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Zuletzt aktualisiert: 03.06.2010 um 06:03 UhrKommentare

Nur Gallier setzen noch auf Glühbirnen

Raabau wollte alle Glühbirnen verbannen. Zu 83 Prozent ist es gelungen. Ein Jahr mit viel Zustimmung und vehementen Einsprüchen.

Foto © Steiner

Ambitioniert war die Gemeinde Raabau vorgeprescht. Innerhalb eines Jahres sollten alle Glühbirnen in allen Haushalten durch Energiesparlampen ersetzt werden. Nun wurde abgerechnet. "Ich kann keine Glühbirnenfreiheit für Raabau verkünden", muss Ortschef Franz Uller eingestehen. Aber in 83 Prozent der Schraubsockel in Raabau stecken Energiesparlampen. Man habe sehr viel Bewusstseinsarbeit geleistet, unterstreicht Uller: "Und ein paar Gallier gibt es überall."

Die sind anderswo noch viel stärker, weiß Philips-Generaldirektor Robert Pfarrwaller. Dasselbe Projekt, nach Raabau auf der deutschen Nordseeinsel Norderney gestartet, hat dort 50 Prozent Umsetzungsgrad erreicht.

Überzeugt

Überraschend für das Projektteam: Ältere sind eher von der Energiesparlampe überzeugt als Jüngere. Drei klassische Vorbehalte konnten ausgeräumt werden: dass sie nicht richtig hell werde, nicht überall einsetzbar und die Lichtfarbe gewöhnungsbedürftig sei. Die hohe Beteiligung gibt Rückenwind für weitere Vorhaben in Sachen Energieeffizienz. Nicht unerheblich ist der Bekanntheitsgrad, den Raabau durch das Projekt gewonnen hat - weit über Österreich hinaus.

Die plötzlich erlangte Popularität hat auch Schattenseiten und provozierte heftige Reaktionen. "Ich habe Briefe in Kurrentschrift bekommen, wo uns bescheinigt wurde, was wir für Deppen sind", so Uller. Er nimmt es gelassen. Negatives kam meist schriftlich. Den Vorwurf, nur die Industrie werde gestärkt, will Uller entkräften: "Wir sind zu Philips gegangen." Einige Haushalte haben dezidiert boykottiert. Und es gab jene, die vor dem Verbot noch 100-Watt-Glühbirnen gekauft haben. Viel wurde da gegen die EU geschimpft. Erkenntnis des Bürgermeisters: "Das Verbot hat die Leute zwida gemacht." Auch Versäumnisse der Industrie ortet er: Sie hätte besser transportieren müssen, dass Energiesparlampen Quecksilber enthalten und kostenlos entsorgt werden.

In zehn Jahre werde man vielleicht über das Projekt lachen, weil das dann selbstverständlich sei, so Uller. Und der Zug fährt klar in Richtung Leuchtdioden.

HELMUT STEINER

Einsparungen

585 Einwohner, 195 Haushalte und fünf Betriebe hat die Gemeinde Raabau. 4550 Schraubsockel sind installiert. Mit Stand 1. Juni 2010 sind 3778 Energiesparlampen im Einsatz. Das entspricht 83 Prozent.

Pro Jahr werden damit rund 185.000 Kilowattstunden Strom eingespart. Das entspricht rund 33.000 Euro und 89 Tonnen weniger CO2.

Neue Kennzeichnung

Ab September wird auf Verpackungen eine neue EU-Kennzeichnung für Leuchtmittel eingeführt werden. Die groß sichtbare Zahl bezieht sich auf Lumen und nicht mehr auf Watt. Die Lumen-Zahl gibt die Lichtleistung an, die abgestrahlt wird. Eine traditionelle 75-Watt-Glühbirne bringt es auf 935 Lumen (abgekürzt lm), eine 40-Watt-Birne auf 415 lm.

Die bisher verwendete Wattzahl bezieht sich auf den benötigten Strom. Sie gibt die elektrische Leistung der Lampe an, sagt aber eigentlich nichts darüber aus, wie hell die Lampe ist.

Neben anderen Angaben auf der Verpackung werden die Lebensdauer in Stunden, die Lichtfarbe in Kelvin, der Quecksilbergehalt und die Zahl der Schaltvorgänge aufgedruckt.

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