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Strafen für Schüler?

"Sie machen einen völlig machtlos"

Schlimme Kinder, zahnlose Mittel und die Sache mit den Vorbildern: Steirische Lehrer über die Diskussion um Strafen für Schüler.

© Marija Kanizaj
 

Schüler, die sich mit Sesseln bewerfen. Eine ältere Lehrerin, die sie als "Hure" beschimpfen. Ein mutwillig zerstörter Projektor. Dinge, von denen ein Lehrer einer steirischen Fachschule erzählt. Seinen Namen möchte er nicht in der Zeitung lesen, das Anliegen ist ihm aber wichtig: "Respektlosigkeiten durch Schüler haben massiv zugenommen. Aber es gibt kaum Konsequenzen. Als Lehrer hast du im Grund keine Handhabe. Und es hilft dir nichts und niemand", sagt er.

Das deckt sich mit dem jüngsten Hilferuf von Österreichs Lehrervertretern: Lehrer wüssten in Klassen mit wachsender Zahl an verhaltensauffälligen Schülern nicht mehr weiter.

Ein Klassenbucheintrag, zum Direktor zitiert zu werden, ein Elterngespräch - das schrecke die Schüler schon lange nicht mehr ab, erzählt auch der Fachschullehrer. Er betont allerdings: "Es sind immer nur wenige, die sich so verhalten, aber die machen einen völlig machtlos."

Auch in der Volksschule machen sich die Probleme bemerkbar, erzählt Volksschullehrerin Eva Albrecher-Mayr aus Stainz. Bei den Volksschülern funktionierten Zurechtweisungen meist noch, aber: "Ein Drittel der Aufmerksamkeit geht an die Schüler, die stören. Die Mehrheit der anderen kommt dann oft zu kurz."

Vorbildwirkung

Wie man sich als Lehrer Respekt verschaffen kann? Mit freundlicher Festigkeit, meint Albrecher-Mayr. Und mit Vorbildwirkung: "Man muss sich natürlich selbst auch respektvoll verhalten", sagt sie. Dennoch komme man immer wieder an persönliche Grenzen.

Volksschullehrerin Eva Mandl aus Frauental sagt: "Wenn man das Glück hat, dass die Eltern dahinterstehen, funktioniert es, mit diesen Kindern umzugehen." Mit den Eltern aber, meint Volksschuldirektor und Lehrer Dieter Uhl aus Rassach, werde es zunehmend schwierig. "Viele Kinder werden mit allen Erziehungsaufgaben an die Schule abgegeben", sagt er. In seiner Schule gibt es Helferkonferenzen, in denen besprochen wird, ob ein Betreuungslehrer angefordert wird, der als Krisenfeuerwehr einspringt. "Das fruchtet schon", sagt Uhl. Es bräuchte aber allgemein mehr Betreuungslehrer. Im Extremfall kann ein Psychologe eingeschaltet werden. Bis der kommt, dauert es ein bis zwei Monate.

Gute und schlechte Seiten

Mit schwierigen Schülern hat auch Gerfried Schmidt Erfahrung. Der Lehrer an der Sporthauptschule Schwanberg sieht diese aber nicht als "Problem", sondern als "Herausforderung", wie er sagt. Er lehrt das 34. Jahr an der Schule. Aufgefallen ist ihm, dass der Anteil der verhaltensauffälligen Mädchen gestiegen ist.

Die Distanzlosigkeit sei größer geworden, sagt er. Das habe einerseits auch gute Seiten. "Die Schüler erzählen einem mehr. "Auf der anderen Seite haben sie aber auch viel niedrigere Hemmschwellen." Seine Methode, Eskalationen zu vermeiden: Vorschussvertrauen in die Schüler zu haben und sie nicht zu enttäuschen. Und: "Nie mit den Kindern schreien. Das endet immer im Fiasko."

Das brauche natürlich extrem viel Kraft, sagt Schmidt. Und die Unterstützung der Eltern. Dass seine Schule auf dem Land ist, mache es ihm leichter, da er alle Eltern persönlich kennt. Bei der Lehrerausbildung wäre jedenfalls wichtig zu lernen, wie man auf das Verhalten schwieriger Schüler reagiert, meint er.

Das, so erzählen Junglehrer, passiere aber so gut wie gar nicht. Es bräuchte zudem viel mehr und frühere Praxis, damit man schneller sieht, ob man dieser Aufgabe gewachsen ist.

Einen Leitfaden zu diesem Thema für Eltern wie auch für Lehrer hat übrigens vor Kurzem die Elternschule Steiermark herausgegeben: den Handlungsratgeber "Das 5x5 der Elternschule".

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