Zeit zum Lesen in den Weingärten
Rummel in den Weingärten, Akkordarbeit in Obstplantagen. Unsere Bauern starten bei perfektem Wetter in die heiße Phase einer durchwachsenen Saison: In die Erntezeit.

Foto © APEs ist wieder soweit: Die Weinernte steht vor der Tür
Das große Rennen in den Weingärten hat begonnen, die ersten Betriebe haben ihre Lese bereits gestartet. Die Sorten Müller Thurgau, teilweise auch Muskateller und die ersten Vorlesen für die grasigen Varianten des Sauvignon Blanc stehen derzeit hoch im Kurs des Auswahlverfahrens.
Trauben. Ljubo Vuljaj, Chefverkoster der Gesamtsteirischen Vinothek in St. Anna am Aigen kennt die Fakten: "Je nach Lage weisen die Trauben bereits 17 Grad nach Klosterneuburger Mostwaage auf. Der hohe Zuckergehalt könnte sich in zwei bis drei Wochen mit 19 Grad sogar schon in den Spätlesebereich steigern." Abermals von einem "Traumjahr" oder gar von einem "Jahrhundertwein" zu sprechen, davor schrecken die Winzer diesmal aber zurück. "Es wird langsam lächerlich", stapelt etwa Bio-Weinbauer Andreas Tscheppe aus Glanz an der Weinstraße tief. "Die vergangenen Jahre waren allesamt großartig, speziell 2007 und 1997. Heuer hatten wir aber kein einfaches Jahr. Der häufige Regen forderte das ganze Geschick des Winzers."
Hagel. Bei manchen nützte auch das nichts mehr. Durch starken Hagel verzeichnen etwa Bauern im Raum Gleisdorf, Klöch und auch in der Südsteiermark bis zu 60 Prozent Ertragseinbußen. "Ich kenne einen Bauern in der Weststeiermark, der hat bei seinem Muskateller sogar 100 Prozent Ausfall", so Vuljaj. Insgesamt euphorischer klingt die Ernteprognose dagegen im Obstbau. Gerhard Meixner, Vorsitzender der Erzeugerorganisation OPST: "Die Galaernte ist im Norden fast und im Süden ganz abgeschlossen. Die Elstar sind bereits abgeerntet. Ende nächster Woche wird in der Südsteiermark unserer Hauptsorte, der Golden Delicious, geerntet." Mit einem Restzuckerwert von 13 bis 15 Brix liegen steirische Äpfel laut Experten im absoluten Spitzenfeld der vergangenen Jahre.
Keine Rekordernte. Auch den Geschmack der Birnen sollte man sich heuer nicht entgehen lassen. Williams Christ und Gute Luise sind bereits geerntet, Kaiser Alexander ist noch in Arbeit. "Der Regen war heuer so häufig und regelmäßig, dass er wie eine künstliche Bewässerung funktionierte - einmal pro Woche", freut sich Meixner. Rekordernte wie im Vorjahr ist beim Obst zwar auch keine zu erwarten, "dafür aber sind die Geschmacksnuancen sehr ausgeprägt." Man krieg einen Gusto . . .








