Sommergespräch aus der SüdweststeiermarkFranz Meran: „Man darf sich nicht auf dem Namen ausruhen“

Franz "Graf" Meran, Besitzer des Schlosses Stainz und weiter Waldgebiete in der Weststeiermark, über das adelige Leben, wichtige Werte, Erziehung und seinen Urururgroßvater Erzherzog Johann.

Franz Meran, Urururenkel von Erzherzog Johann
Franz Meran, Urururenkel von Erzherzog Johann © Thomas Wieser
 

Gestatten Sie mir bitte eingangs gleich eine ganz persönliche Frage. Wie darf ich Sie anreden? Mit Herr Graf, Herr Meran, Herr Graf Meran...
Die Adelstitel sind ja abgeschafft und ich lege auch keinen Wert darauf. Aber in ländlichen Bereichen ist es da und dort üblich, Herr Graf zu sagen.

Die Grafen von Meran entstammen den Habsburgern. Sie gehören zu einem der bedeutendsten österreichischen Adelsgeschlechtern. Was bedeutet Ihnen das? Ist das eine Ehre, eine besondere Aufgabe, manchmal eine Bürde?
Es ist schön, wenn man weiß, was die Vorfahren geleistet haben. Der Name verpflichtet gewissermaßen, man darf sich aber nicht darauf ausruhen. Jede Generation hat ihre Probleme, die sie zu lösen hat.


Welche Bedeutung hat der Hochadel im 21. Jahrhundert noch für die Gesellschaft? Wirkt da manches nicht aus dem Rahmen gefallen?
Der Adel hat eine große Bedeutung, aber im Hintergrund. Man lebt in Österreich noch vom Habsburgerflair, zieht daraus einen Nutzen.


Wie viel Kontakt haben Sie zu anderen Adelshäusern in Europa?
Das ist in unserer schnelllebigen Zeit weniger geworden. Meine Großeltern pflegten da noch mehr Kontakte.

Zur Person

Franz Graf Meran, geboren 1964, ist der Urururenkel von Erzherzog Johann. Dieser hatte das Schloss Stainz 1840 gekauft. Meran hat eine Tochter (2).
Meran absolvierte die Forstschule Bruck und übernahm nach dem Tod seines Vaters früh die familieneigene Land- und Forstwirtschaft (Fläche: rund 2200 Hektar).

Wie wichtig war der adelige Gestus in Ihrer Erziehung?
Meine Erziehung war sehr streng. In unserem Haus ist es ein ungeschriebenes Gesetz, sparsam zu leben, allen Menschen auf Augenhöhe zu begegnen. Mein Vater verstarb früh, wir waren 13 und 14, mein Bruder und ich. Mein Großvater übernahm die Verantwortung. Ich war in Wien in der Schule und bekam jede Woche einen handgeschriebenen Brief von ihm. Es war eine Fernerziehung. Wichtig war ihm, zu vermitteln, dass wir nicht durch unsere Geburt etwas Besseres sind, einen freundschaftlichen Kontakt mit der Bevölkerung zu pflegen. Es ist belanglos, wo wir herkommen, wir leben alle auf einer Erde. Das hat sich wie ein roter Faden durchgezogen, schon aus der Zeit von Erzherzog Johann.

Gab es in Ihrer Erziehung ein Schlüsselerlebnis?
Ich erinnere mich gerne daran, dass ich an den Wochenenden und in den Ferien jede freie Minute bei den Förstern im Revier verbrachte. Ein Oberförster, er wurde 94 und verstarb im vorigen Jahr, sagte mir, jetzt sehe ich die Welt aus deren Sicht. An meinem 18. Geburtstag sagte er zu mir, ab heute sei ich sein Gutsherr, ab heute sind wir per Sie. Das war für mich nicht packbar. Wir führten ein intensives Gespräch. Nach einer Dreiviertelstunde stand er auf und sagte: ‘Ich bin der Ältere, ich biete Ihnen das Du-Wort an.’ Ich war auch eineinhalb Jahre bei den Schwarzenbergs auf der Turrach in der Lehre. Die Leute sind extrem loyal zu ihren Gutsherren, aber es ist wichtig, als späterer Chef ganz unten anzufangen.

Sie sind Vater eines kleinen Mädchens: Was ist Ihnen in der Erziehung wichtig?
Ich habe fast die gleichen Werte wie meine Vorgänger. Da bin ich sehr konservativ und sensibel. Es ist wichtig, sich mit den Menschen auseinanderzusetzen. Wir leben in einem extrem friedlichen Europa. Aber die Schere zwischen Arm und Reich geht massiv auseinander. Das geht über eine kurze Zeit gut, aber sich nicht über eine lange. Der Sozialstaat wird so sicher nicht aufrechtzuerhalten sein. Es heißt immer nur Loch auf, Loch zu. Außerdem ist eine parteipolitische Ideologie nicht mehr zeitgemäß. Ich könnte mir nicht vorstellen, dass Erzherzog Johann Mitglied in einer Partei gewesen wäre. Er war ein grüner Politiker mit einem roten Herz, durch das schwarz-blaues Blut floss.

Wie kann man den dieser Spaltung der Gesellschaft entgegenwirken?
Das bedarf großer Persönlichkeiten. Der Gedanke des geeinten Europas ist sehr wichtig. Schon die Habsburger sind gescheitert, Europa zu einen. Wenn das nun scheitert, fallen wir in Zeiten zurück, die sich keiner wünscht. Die Entwicklung ist bedenklich. Die Gesellschaft und der Staat fangen in der Familie an. Und da geht teilweise von unten schon sehr viel schief.

Das Schloss Stainz
Foto © Thomas Wieser

Da wären wir wieder bei den Werten...
Es geht um Toleranz. Geld ist nicht alles. Wir müssen dieses Streben nach immer mehr abbauen. Jeder soll zufrieden sein, mit dem, was er hat. Die Leute müssen sich gegenseitig stützen. Wir haben einen super Sozialstaat, nur können wir uns diesen nicht mehr leisten.

Ihr Urururgroßvater war von 1850 bis 1858 der erste Bürgermeister von Stainz. Haben Sie selbst keine politischen Ambitionen?
Eigentlich nicht. Ich bin aber politisch interessiert, verfolge mit Argusaugen, was passiert. In der Politik werden viele Persönlichkeiten aufgerieben, obwohl sie gute Absichten haben. Man kann die Politik auch mitgestalten, in dem man versucht, in der nächsten Umgebung Werte weiterzugeben. Man soll vom Kleinen aufs Große gehen. Die Politik soll von unten gestaltet werden.

So wie es etwa in unseren Gemeinden sein sollte...
In den Gemeinden funktioniert das ja teilweise noch. Man soll da auch bei den Regionen ansetzen.

Um bei Ihrer Gemeinde zu bleiben: Stainz wurde mit fünf anderen Gemeinden fusioniert. War das richtig oder wurden die einzelnen Gemeinden geschwächt?
Es war eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Aber es ist auch schade, denn im Kleinen ging die Regionalität verloren. Es tut mir extrem leid um jede kleine Volksschule, die schließt, um jeden kleinen Greißler, der zusperrt. Aber die Besonderheiten einer Region müssen in den Köpfen der Menschen leben.


Das Schloss Stainz ist eines der schönsten und auch größten Schlösser des Landes. Wie lässt sich dieses Kulturgut erhalten und pflegen?
Die Erhaltung war schon schwieriger. Das Haus schaute vor 40 Jahren anders aus als heute. Es ist eine großartige Leistung, die unsere Elterngeneration erbracht hat. Man muss das Schloss konservieren und erhalten. Aber der Aufwand ist nicht gering.

Erzherzog Johann
Erzherzog Johann Foto © Land Steiermark/Schiffer


Wie kann man sich das Wohnen in diesem riesigen Schloss vorstellen? Feudale Räume, endlose Gänge, geheime Türen, kalte Räume im Winter, kühle im Sommer?
Ich wohne seit ungefähr 15 Jahren nicht mehr im Schloss. Es war ein Augustinerchorherrenstift, mit Riesenräumen und hohen Decken, aber kein Wohnschloss. Es ist extrem unwirtschaftlich, dort zu leben. Ich wohne im Forsthaus, das ist wirtschaftlich sinnvoller. Meine Mami war die Letzte, die dort gewohnt hat. Sie ist heuer im April verstorben. Auch Erzherzog Johann, der das Schloss gekauft hat, hat dort nie gewohnt. Der Erste, der darin gelebt hat, war mein Großvater. Das Leben war spartanisch, jeder Raum musste extra beheizt werden. Es ist das Verdienst meiner Eltern, dass das Schloss so wohnlich wurde. Vielleicht will ja die nächste Generation wieder im Schloss wohnen.

Gibt es Pläne, Zimmer im Schloss zu vermieten, etwa für Urlauber?
Nein, es sind viele alte Gegenstände drin. Man hat da eine Verantwortung dafür.


Sie sind Präsident des Steirischen Jagdschutzvereins: Wie oft sind Sie selbst in Ihrem Jagdrevier zwischen Rosenkogel und Reinischkogel unterwegs?
Sehr oft, fast jeden Tag. Das wurde mir in die Wiege gelegt. Ich setze mich viel mit den Wildtieren auseinander. Wir haben keine reine Naturlandschaft mehr, sondern eine mühsam von unseren Vorgängern aufgebaute Kulturlandschaft. Aber unsere Natur ist wunderschön, es geht darum, möglichst viel natürlich zu erhalten.

Gerade das Koralmgebiet wird ja immer weniger besiedelt. Ist es denkbar, dass diese Region in hundert Jahren wieder zugewachsen ist?
Es ist denkbar, sogar wahrscheinlich. Die Natur holt sich viel zurück. Ich kämpfe um jeden Bauern, der oben bleibt. Die Bauern erhalten die Landschaft und die Natur.

Wie kann man die Landwirte unterstützen?
Der bäuerliche Stand gehört ehrlich gestützt. Das derzeitige Fördersystem ist verkehrt. Es erreicht nicht die kleinen Bergbauern, sondern die Großbauern und die Agrarindustrie. Die Leute gehören unkompliziert gefördert, das System gehört entbürokratisiert. Es ist genügend Geld vorhanden. Die Landflucht ist jedenfalls massiv.

Deshalb wächst ja auch der Ballungsraum Graz so stark...
Ja. Für mich ist Lannach schon fast ein Vorort von Graz.


Abschließend: Sofern Sie Urlaub haben: Wie und wo urlauben Sie? In einem Schlosshotel, bei befreundeten Adelsgeschlechtern, vielleicht auch in einer kleinen Frühstückspension?
Ich fahre so gut wie nie auf Urlaub. Und wenn, dann bin ich innerhalb von Österreich unterwegs. Wir haben hier so viele schöne Gegenden, ich mag keine Massenstrände. Und wenn wir woanders sind, suche ich eher das einfache Quartier.

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Danke für Ihr Verständnis.

Lodengrün
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Haben wir einmal die Gelegenheit

diesen Herrn wirklich zu begegnen wird einem der Unterschied in Kürze klar gemacht. Und wie die den Herrn raushängen lassen. Ich der Herr Du der ...... .

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austrofighter
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GRAF ??

Weshalb bitteschön fragt ein(e) Redakteur(in) wie sie Herrn Meran ansprechen darf ?
Wie er selbst anmerkt sind Adelstitel in Österreich abgeschafft.

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StockBoss
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Wenn Herr Meran

ZB auch Deutscher oder Liechtensteiner ist (Doppelstaatsbürger), dann wäre das sein Titel. Zur Queen in England sagt man eben auch in Österreich Queen!

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Aussenstehender
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Graf von Meran

Schade dass die Ausseer Postmeisterstochter nicht erwähnt wird.

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