Lebenshilfe auf dem Schulweg
In Straden gelingt seit drei Jahren etwas in Österreich Einzigartiges: Behinderte Klientinnen der Lebenshilfe übernehmen jeweils mit einer Betreuerin den Lotsendienst zur Sicherung des Schulweges.

Foto © Marija KanizajDie Polizisten Bernd Fürpaß und Karl Baumhakel übten mit den Schulwegpolizisten
Noch wenige Tage, dann beginnt die Schule. Geübt werden sollte bereits davor: der sichere Weg in die Schule und nach Hause. Eine Zahl untermauert den Rat der Experten: In der Steiermark sind im Vorjahr wieder deutlich mehr Kinder auf dem Schulweg verunglückt - 52 im Vergleich zu 37 im Jahr 2009.
Bad Radkersburg ist nach einer Auswertung des Verkehrsclub Österreich (VCÖ) jener Bezirk in der Steiermark mit den wenigsten Kinderunfällen (bezogen auf die Einwohnerzahl) in den vergangenen fünf Jahren. Das wird man besonders in Straden gerne hören. Dort gibt es seit 2008 ein österreichweit einzigartiges Projekt zur Schulwegsicherung: Die Lebenshilfe übernimmt die Lotsentätigkeit für die Stradener Volksschüler jeweils mit einer Betreuerin und einer behinderten Klientin. Das Projekt nützt nicht nur der Sicherheit der Kinder, sondern auch der Integration der Behinderten. Bernd Fürpaß von der Verkehrsabteilung im Landespolizeikommando ist voll des Lobes für die Umsetzung: "Es läuft von Beginn an sehr gut."
Große Chance
Die Idee dazu kam 2007, als ein Elternvertreter der Volksschule Straden möglichst viele Eltern dazu animierte, sich als Schulwegpolizist ausbilden zu lassen. Sie werden von der Behörde immerhin ermächtigt, den Verkehr im Bereich der Schule aufzuhalten. Roswitha Edler-Dreisiebner, Betreuerin in der Werkstätte Straden der Lebenshilfe Radkersburg, erkannte darin eine Chance für ihre Kundinnen: "Der Schutzweg befindet sich neben unserer Werkstätte und wir konnten uns vorstellen, die verantwortungsvolle Aufgabe zu übernehmen."
Einmal pro Woche einen ganzen Sommer lang trainierten Fürpaß und sein Kollege Karl Baumhakel mit den angehenden Schulwegpolizistinnen der Lebenshilfe. Im Trockentraining wurden Kreuzungssituationen simuliert, so oft, bis die Nervosität verging. Am 29. September 2008, daran erinnern sich die Betreuerinnen noch genau, war der erste echte Einsatz - "ohne Sicherheitsnetz".
Seit 2008 sichert die Werkstätte Straden der Lebenshilfe den Weg der Kinder jeden Montag. Die vier behinderten Kundinnen - Marlies, Helga, Anita und Susanne - finden nichts Außergewöhnliches mehr dabei.
Für Bernd Fürpaß ein erfolgreiches Projekt: "Falls es Nachahmer gibt, bei Interesse unterstützen wir gerne." Aber auch Eltern sind aufgerufen, sich als Schulwegpolizisten zu engagieren. Die Ausbildung dauert zwölf Stunden, je zur Hälfte Theorie und Praxis.
Features
SCHULWEG ÜBEN
Zu Ferienende ist es höchste Zeit, dass Eltern mit ihren Kindern den Schulweg üben, appelliert Peter Felber vom Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV).
Schulanfänger sind auch Verkehrsanfänger. Befragungen von Schülern zeigen, dass etwa ein Drittel aller Eltern den Schulweg mit den Kindern nicht übt. Das größte Gefahrenpotenzial liegt im Überqueren der Fahrbahn, daher sollte eine möglichst sichere Querungsstelle gesucht werden, auch wenn es sich um einen Umweg handelt. Zebrastreifen werden in ihrer Schutzwirkung überschätzt. Wichtig ist, mit dem Kind zu üben, erst dann los zu gehen, wenn alle Autos angehalten haben oder die Fahrbahn frei ist. Bei Ampeln reicht ?Grün“ alleine nicht. Immer nach beiden Seiten schauen und auf Abbieger achten. Ein einmal festgelegter Weg sollte für das Kind verbindlich sein.









