16 ° C
Graz

Steirische Landwirtschaft

Zwischen Sympathie und Misstrauen

In der laufenden "Woche der Landwirtschaft" wirbt diese wieder um die Öffentlichkeit. Diese Beziehung bleibt aber eine eher komplizierte.

© AP
 

Der Frühling ist da und die Bauern fangen wieder an zu jammern. So oder so ähnlich ist die Stimmung im nicht bäuerlichen Teil der Gesellschaft. Es scheint ja wahr zu sein: Zuerst gab es die Klagen wegen der Trockenheit. Dann wiesen die Obstbauern auf die Folgen des Frosts zu Ostern hin und jetzt zittern sie wegen des extrem warmen Wetters. Denen kann man es offenbar nicht recht machen.

Gefahr in Wald und Feld

Wer in der Landwirtschaft arbeitet, ist einem sehr großen Unfallrisiko ausgesetzt. Allein heuer gab es in Österreich schon mehr als zehn Tote. Am gefährlichsten ist die Waldarbeit, wo jährlich im Schnitt 15 bis 30 Menschen tödlich verunglücken. Auch Unfälle mit Traktoren sind oft schwer.

Das Bild der Öffentlichkeit von der Landwirtschaft ist durchaus von Sympathie geprägt, beweisen Umfragen. Doch es scheint weitgehend ohne Wissen und Fakten auszukommen. Wem sei denn bewusst, dass die Branche von der Natur abhängig ist, wie sonst kein Bereich, fragt Gerhard Wlodkowski, der Präsident der Bauernkammer. Beim zu spät ausgebrochenen Frost trugen die Obstkulturen beträchtliche Schäden davon, die nicht mehr zu korrigieren sind. Und die jetzige außergewöhnliche Hitze begünstigt den schlimmsten Feind überhaupt, den Erreger der gefährlichen Obstbaumseuche Feuerbrand.

Unsichere Konsumenten

Berichte über Gentechnik oder Keime in Lebensmitteln verunsichern die Allgemeinheit sehr stark, und zwar und abhängig davon, ob die behaupteten Gefährdungen konkret sind oder nicht. Die EHEC-Krise um Gemüse 2011 brachte unsere Bauern starke Einbußen, obwohl deren Gemüse immer sauber war.

Es wird nicht lange dauern, bis bestimmte Interessengruppen die Landwirte wegen eines umstrittenen Spritzmittels gegen den Feuerbrand wieder an den Pranger stellen. Und es wird allgemeines Kopfnicken geben, dass das doch wirklich arg von den Bauern sei. Wer so argumentiert, ist in der Regel in der bequemen Position des Außenstehenden. Die Lage der Obstbauern ist weniger bequem. Was immer sie wegen des Freuerbrands tun, bei ihrer Entscheidung geht es um nicht weniger als die Existenz.

Starke regionale Marken

Marken von Agrarprodukten sind auf dem Vormarsch, weil sie den Konsumenten offenbar Sicherheit vermitteln. Zuletzt haben Bauern und Züchter des oberen Murtales das Fleisch der bedrohten Rinderrasse Murbodner zu einer modernen Marke gemacht.

Natürlich hat jeder das Recht, die Bauern und ihre Methoden zu hinterfragen. Und natürlich müssen die Landwirte auf die Stimmen aus der Allgemeinheit eingehen. Es geht doch immerhin - auch - um das tägliche Brot, und da ist Kritik auf der einen Seite statthaft und Kritikfähigkeit auf der anderen angebracht. Die Landwirte müssen sich bewusst sein, dass heute alles, was sie tun, auf dem Prüfstand der Öffentlichkeit steht. Ob es ihnen passt oder nicht.

Wie die Naturbedingungen beim Wachstum waren, ist nicht das Hauptinteresse des Konsumenten, wenn er Radieschen kauft. Sie sollen da sein, wenn er sie will, und sie sollen schön und gut und möglichst nicht teuer sein. Und immer öfter geht es auch um Kriterien, die nicht rational und sachlich sind. Etwa bei der Debatte über Spuren von Gentechnik in Tierfutter. Die sind zwar in der Milch und im Fleisch gar nicht vorhanden, werden aber von gewissen Seiten dennoch leidenschaftlich zum Thema gemacht.

Damit der Konsument die erwartete Qualität auf dem Teller vorfindet, sind auf dem Acker und im Stall, beim Transport und bei der Lagerung, bei der Verarbeitung und bei der Verpackung und beim Vertrieb viele Schritte und entsprechende Kontrollen erforderlich. Das alles muss zum Besten des Bürgers, seines Wohlbefindens und seiner Gesundheit geschehen. Darüber und zum Abbau etwaigen Misstrauens wolle man, so Wlodkowski, in der "Woche der Landwirtschaft" mit Lust und Realitätssinn reden.

Zwischen 22 Uhr und 8 Uhr ist das Erstellen von Kommentaren nicht möglich.
Danke für Ihr Verständnis.

Bei der Erstellung von Kommentaren haben Nutzer rechtliche Bestimmungen (z. B. Privat-, Strafrecht), die Netiquette und Forenregeln einzuhalten. Was wir in diesem Forum nicht dulden: Beschimpfungen, Verspottungen, Belästigungen, Ehrbeleidigungen, Verhetzung, Diskriminierung in jedweder Form, Rassismus, Aufrufe zu Gewalt oder gar Selbstjustiz. Beiträge, die diesen Bestimmungen zuwiderlaufen, werden bei Kenntnis gelöscht, Nutzer im Wiederholungsfall gesperrt. Zudem behalten wir uns die stundenweise oder völlige Schließung von Foren vor. Wir weisen Sie darauf hin, dass wir auch keine Links zu anderen Websites akzeptieren.
Als Nutzer stimmen Sie der Speicherung der von Ihnen angegebenen Daten (Stamm-, Verkehrsdaten, etc.) ausdrücklich zu. Die angegebenen Daten werden an staatliche Stellen (z. B. Polizei, Gericht) bei Untersuchung von vom Nutzer verbreiteten Materialien, oder sonst vorgenommenen ungesetzlichen Aktivitäten, weitergegeben. Weiters werden angegebene Daten (Name und Adresse) an sonstige Dritte bei Verletzung von Rechten oder sofern deren Rechtsverletzung nachvollziehbar behauptet wird (zB gem. § 18 Abs. 4 ECG), weitergegeben. Mit der Erstellung von Kommentaren stimmen Sie dem ausdrücklich zu und verzichten auf die Geltendmachung von jeglichen Ansprüchen. Siehe dazu auch unsere Forenregeln/Betriebsbedingungen in den AGB.