Grundstücks-AffäreWildon: Staatsanwaltschaft meldet Berufung an

Einen Tag nach dem Freispruch für den Bürgermeister von Wildon geht die Korruptionsstaatsanwaltschaft in Berufung. Das Urteil sorgt in Wildon für geteilte politische Reaktionen.

Wildons Bürgermeister Helmut Walch wurde vom Vorwurf der Vorteilsannahme freigesprochen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig
Wildons Bürgermeister Helmut Walch wurde vom Vorwurf der Vorteilsannahme freigesprochen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig © (c) Robert Lenhard
 

Seit Monaten stand Wildons Bürgermeister Helmut Walch wegen angeblicher Vorteilsannahme im Zusammenhang mit Grundstückskäufen in seiner Gemeinde im Visier der Korruptionsstaatsanwaltschaft. Am Ende war die Suppe zu dünn: Mittwochnachmittag wurde Walch am Landesgericht Graz freigesprochen. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig: Wie die Kleine Zeitung in Erfahrung brachte, meldete die Wirtschafts- und  Korruptionsstaatsanwaltschaft am Donnerstag Berufung an.

In Walchs Fraktion, der SPÖ Wildon, fühlt man sich vom vorläufigen Ausgang jedenfalls bestätigt. „Ich habe mir das genau vom Herrn Bürgermeister erklären lassen, aus meiner Sicht hat es sich hier nie um eine Vorteilsannahme gehandelt. Insofern sind wir erleichtert, dass das auch von Rechts wegen so gesehen wird“, meint Fraktionsführer Michael Schwingenschlögl und hofft, dass nun auch im Gemeinderat wieder mehr Ruhe und Sachlichkeit einkehrt.

Rücktrittsforderung gegen Gemeinderäte

Erfreut über den Freispruch von Walch zeigt sich auch dessen Partner im Gemeinderat, Josef Hirschmann (Projekt Wildon): „Seit ich im Gemeinderat bin, habe ich noch nie erlebt, dass jemand völlig zu Unrecht so verunglimpft wird. Ich bin wütend und erwarte mir, dass die Gemeinderäte, die das angezettelt haben, zurücktreten.“
Eine Anspielung auf ÖVP und FPÖ, die von Walch und seiner Umgebung im Zusammenhang mit den Ermittlungen einer politischen Hexenjagd bezichtigt wurden. Darauf will sich Karl Kowald, neuer erster Vizebürgermeister und Fraktionschef der ÖVP, nicht einlassen: „Der Freispruch der Justiz, auch wenn er im Zweifel gefällt wurde, ist zu respektieren. Ich bin ein Mann der Zusammenarbeit und kein Scharfmacher. Dort, wo es notwendig ist, werden wir aber auch künftig ganz genau hinschauen.“

Dasselbe gilt für FPÖ-Chef und Gemeindekassier Andreas Url, der die Verhandlung gegen Walch als Zuhörer im Gerichtssaal verfolgte: „Die schiefe Optik bleibt, der Richter hat selbst betont, dass die Sache kein gutes Licht macht.“ Künftige Grundstücksumwidmungen werde man noch genauer hinterfragen. Nichts Neues gibt es übrigens im Ermittlungsverfahren gegen Url, der von Walch wegen Wiederbetätigung angezeigt wurde.
Walch selbst und Grünen-Mandatar Werner Kammel waren für die Kleine Zeitung noch nicht erreichbar.

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