Tabak Trafiken kämpfen um die Existenz
Bauen die Lotterien ihr Netz an Annahmestellen wie geplant aus, fürchten viele Trafiken den Ruin. Jetzt drohen sie mit einer Klage. Am Montag kommt es in Wien zum Krisengipfel.

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Am kommenden Montag treffen sich Vertreter der Trafikanten und der Österreichischen Lotterien zu einem Krisengipfel - für die Trafikanten geht es dabei schlicht um ihre Existenz, wie sie sagen. Denn die Lotterien planen, wie berichtet, mit Anfang nächsten Jahres ihr Netz an Annahmestellen massiv auszuweiten. Damit folge man freilich nur einem Kundenwunsch: Zwei Drittel der Spielteilnehmer sei für mehr Annahmestellen.
In Postämtern, Tankstellen und im Lebensmittelhandel sollen Lottospieler dann ihre Tipps abgeben können. Dass Trafiken damit Umsätze verlieren, ist klar. Peter Trinkl, Obmann des Bundesgremiums der Tabaktrafikanten, und weitere Verhandler werden um Alternativen ringen. Ein Szenario wäre die Verschiebung um ein Jahr. In dieser Zeit solle die Wirtschaftsuniversität die Auswirkungen untersuchen.
Die Trafikanten schlagen kämpferische Töne an. Alois Kögl aus Mureck, steirischer Gremialchef, droht mit einer Klage gegen die Lotterien, falls diese "ihre marktbeherrschende Stellung missbrauchen". Kögl macht 65 Prozent seines Umsatzes mit Lotto. Seit die Einfuhr von bis zu vier Stangen Zigaretten aus EU-Ländern legal ist, sind Rauchwaren für Kögl wegen der Nähe zu Slowenien nur Nebensache.
Auch wenn Trafikanten Gebietsschutz genießen und der verlängerte Arm von Tabak- und Glücksspielmonopol sind, geraten sie immer mehr in Existenznöte. Denn Zigaretten verkaufen dürfen auch Tankstellen (der Preis muss zehn Prozent über dem in der Trafik liegen) und mancher Lebensmittelhändler aus Gründen der Nahversorgung. Rauchen an sich wird aber mehr und mehr zurückgedrängt. Und andere Umsatzbringer wie Stempelmarken fielen ganz weg (siehe unten). Von Zeitungen, Papier und Getränken könne man nicht leben, sagt Kögl. Bleibt also Lotto - da drohe aber der Verlust des Vertrages, wenn der wöchentliche Umsatz nicht stimmt.
Dies stellt Martin Himmelbauer seitens der Lotterien in Abrede. "Mindestumsätze gelten nur während der Probezeit. Wer einen unbefristeten Vertrag hat, verliert ihn nicht wegen geringer Umsätze." Über mögliche Angebote an die Trafikanten wollen die Lotterien erst nach der Verhandlung am Montag reden.
Features
Fakten
Eine Tabaktrafik (mündlich meist nur Trafik) ist in Österreich eine Verkaufsstelle für Tabakwaren, Zeitungen, Magazine, Glücksspielprodukte und viele andere Kleinwaren.
Zudem verkaufen als "Trafikplus" gekennzeichnete Läden Eintrittskarten der beiden österreichischen Anbieter Ticket Online Austria und Ö-Ticket.
Den Begriff Trafik (abgeleitet aus dem Italienischen, traffico = Handel) taucht in Österreich bereits 1784 auf. In diesem Jahr erlässt Kaiser Joseph II. das Tabakmonopol. Verwaltet wird dieses Monopol (heute nur mehr für den Einzelhandel und die Produktion von Tabak und Tabakwaren gültig) von der Monopolverwaltung GmbH (Staatseigentum) - auf Basis des 1996 verabschiedeten Tabakmonopolgesetzes.
Die Monopolverwaltung vergibt die Trafiken und garantiert einen Gebietsschutz.
Seit Beginn des Trafikanten-Bestehens werden Invaliden bei der Vergabe einer Trafikanten-Lizenz bevorzugt. Ursprünglich versorgte man aus dem Krieg als Invaliden zurückgekehrte einfache Soldaten mit Trafiken und Offiziere mit Großhandels-Geschäften.
Angehörige von Trafikanten können Trafiken übernehmen, wenn sie zuvor mindestens sieben Jahre in einer gearbeitet haben.
Seit heuer gibt es eine Trafikanten-Akademie und Eignungsprüfungen für Trafikanten.
Zu kämpfen haben Trafikanten vor allem seit den Grenzöffnungen und der damit verbundenen Änderung der Einfuhrbeschränkung für Zigaretten.









