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Zuletzt aktualisiert: 19.01.2008 um 06:40 Uhr

Teure Lebensmittel - doch der Bauer kämpft ums Überleben

Der Schweinemarkt liegt europaweit darnieder, Bauern wissen nicht, wie es weitergehen soll. Die Preise für Futter, Sprit, Dünger und Pacht steigen - aber der Verkaufspreis sinkt. Wie soll man da überleben können?

Lebensmittel werden immer teurer

Foto © APALebensmittel werden immer teurer

Ich hab' regelrecht Angst, ob ich den Hof überhaupt halten kann bei all den Preiserhöhungen", klagt eine Vollerwerbslandwirtin (43) aus Paldau in der Oststeiermark, die ungenannt bleiben will. Ihre Sparte ist die Schweinezucht. Und sie kämpft vor allem mit den gestiegenen Futterpreisen und den gesunkenen Basispreisen im Verkauf. "Schauen Sie, vor zwei Jahren habe ich für eine Tonne Futtermais 100 Euro gezahlt, 2007 hat die Tonne bereits 180 gekostet." Was geradezu ein attraktiver Erzeugerpreis sei, heißt es dazu in der Landwirtschaftskammer salopp. "Denn im Handel bekommt man unter 230 Euro sicher nichts."

ÜBerangebot. Das Preisproblem gilt auch für Soja, schildert die Schweinebäuerin. "Da rechne ich immer noch in Schilling: Vor zwei Jahren 2,93 für ein Kilo, im Vorjahr schon 4,50 Schilling." Beim Verkauf aber gehen die Preise für Bauern bergab, meint sie. "Der Basispreis fürs Schweinefleisch hat vor zwei Jahren 1,30 Euro pro Kilo betragen. Heuer sind wir unten auf 1,16. Das geht verdammt weit auseinander und kann sich einfach nicht ausgehen." Das ist der sogenannte Schweinezyklus, erläutert dazu die Landwirtschaftskammer, der alle fünf Jahre wiederkehrt und mit einem europaweiten Überangebot zusammenhängt. "Da geht bei den Schweinebauern die Schere wirklich weit auseinander."

Pachtpreise. In der Nähe der Schweinebäuerin sind zwei Biogasanlagen. "Die treiben die Preise hoch, ich muss ja denselben Preis für mein Schweinefutter zahlen." Das nächste Problem sind die gestiegenen Pachtpreise. "Ich zahl' schon 1000 Euro pro Hektar." Dazu kommen die erhöhten Kosten für Saatgut und Spritzmittel: "Das steigt ja auch alles ungeheuer. Es ist ein Wahnsinn. Ich kann meinen zwei Kindern gar nicht zumuten, einmal den Hof zu übernehmen. Ich sag' ihnen, schauts, dass ihr einen guten Beruf erlernt. Ich kenne keinen Betrieb in unserer Gegend, wo nicht einer neben der Landwirtschaft arbeiten gehen muss. Das geht sich sonst bei keinem aus. Viele verzweifeln auch beim Häuslbauen wegen der hohen Bankzinsen. Ich weiß nicht, wie das weitergehen soll, wenn die Preise so steigen. Und meine Nachbarn sagen das Gleiche."

Preisspannen. Auch Milchbauer Walter Stadlober (40) aus Rauten im Bezirk Murau sieht "schwarze Gewitterwolken" am Preishimmel aufziehen. "Uns Bauern erwartet wieder eine Preissenkung", fürchtet er die angekündigten Zeichen der Zeit. "Wir Biomilchbauern erhalten 41 Cent netto pro Kilo Milch", erklärt er. "Da bleibt im Handel schon ausreichend was hängen - und auch die Molkereien sind nicht in Bedrängnis gekommen, weil sie den Bauern einen besseren Preis zahlen. Die Spanne im Handel bei uns ist ja im Vergleich zu Deutschland hoch, die haben nur die halbe Spanne." Die große Überraschung in der aktuellen Preisdiskussion ist aber, dass laut AMA-Umfrage zwei Drittel der Bevölkerung grundsätzlich Verständnis für höhere Lebensmittelpreise haben - wofür vor allem die Solidarität mit den Bauern verantwortlich ist. Aber auch das Bewusstsein, dass andere Preise steigen.

ROBERT ENGELE, NORBERT SWOBODA

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