur mit einer e-Card möglich.

Martin Millauer, Internist und Ärztekammer-Vizepräsident
Martin Millauer, Internist und Ärztekammer-Vizepräsident Foto © Jürgen Fuchs


Alle Beteiligten, auch die Patienten, sollen dadurch nachvollziehen können, wann und welche Arzneimittel verordnet wurden. „Dies soll vor allem für chronisch Erkrankte eine Erleichterung bringen“, heißt es in der Elga GmbH. Sehen Ärzte und Apotheker, welche Medikamente vom Patienten eingenommen werden, kann bei der Verschreibung bzw. Abgabe eines Medikamentes darauf Rücksicht genommen werden.
Durch die Informationen aus der e-Medikation könne man als Patient besser beraten werden, erklärt die Stainzer Apothekerin Angelika Bischof. „Dadurch hat man ein geringeres Risiko für Wechselwirkungen und Mehrfachverschreibungen.“


In der Weststeiermark beteiligen sich laut Millauer 30 niedergelassene Ärzte - sowohl Wahl- als auch Kassenärzte - und acht Apotheken an dem Probebetrieb. „Auch das LKH ist mit dabei“, so Millauer. Bis September soll getestet werden, wie groß der Aufwand für Ärzte und Apotheker ist, wie praktikabel das System ist. „Es kann natürlich sein, dass es ein Rohrkrepierer wird“, meint Millauer. Zwischendurch soll es Evaluierungen geben.


Aber wieso startet gerade der Bezirk Deutschlandsberg mit dem Test? Millauer: „Er ist repräsentativ für Österreichs Nichtballungsräume, es gibt keine große Migration, aber ein Spital.“

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