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Zuletzt aktualisiert: 23.01.2010 um 19:52 UhrKommentare

Eine grausame Vertreibung aus der alten Heimat

Josef Stoff aus Tieschen erinnert sich an die Vertreibung seiner Familie vor 65 Jahren. Schreckliche Erinnerungen aus der Kindheit, die unauslöschbar in sein Gedächtnis gebrannt sind.

Foto © Schleich

Vor 65 Jahren begann die Vertreibung deutschsprachiger Volksgruppen aus dem ehemaligen Jugoslawien. Josef Stoff hat als Sechsjähriger erlebt, wie seine Eltern, Verwandten und Nachbarn auf brutalste Weise aus ihren Häusern gejagt, in Lagern inhaftiert und nach abenteuerlichen Fahrten nach Österreich getrieben wurden.

Heute lebt Stoff in Tieschen und erinnert sich an alle Stationen seines Leidensweges noch genau: "Mein Vater wurde nach dem Krieg von den Partisanen geholt und an die Russen übergeben. Im Paulustor in Graz hat man ihn zu zehn Jahren Zwangsarbeit in Russland verurteilt. Er starb 1952 in Kasachstan."

Im Jahr 1946 kamen die Partisanen zur Familie Stoff, die in Guizenhof eine kleine Landwirtschaft bewirtschafteten und forderten sie auf, innerhalb einer Stunde für den Abtransport fertig zu sein. "Meine Großmutter wollte das Haus nicht verlassen, worauf sie aus dem Haus gezerrt wurde. Dann entdeckte man das Mutterkreuz an ihrem Hals, das sie erhielt, weil sie elf Kinder großgezogen hat. Die Partisanen rissen ihr das Kreuz vom Hals und traten sie. Diese Szene kann ich nie vergessen" berichtet Stoff. In Marburg wurden die Vertriebenen in Viehwaggons verladen und nach Ungarn gebracht, wo diese Waggons in klirrender Kälte drei Wochen am Bahnhof Mura Kestur stehen gelassen wurden.

"Hier gab es wegen der Kälte und des Hungers unzählige Tote. Wir konnten nur durch Betteln überleben. Bei der Weiterfahrt nach Wien starb mein einjähriger Bruder. Als meine Mutter ihn aufheben wollte, war er an der Viehwaggonwand angefroren. Dann legte meine Mutter das tote Kind im Freien in den Schnee und wir fuhren weiter. Das war ein unvorstellbares seelisches Leid für die Mutter und die Geschwister", erzählt Stoff. Stoff erinnert sich an die letzten Schritte auf jugoslawischem Boden: "Man hat uns an die Grenze Unterdrauburg-Lavamünd gebracht, wo wir von den Engländern übernommen wurden und nach vielen Wochen erstmals wieder genug zu essen bekamen. Das war unsere Rettung. Über einige Lageraufenthalte konnten wir nach einiger Zeit zu Verwandten nach St. Anna am Aigen reisen."

Josef Stoff besuchte die Pflichtschulen in St. Anna und in Fehring, erlernte in Graz den Beruf des Textilverkäufers. In Tieschen führte er schließlich gemeinsam mit seiner Frau das Warenhaus Stoff, das heute von einer Tochter erfolgreich betrieben wird.

JOHANN SCHLEICH

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