Mysteriöser Todesfall

Leiche steckte mit dem Kopf in Mülltonne

Eine Frauenleiche im Müllcontainer sorgt in Deutschlandsberg für Gesprächsstoff. Der Staatsanwalt geht von Unfall aus - und verzichtete auf Obduktion. Von Hans Breitegger und Robert Lenhard

Die verstorbene Martina Moik mit ihrem Bruder Wolfgang Spath
Die verstorbene Martina Moik mit ihrem Bruder Wolfgang Spath © Elmar Gubisch
 

Es war am 4. Mai, gegen fünf Uhr Morgens, als ein Zeitungsausträger vor einem Wohnhaus (Betreutes Wohnen) in Deutschlandsberg eine grausige Entdeckung machte. In einem Müllcontainer steckte eine Frauenleiche. Nur die Füße waren zu sehen. Sie waren zwischen Deckel und der Wand des Containers eingeklemmt. Daneben befand sich eine kleine Stehleiter. Wenig später war die Polizei zur Stelle - und der Fall schien rasch geklärt.

Laut Staatsanwaltschaft wollte die Frau - es handelt sich um die 63-jährige Martina Moik - zwischen drei und vier Uhr nachts einen Müllkübel entleeren. „Sie war als Frühaufsteherin bekannt und hat den Müll hinausgetragen“, so Pressesprecher Hansjörg Bacher. „Sie ist auf die Leiter gestiegen, ausgerutscht und hineingefallen. Dabei ist der Deckel zugefallen und sie ist erstickt.“

Müllsammlerin

Ihr Bruder Wolfgang Spath vermutet etwas anderes. „Meine Schwester war eine alte Sammlerin, sie hat in den Tonnen herumgewühlt und alles mitgenommen. Vermutlich war das auch diesmal wieder der Fall. Dabei dürfte ihre Haube in die Tonne gefallen sein. Beim Versuch, sie herauszuholen, ist sie vermutlich hineingestürzt.“ Ein tragischer Tod, von dem sich die Heimleitung tief betroffen zeigt: „Frau Moik hat etwa sieben Jahre lang unauffällig und relativ selbstständig bei uns gelebt.“

Der Fall wurde der Kleinen Zeitung durch einen pensionierten Arzt und Bekannten der Toten bekannt weil er – entgegen der Staatsanwaltschaft – Bedenken hat. „In so einem Fall gehört unbedingt eine Obduktion durchgeführt." Er war deswegen sogar beim Staatsanwalt vorstellig. Doch der sagt: „Es gibt keine Hinweise auf ein Verbrechen, somit wurde die Leiche freigegeben.“ Die Verabschiedung findet Mittwochvormittag in Deutschlandsberg statt. Danach wird die Tote eingeäschert.
Die Mordermittler des Landeskriminalamtes, die in solchen Fällen zu verständigen sind, wissen nichts von einer toten Frau in der Mülltonne. Warum sie nicht informiert wurden, sorgt intern für Verwunderung.

Als Magd ausgebeutet

Allerdings: Der Name der Toten ist im LKA bekannt. Vor Jahren schon ermittelte die Mordgruppe. Die geistig behinderte Frau war viele Jahre lang auf einem weststeirischen Bauernhof als Magd beschäftigt – ohne Bezahlung. Sie war vollkommen verwahrlost und untergewichtig, als ein Nachbar Anzeige erstattete. Doch die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren ein. Davon erfuhr der Bruder von Martina Moik aber erst dieser Tage durch Zufall. Er kann nicht verstehen, warum gegen die Beschuldigten keine Anklage erhoben wurde.

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