Straden

Eine "Wanderine" der besonderen Art

Wenn eine eine Reise tut, dann kann sie viel erleben. Vor allem, wenn man wie Carmen Grain aus Straden 137 Tage lang rund um Österreich wandert. Ein 2.800 Kilometer langer Fußmarsch mit drei Millionen Schritten, der am vergangenen Freitag in Straden zu Ende ging. Von Walter Schmidbauer

Carmen Grain aus Straden wanderte in 137 Tagen rund um Österreich.
Carmen Grain aus Straden wanderte in 137 Tagen rund um Österreich. © KK
 

Wer glaubt, er ist zu klein, um etwas zu bewirken, der hatte noch nie eine Mücke in seinem Zimmer“, schrieb Carmen Grain am Tag 99 ihrer Wanderung rund um Österreich einen Spruch des Dalai Lama in ihr Tagebuch. Die kleinen Stecher waren ein fast ständiger tierischer Wegbegleiter auf der 2.800 Kilometer langen Strecke.

Gegen die Auswirkungen von Insektenstichen wendete die 34-jährige Südoststeirerin übrigens eine kanadische Holzfäller-Methode an: Zigarettenglut. „Die Hitze zersetzt die Eiweiße“, weiß Grain. Und als die Psychologin an diesem Wochenende am Tag 137 ihrer Wanderung ohne Insektenstichbeulen die letzten ihrer rund drei Millionen Schritte Richtung Elternhaus in Straden machte, konnte sie auf etwas Großes zurückblicken. Sie hatte sich ihren langjährigen Wunsch erfüllt, Land und Leute besser kennenzulernen.

Zwei Selbstverteidigungskurse

Hat man denn keine Angst, als Frau fast fünf Monate allein durch Österreich zu wandern? Eine oft gestellte Frage, mit der sich Grain schon im Vorfeld auseinandersetzte. Zwei Selbstverteidigungskurse standen am Vorbereitungsprogramm. Einer wurde abgebrochen. Er stellte sich beinahe als gefährlicher heraus, als all die vielen Begegnungen auf 2.800 Kilometer Wanderwegen.

Und Begegnungen gab es genug. Menschliche und tierische. Vom verirrten Marienkäfer unter der Wanderhose, Steinböcken, die besonders in Erinnerung blieben, bis zur liebestollen Kuh, vor der die Stradnerin auf einen Felsen flüchten musste. „Ich brauche wohl noch Nachhilfe in Rinderkunde. Manchmal musste ich mit ihnen ausdiskutieren, wer das Wegerecht hat“, erzählt Grain mit einem Schmunzeln.

Wandernde "Hobbits" und ein "Telefonjoker"

Gestartet wurde die Wanderung nach dem Studium von fast vier Kilogramm Kartenmaterial am 16. Mai in Straden. Entlang der steirisch-slowenischen Grenze ging es nach Kärnten. Der zentralalpine Wanderweg führte sie bis zum Wendepunkt in Rankweil, den die selbst ernannte „Wanderine“ am 66. Tag erreichte. Über den Nordalpenweg kam sie zurück in die nördlichen und östlichen Landesgebiete. Einige Tage wurde die Wanderin von Partner Stephan Maierhofer begleitet. „Er war auch mein Base-Camp-Koordinator und Telefonjoker“, schmunzelt Grain, die von ihrem Freund immer wieder mit Notwendigem versorgt wurde.

Genossen hat Grain die Schönheiten der Natur und die vielen Begegnungen. Freundliche Hüttenwirte, lustige Wandergruppen, wie die „Hobbits“, die diese Bezeichnung ob ihrer Größe und wegen eines an einer Halskette baumelnden Ringes bekamen, der zehnjährige Hirtenlehrling Oliver, der die „Wanderine“ bis zum Formarinsee begleitete, Kulturwanderin Andrea am Thayatalweg oder Tanzlehrer Karl, mit dem Grain auf der Donauinsel einige Walzerschritte probte.

 

Wandertage: Auf Schusters Rappen rund im Österreich

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Stimmungssenker gab es auf den 2.800 Kilometern natürlich auch einige. Das waren einerseits körperliche Strapazen. Beine, schwer wie Bleirohre, rebellierende Knie, Müdigkeit, aber auch feuchte und enge Unterkünfte, schnarchende Zimmergenossen in überfüllten Hüttenlagern, gletscherkaltes Duschwasser, schlecht markierte Wege, oder Schilderwälder die eher ins Nirgendwo als ans Ziel führten.

Wer noch mehr über diese Wanderung erfahren möchte, kann schon einmal in den täglich geführten Internet-Blog „Carmen geht“ hinein schnuppern. Spannend, humorvoll und tiefsinnig geschrieben. Es zahlt sich aber auch aus, auf ein geplantes Buch zu warten, wo die Tagebucheintragungen noch vervollständigt werden.

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