Klöch hat Sehnsucht nach dem Knochenmann
Als Kulisse zum Wolf Haas-Krimi "Der Knochenmann" war das südoststeirische Klöch gut genug. Fürs große Kino hat es aber leider nicht gereicht. Ganz ehrlich: Das schmerzt schon ein bisschen.

Foto © Erwin ScheriauDie echte Hendl-Wirtin Mathilde Palz
Gar nichts ist passiert. Keine Kamerateams, keine Stars, kein Medienrummel. Dabei hätte man sich das in Klöch durchaus erwarten dürfen. Immerhin spielt das Buch "Der Knochenmann" von Wolf Haas nicht nur in der Region, es war auch ein Bestseller. Und jetzt ist der Krimi - nach der Premiere am Mittwoch - ab Freitag auch noch in den Kinos. Mit Josef Hader in der Hauptrolle.
In Niederösterreich gedreht. Aber wer gedacht hat, jetzt ist Klöch voll im Bild, hat sich getäuscht. Denn gedreht wurden die Bilder in Niederösterreich. Und aus Klöch ist der Bezirk Neunkirchen geworden. Weil Klöch zu romantisch ist, heißt es. Weil die Niederösterreicher viel Geld zahlten, raunzen andere. Ein bisschen ist der Schmerz darüber in Klöch halt schon zu spüren. Aber nur ein bisschen.
Denn Mathilde Palz, die Wirtin jener Gaststube, die im Buch als "Grillstation mit dem Flair einer Möbelhalle" beschrieben wird, lacht trotzdem. Gleich vorweg: Möbelhalle ist das sicher keine, "aber natürlich sind wir auf große Gästezahlen ausgerichtet." Nur, 1000 Hendln am Tag hat sie noch nie verkauft. Und: Knochenzerstückelungsmaschine im Keller gibt es auch keine. "Wir haben ja nicht einmal einen richtigen Keller in dem Sinn. Das ist mehr eine Garage."
Mitreden. Natürlich muss man das Buch gelesen haben, um mitreden zu können. "Zu uns kommen jetzt viele Gäste, die nachfragen", freut sich die Wirtin. Man ist ja nicht aller Tage Schauplatz eines Krimis. Auf der Schank liegen "Knochenmann"-Bücher, Zeitschriften mit Artikel von Wolf Haas werden auch gesammelt, "und einen Betriebsausflug ins Kino haben wir sowieso schon fix eingeplant."
Schade. Als Küchenchef Alexander Lieber dann aber sagt: "Ich find's halt schade, dass der Film nicht bei uns gedreht wurde", stimmt die Chefin dann doch ein. "Die haben ein Lokal gesucht, dass geschlossen ist. Aber ich hätt' für die Dreharbeiten schon auch ein paar Tage zugesperrt."
Niemand hat gefragt. Wenn nur jemand gefragt hätte. Das wurmt auch Trafikantin Erika Lirner. Gut, die lässt sich aber nichts gefallen, hat sie doch den Autor vor Jahren schon so oft angerufen, bis er zurückgerufen hat. "Ich wollte ihn fragen, ob er eine Lesung macht. Hat er aber nicht." Wegen des Films sei sie nicht gekränkt, schon gar nicht verärgert. "Aber irritiert. Wir hätten denen alles geboten. Aber bitte."
Perfekte Krimi-Stimmung. Und wenn es so richtig regnet in Klöch dann bietet die Gegend ja eh perfekte Krimi-Stimmung. Über den Sportplatz kollern zwar keine abgetrennten Köpfe, dafür sinniert Luis Bresnik über die Vergangenheit. "Ich war Spieler beim SV Sturm Klöch, dann Trainer, dann Obmann. Heute bin ich Ehrenpräsident." Außerdem ist er Bezirksjägermeister und hat die Schule gebaut. Und er hat den Knochenmann gelesen. "Aber nicht ganz. Mir ist das nämlich ein bisserl vorgekommen wie ein Märchen." Denn einen Mord hat es hier nie gegeben. "Aber ohne Legionäre kommt heute kein Verein mehr aus." Wie gesagt, man muss das Buch gelesen haben. In Klöch jedenfalls kennt es jeder.
Haas-Lesung auf dem Sportplatz. Und weil es mit dem Film nicht geklappt hat, wünscht sich Bürgermeister Josef Doupona jetzt nur eines: "Eine Haas-Lesung auf dem Sportplatz. Den kriegen wir dafür locker voll."
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Bürgermeister Josef Doupona wünscht sich eine Haas-LesungFoto © Erwin Scheriau








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