Durch Ballnächte bis vor die Fernsehkamera
In 50 Jahren als Fotograf hat sich Franz Ettl einen Namen in seiner Branche gemacht. Seine Leidenschaft gehört dem Sammeln von Fotoapparaten.

Foto © SchleichMit der alten Holzkamera hatte der Gnaser Fotomeister auch einen Filmauftritt
Als Fotograf, der einen recht eigenwilligen Umgang mit seinen Kunden pflegt, die sich ablichten lassen wollen, hat sich Franz Ettl einen Namen gemacht. Es ist bekannt, dass man bei Gruppenaufnahmen, die Meister Ettl vornimmt, geduldig stehen muss, bis der Gnaser endlich zur Erlösung aller Beteiligten den Auslöser drückt.
Das Fotografenhandwerk hat Franz Ettl bei seinem Vater erlernt, der Fotografenmeister in Gnas war. "Mein Vater hat beim Feldbacher Fotografen Loderer gelernt und 1937 die Meisterprüfung abgelegt. Er lernte erst im fortgeschrittenen Alter, zuvor war er Tischler", erzählt Ettl, der das Geschäft in Gnas von seinem Vater übernommen hat.
Die Marktgemeinde hat mit der Gemischtwarenhandlung Werschitz und dem Geschäftsportal von Foto Ettl zwei historisch interessente Geschäftslokale. "Unser Haus war einmal eine Schönfärberei, die einem Herrn Sehrschön gehörte. Es bestanden tiefe Gruben, in denen die Stoffe gefärbt und mit Metallzahlen, von denen ich einige erhalten habe, gekennzeichnet wurden. Das Portal des Geschäftes ist unverändert, rund 100 Jahre alt und soll auch in Zukunft so bestehen bleiben", betont Ettl.
Von Ball bis Primiz
Der Gnaser darf sich zu den kreativen Fotografen der Region zählen. Besonders stolz ist er darauf, dass er bei 31 Primizfeiern die Gruppenfotos mit den Primizianten machen durfte. Gemeinsam mit seinem Vater hat er weitere sechs Primizen fotografiert. Auch im Fotojournalismus machte sich der heute 64-Jährige einen Namen. In seinem akkurat geführten Archiv kann man nachvollziehen, dass 5500 Ettl-Fotos in der Kleinen Zeitung veröffentlicht wurden. Als Hochzeitsfotograf ist Franz Ettl ein Begriff. Früh folgte er dem Trend der erotischen Brautpaarfotografie. Große Ballveranstaltungen begleitet Ettl mit seiner Digitalkamera die ganze Nacht und bereits am nächsten Morgen wird der Festablauf in Bildern festgehalten auf einer DVD vorgelegt. In einer solchen Ballnacht drückt der Fotomeister bis zu 6000 Mal auf den Auslöser.
Leidenschaft
Nur wenige wissen von Ettls geheimer Leidenschaft, dem Sammeln alter Fotoapparate, die zum größten Teil aus dem Firmenbestand der Familie erhalten geblieben sind. In seinem Fotomuseum finden sich neben alltäglichen Fotogeräten auch Raritäten wie eine großformatige Holzkamera aus der Zeit um 1940, eine Haselblad mit Mittelformat oder die kleinste Rollfilmkamera der Welt, Marke Petie. Diese Kamera wurde auch in der Spionage eingesetzt.
Fernsehauftritte
Mit der großen Holzkamera spielte Ettl eine kleine Fotografenrolle in der deutschen Fernsehserie "Weißblaue Geschichten". "Ich erinnere mich noch sehr gut an die Dreharbeiten, die in Kapfenstein stattfanden. Der Film hieß ,Die Falle'. Einen großen Fernsehauftritt als Fotograf hatte ich auch bei ,Willkommen Österreich'", erzählt Ettl stolz und zieht einen Ordner hervor, um zu einem anderen Thema zu kommen. Er enthält Aufnahmen von Musikkapellen und Bands. Auch davon hat Ettl in seiner fünfzigjährigen Tätigkeit als Fotograf unzählige auf Film und digitalen Datenträgern verewigt.







