Hartes Match: Tierschützer gegen Bauern''Schweinehaltung ist gesetzlich legitimierte Tierquälerei''

Tierschützer zeigten in Graz brisante Fotos und Videos aus Schweineställen, um die "gesetzlich limitierte Tierquälerei" anzuprangern. Der kritisierte Bauer und Obmann der Initiative Saugut hielt bei der Pressekonferenz aber dagegen.

Die Schweinemast ist wieder in der Kritik.
Die Schweinemast ist wieder in der Kritik. © Weingartner
 

Mit ungewöhnlich offenem Visier und zivilisiert im Ton trafen am Freitag bei einer Pressekonferenz "Angreifer" und "Attackierter" aufeinander. Der Verein gegen Tierfabriken (VGT) bat in Graz zu einem Pressegespräch, um die Initiatvie "Saugut", den Obmann und Schweinbauern Werner Pail sowie die Aktion "Tag der offenen Stalltür" massiv zu kritisieren.

Am Samstag öffnen ja steirische Schweinebauern wieder ihre Stalltüren, um den Konsumenten die Realität der Mastbetriebe zu zeigen, die sich eben deutlich von den Hochglanzbildern der glücklichen Wald- und Wiesenschweinderln unterscheide.

"Schönfärberei"

Der Vorwurf von David Richter vom VGT: "Diese Initiative versucht mit Schönfärberei eine Normalisierung der Missstände zu erreichen." Man zeige den Menschen - auch medial - nur jene Räume der Ställe, die in gutem Zustand seien, mit jüngeren, kleineren Tieren, die noch nicht unter Platznot leiden würden. "Diese Bauern wollen den Menschen weismachen, dass das schon so passt, wie die Tiere gehalten werden."

Es passe aber keineswegs, meinen die Tierschutzaktivisten und zeigen Fotos und Videos aus mehreren Schweineställen. Besonders schwer auszuhalten ist eine Langzeitaufnahme eines ganzen Stalltages aus Pails Betrieb im Zeitraffer.

Artgenossen angeknabbert

Diese Aufnahme zeigt, wie ein am Hintern blutiges Tier von den Artgenossen stundenlang angeknabbert wird. So lange man nicht die echten Bilder aus den Betrieben sehe, müsse man von einem Tag der geschlossenen Stalltür reden, so Richter.

Jetzt bricht man in meine Ställe ein und montiert versteckte Kameras. 

Schweinbauer Werner Pail

Der anwesende Landwirt, Werner Pail, ist betroffen: "Ich sage meinen Kollegen, wir müssen unsere Ställe öffnen und herzeigen, wie die Schweinemast wirklich aussieht, damit die Konsumenten wissen, was da passiert." Und die "meisten meiner Kollegen machen nicht mit, weil sie fürchten, von euch Aktivisten vorgeführt zu werden. Jetzt bricht man in meine Ställe ein und montiert versteckte Kameras. Da muss ich sagen, ich muss meinen Kollegen da fast recht geben." Im Zuge der Pressekonferenz formulierte Pail so (siehe Video):

So reagiert Werner Pail von der Inititaive Saugut auf die Fotos der Tierschützer

 

Tier entdeckt und operiert

Das angeknabberte Schwein sei von Pails Frau entdeckt und in Folge von ihm in einer Bucht für erkrankte Tiere separiert untergebracht worden. Am nächsten Tag sei der Mastdarmvorfall vom Tierarzt operiert worden: "Dass kann ich alles belegen." Ja, auf so einem Hof sei nicht immer Sonnenschein und es passiere manchmal etwas, aber das Wohl seiner Tiere liege ihm am Herzen.

Generell prangern die Tierschützer an den Haltebedingungen in steirischen Ställen vor allem drei Dinge an: Es gibt keine getrennten Kot, Liege- und Fressbereiche. Sondern die Tier dünsten auf den Vollspaltböden die ganze zeit über den Dämpfen ihrer Exkremente und müssten auch darin liegen.

Es gebe viel zu wenig Platz für die Schweine, um liegen oder sich bewegen zu können. Und es fehle an Beschäftigungsmaterial (Stroh zum Zupfen, Holz oder Ketten und Bälle), damit den Tieren nicht fad werde. Als Folge würden sie aggressiv und würden einander dann gegenseitig angreifen und anknabbern.

Im Video-Interview nimmt der kritisierte Schweinebauer und Obmann der Initiative Saugut Stellung zu den Vorwürfen:

 

Schweinebauer Pail im Interview

Ombudsfrau für Dialog

Die ebenfalls anwesende Tierschutzombudsfrau des Landes Barbara Fiala-Köck betonte, keines der gezeigten Bilder und Videos zeige Verstöße gegen das Tierschutzgesetz, das eben nur die Minimalstandards festlege. Die Expertin kritisiert zudem die Vorgehensweise des VGT, alles immer nur am Rücken der Landwirte auszutragen, statt in einem gemeinsamen Dialog Veränderungen herbeizuführen.

Die Türschützer forderten schließlich von Medien, Politk und Handel tätig zu werden, um die Schweinhaltung zu verbessern.

 

Die Forderungen von Lena Remich und David Richter (VGT)

Landwirt Pail will seinen Kurs nicht ändern: "Wir betreiben die Politik der offenen Stalltüren weiter. Und ich werde auch an Verbesserungen der Bedingungen arbeiten, die ich wirklich nicht uneingeschränkt verteidigen kann und will."

Agrarlandesrat Hans Seitinger (ÖVP) bekennt sich klar zu Tierschutz und dem Bemühen, Megaställe in der Steiermark zu verhindern, so gut es geht. Das Land hat ja nach einem tragischen Fall 2014, als 1800 Schweine wegen einer defekten Lüftung und nicht funktionierendem Alarmsystem verendet sind, auch die Förderungen für Megaställe gestoppt. Das hat der Landesrat damals in einem Interview mit der Kleinen Zeitung angekündigt. Seither werden nur noch Ställe bis zu 700 Zuchtsauen und 2500 Mastschweine vom Land gefördert: "Es müssen alle Tierhalte- und Tierschutz-Standards erfüllt werden."  Gefördert werden 20 Prozent der Kosten von bis zu maximal 400.000 Euro, oder wenn zwei Bauern einen gemeinsamen Großstall außerhalb der Dörfer bauen, bis zu einer Investitionssumme von 800.000 Euro. Jedenfalls ist vorher eine strenge Umweltverträglichkeitsprüfung durchzuführen.

Kein gutes Wort lässt Seitinger an den Aktionen des VGT: "Das ist ein fragwürdiges Geschäftsmodell, wenn man mit illegal entstandenen Schockbildern Spendengelder lukrieren will."

Kommentare (7)

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mahoni1970
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Tierschutzombudsfrau...

...Fiala-Köck ist also Anwältin der Schweinebauern. Klar, will sie doch ihren Jagd-Kollegen am Wochenende ins Gesicht schauen können. Untragbar diese von der Tierquäler-Partei ÖVP bestellte sogenannte Ombudsfrau.

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pinsel1954
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Nicht die Bauern sind die "Täter"......

.....sondern "Wir" die Konsumenten!
Wir wollen immer billigeres Fleisch!
Und wenn unsere Bauern es nicht billig genug "produzieren", dann kommt es noch billiger von anderen Ländern.
Wir fragen dann nicht wie es dort "produziert" wird, sondern erfreuen uns an den billig erstandenen Happen....
Und auch so mancher "Tierschützer" will dann nicht näheres wissen!
Unsere Gier (Geiz ist geil!) ist eben eine "Schwein"!

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VwieVendetta
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Diese Art der Schweinehaltung

ist abzulehnen. Unabhängig davon, ob gesetzliche Vorschriften dies zulassen ist sie nicht artgerecht. So gesehen ist der Tag der offenen Stalltüre genau für gar nichts.
Schweine sollten ganzjährig auf ausreichen großen Flächen im Freien gehalten werden und dort wühlen und sich suhlen können.
Wenn die Konsumenten ihr Kaufverhalten entsprechend änderten, wäre das Thema rasch erledigt.

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brunnholzer
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MÄRCHENPRINZ

Wer so eine Meinung vertritt glaubt auch das Schweine reden können und an die Lila-Milchkuh. Mit einem Gedankengut aus dem Kindergarten ist es schwierig bis unmöglich eine geordnete Diskussion führen zu können. Die Realität ist anders. Um zu den derzeitigen Marktpreisen Schweinefleisch produzieren zu können ist es den Bauern nicht möglich auch noch Romantik und vieles mehr mit zu liefern. So ist es eben und das müssen wir Konsumenten zur Kenntnis nehmen. Wir wollen alles haben und nichts dafür geben. Die Natur beanspruchen (mit dem Fahrrad), die Umwelt zerstören (mit der Heizung und dem Auto), unsere Gier zur Gänze auskosten auf Kosten unserer Kinder. Nur so weiter bis zum bitteren Ende.

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elcomandante
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Re: märchenprinz ...

... so weit so gut - aber wenn ich als radfahrer die natur "benutze", dann gehöre ich zu den umweltsündern - ich oute mich hiermit!

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elcomandante
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Re: Re: märchenprinz ...

korrigiere: "beanspruche" statt "benutze"

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brunnholzer
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o.k.

Unter Natur benutzen verstehe ich natürlich die Biker quer durch Wald und Wiese und nicht Sie als braven Radfahrer und damit Umweltschützer.

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