Kompromiss im Feldbacher Denkmal-ZwistUmstrittene SS-Denkmäler wurden "entschärft"

Die umstrittenen Ukrainer-Denkmäler in Feldbach bleiben bestehen. Die verbotenen Symbole darauf wurden aber entfernt.

ÖKB-Obmann Karl Buchgraber (li.) und Bezirkshauptmann Alexander Majcan vor dem abgeänderten Gedenkstein. Die umstrittenen Löwen wurden entfernt. © Johann Schleich
 

Im Oktober 2016 sorgten zwei Denkmäler in Feldbach für Aufregung, weil sie an gefallene Soldaten eines ukrainischen Waffen-SS-Verbandes erinnerten. Es folgten Gespräche mit Behörden und Historikern. Zwischenzeitlich wurden die beiden Gedänkstätten sogar verhüllt. Kürzlich wurden die Diskussionen mit einem Kompromiss beendet.

Im Fokus der Behörden

Zur Erinnerung: Nach einer Anzeige rückten die beiden Denkmäler – die Gedenktafel, die seit 1954 in der Gedenkkirche der Stadtpfarre hängt und der Gedenkstein, der 1981 offiziell enthüllt wurde – in den Fokus der Behörden.

„Der Stein des Anstoßes war die Kombination des ukrainischen Hoheitszeichen, ein so genannter Dreizack, mit den beiden Löwen, wie sie von dieser SS-Division auf der Kappe als Kokarde und am Uniformrock getragen wurden“, erklärte Bezirkshauptmann Alexander Majcan.

Johann Schleich
Diese Löwen wurden am Denkmal entfernt. © Johann Schleich
Im Frühjahr 1945 wurde die 14. Ukrainische SS-Waffen-Grenadier-Division im Abwehrkampf um Feldbach gegen die Russen eingesetzt, was in dieser Division zu hohen Verlusten führte (siehe mehr zum geschichtlichen Hintergrund in der untenstehenden Infobox).

Es gilt jedoch auch als bewiesen, dass sich die Ukrainer an Massakern gegen Juden und Zigeunern beteiligten. Durch das Herausschleifen der umstrittenen Löwen konnten die Denkmäler nun an ihren ursprünglichen Aufstellungsplätzen belassen werden.

„Wir waren mit dem Vorschlag, die Löwen zu entfernen, einverstanden. Somit konnte verhindert werden, dass man diese Denkmäler entfernt oder in ein Museum überträgt“, erklärt Karl Buchgraber, der Obmann des ÖKB-Stadtverbandes Feldbach.

Nachsatz: „Es ist nur verwunderlich, dass es seinerzeit beim Errichten der Gedenkstätten, nach Zeitzeugen war der Staatssicherheitsdienst anwesend, keine Einwände gab.“
Bei der Gedenktafel in der Gedächtniskirche wurde der entfernte Löwe übrigens durch die Aufschrift „Sie ruhen im Soldatenfriedhof Mühldorf“ ersetzt. Das ukrainische Hoheitszeichen blieb auf beiden Denkmälern erhalten.

Geschichtlicher Hintergrund

Die Ukrainer kämpften in der Südoststeier gegen die Russen

Nach der Niederlage bei Stalingrad wurden ab 1943 auch Nichtdeutsche, darunter auch Ukrainer in die Waffen-SS aufgenommen. So gab es auch eine SS-Division mit ukrainischen Freiwilligen und Volksdeutschen. In die Steiermark wurden die Ukrainer erstmals am 31. Jänner 1945 verlegt.

Nach dem Vordringen der Roten Armee in Richtung Feldbach kam es hier zu schweren kriegerischen Auseinandersetzungen. Feldbach wurde in der Folge am 1. April 1945 von der Roten Armee besetzt. Um den Stellungsbereich sichern zu können, wurde die 14. Ukrainische SS-Waffen-Grenadier-Division (später galizische SS-Division Nr. 1), in den Großraum Feldbach überstellt.

Es folgten schwerste Kämpfe um Feldbach, bei denen die Stadt vom 5. auf den 6. April 1945 von der Waffen-SS, der Wehrmacht und dem 10. Fallschirmjäger-Regiment unter hohen Verlusten zurück erobert werden konnte. Die Ukrainer trugen damit wesentlich zur Befreiung von Feldbach von den Russen bei. Unverhohlen forderte die Roten Armee in der Folge die Ukrainer auf, die Seiten zu wechseln. Dies veranlasste wiederum die Wehrmachtsführung, die Ukrainer wieder aus der Südoststeiermark abzuziehen. Es gilt als historisch bewiesen, dass sich die 14. SS-Division an Massakern gegen die polnische und jüdische Zivilbevölkerung beteiligte.

Beim Rückzug in Richtung Westen wurde die Division sowohl von der US-Armee als auch von der britischen Armee gefangen. Es gelang ihnen, sich als galizische Einheit auszugeben, wodurch sie nicht an die Rote Armee übergeben wurden. Sie kamen nach Rimini in Gefangenschaft. Viele von ihnen wanderten später nach Kanada und in die USA aus.

 

 

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