Auch wir stehen auf heißem Boden
Seit Millionen Jahren nicht mehr aktiv, ist das Vulkanland für Bergbau, Tourismus und Forschung nach wie vor lebendig.

Foto © PrivatVulkanforscher Ingomar Fritz im vorigen Jahr vor dem Eyjafjalla in Island
Ja, ich hätte mir wirklich gewünscht, beim Ausbruch des Eyjafjalla-Gletschers dabei zu sein. Erst im letzten Sommer war ich dort und habe daran gedacht." Ingomar Fritz, Experte für österreichische Vulkane, blickt höchst interessiert nach Island. Passiert doch dort eben das, was vor Millionen von Jahren auch im Südosten Österreichs geschehen ist.
Die einzigen "jungen" Vulkane in Österreich liegen in der Linie vom Lavanttal über die Oststeiermark bis ins Burgenland. Die meisten Überreste aus diesen bewegten Zeiten kennt man in der Südoststeiermark, die deshalb auch "Vulkanland" genannt wird. Fritz, der als Forscher am Universalmuseum Joanneum arbeitet, beschäftigt sich seit dem Studium intensiv mit diesen Vulkanen. Jüngste spannende Entwicklung: Im Lavanttal bei St. Paul schneidet die neue Koralmbahn die Reste des dortigen Vulkans an; Fritz besucht daher immer wieder die Baustelle der HL-AG, um Daten zu sammeln.
Große Ausbrüche vor 15 Millionen Jahren
Schwerpunkt ist aber die Oststeiermark, denn dort kam es in zwei Phasen zu gewaltigen Ausbrüchen. "Sie sind durchaus mit den Verhältnissen in Island vergleichbar", sagt Fritz. In einer an sich eher lieblichen Meereslandschaft (das Meer reichte damals bis in die Alpentäler) kam es vor rund 15 Millionen Jahren zu den ersten großen Ausbrüchen. Aus dem Meer wuchs das heraus, was heute als "Gleichenberger Kogel" nur schwach erkennbar ist.
"Bohrungen, die im Zuge von Explorationen von Erdöl und von Thermalquellen durchgeführt wurden, zeigen, dass wir heute sozusagen nur die Spitze eines Eisbergs sehen." Tatsächlich gab es mehrere verschiedene Ausbruchszentren; das gesamte Vulkanmassiv dürfte einen Durchmesser von rund 30 Kilometern gehabt haben.
In der zweiten Phase vor rund zwei Millionen Jahren, als der Bereich schon fast verlandet war, fanden massive Ausbrüche im Raum Klöch bis Feldbach an der Grenze zu Slowenien statt. Heißes Magma und kaltes Wasser - eine explosive Mischung "wie heute beim Eyjafjallasköll mit dem Gletscherschnee", sagt Fritz.
Die Vulkane brachen dabei fast mehr nach "innen" als nach außen auf, Sande, Tone, Schotter und Magma zerstäubten in vulkanische Asche, die sich ringsum ausbreitete. Die Asche fiel aber vor allem auch in die Krater selbst zurück, legte sich in Hunderten Schichten ab und wurde fest zusammengepackt.
In den folgenden Millionen von Jahren wurde das Umgebungsmaterial abgetragen, zurück blieben die Schlote. Heute stehen Burgen drauf, wie etwa die Riegersburg.
Die Reste hatten und haben wirtschaftlich heute noch Bedeutung: Basaltabbau in Kärnten und der Steiermark, Bentonit-Vorkommen für Filter und Bläh-Tone, die als Baumaterial verwendet werden.
Gefahr droht nicht
Auch die damalige Vulkanasche ist noch an vielen Orten zu finden, erklärt Werner Piller, Professor am Institut für Erdwissenschaften an der Uni Graz. "Uns dienen diese Ablagerungen nicht nur als Nachweis für Eruptionen, sondern auch zur Altersbestimmung." Tatsächlich kann man aus den damaligen Verfrachtungen zurückrechnen, wo die Eruptionen genau stattgefunden haben.
Die Forschung ist keineswegs abgeschlossen. Neue Methoden - seismische, geomagnetische und geoelektrische - haben in den letzten Jahren eine Fülle von Erkenntnissen gebracht.
Die Gefahr, dass in Österreich plötzlich Vulkane ausbrechen könnten, besteht aber nicht. Denn die damaligen Ausbrüche förderten durch relativ enge Spalten das Material aus dem Erdmantel herauf. Heute sind diese Spalten längst geschlossen; nur gewaltigere tektonische Verschiebungen könnten die Verbindung zum heißen Erdinneren in Österreich erneut öffnen.
Features
Zum Thema
Das weiße Gold
Thermalwasser wird unterirdisch erhitzt, zum Beispiel durch vulkanische Aktivitäten. So gesehen ist das Vulkanland nach wie vor aktiv, liegen doch eine Reihe von Quellen in diesem Gebiet, die seit Jahren wichtiger Tourismus- und Wirtschaftsmotor sind. Neben den bekannten Thermen Gleichenberg, Radkersburg, Blumau und Loipersdorf sprudelt eine Reihe weiterer Mineral- oder Heilwasserquellen. Die Geschichte des weißen Goldes in der Steiermark geht weit zurück. Der Johannisbrunnen für Mineralwasser in Hof bei Straden wird bereits 1632 als "Brunn zu Stradn" erwähnt.
Fakten
Wer tiefer eintauchen möchte in die Vulkan-Ära, dem sei die Ausstellung Geo-Info in Kapfenstein empfohlen. Basierend auf der Sammlung von Winkler-Hermaden gibt sie Einblicke in landschaftliche Veränderungen einer Region mit bewegter Erdgeschichte. Sie ist auch Ausgangspunkt für den Geotrail, den Besuch geologisch interessanter Orte im Vulkanland.









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