Ein Archiv, das völlig unberührt ist
Unmengen von Sendungen hat der Grabersdorfer Karl Haberl aufgenommen. Seine Sammlung umfasst mehr als 2000 Tonband- und Videokassetten. Abgespielt hat er keine davon.
Im Haus von Karl Haberl in Grabersdorf türmen sich Video- und Tonbandkasetten. Über Jahrzehnte hat der ehemalige Gnaser Gemeindesekretär oft nächtelang am Aufbau eines Ton- und Bildarchives gearbeitet. Für seine Tätigkeit hat er einen Raum in seinem Bauernhaus adaptiert, Aufnahme- und Wiedergabegeräte installiert, um dort täglich am Abend nach getaner Arbeit für ihn bedeutungsvolle Sendungen aufzuzeichnen: "Mich haben in erster Linie religiöse Themen interessiert: festliche Gottesdienste, aber auch Diskussionen. Dann Konzertübertragungen und Shows."
Ein Blick in die begleitende schriftliche Dokumentation - für jede Aufzeichnung hat der heute 66-Jährige ein eigenes Datenblatt angelegt - zeigt, wie umfangreich dieses Archiv ist. Neben der Kriegssymphonie findet man einen Film über die Tierwelt, über Buddhismus, Spielfilme, Reiseberichte, Interviews und Berichte von Ausstellungen. Alles, was mit Land und Leuten im Zusammenhang stand, hat Haberl bevorzugt behandelt. Auch frühe Sendungen mit Barbara Karlich finden sich - und immer wieder Tonbänder mit den Sonntagsgottesdiensten, die auf Ö 1 ausgestrahlt wurden. Unzählige Aufnahmen über "Österreichbild", "Steiermark heute" und "Wenn die Musi spielt" liegen säuberlich geordnet in den Archivschränken.
Die Frage, was ihn zu dieser zeitaufwendigen Leidenschaft gebracht hat, beantwortet Haberl lakonisch: "Es war das Interesse an klassischer Musik und an allem, was so in der Welt vor sich geht."
Nie abgespielt
Die exakte Zahl der aufgezeichneten Sendungen lässt sich trotz der akribisch geführten Datenblätter nur schwer feststellen. Die Zahl der Videokassetten liegt bei weit über 1500, jene der bespielten Tonbänder bei mehr als 500. "Oft musste ich die ganze Nacht durcharbeiten, um die Begleittexte zu verfassen und das aufgenommene Material sachgemäß einzuordnen. Da war schon viel zu tun und in der Früh bin ich dann sofort ins Büro nach Gnas", erzählt Haberl. Heute macht er aus gesundheitlichen Gründen keine Aufnahmen mehr. Aber er blickt mit Stolz auf sein Archiv, das sich auch durch ein Kuriosum auszeichnet: Haberl hat nach Aufnahme und Archivierung keine einzige seiner Video- und Tonbandkassetten jemals abgespielt. "Dazu hatte ich keine Zeit. Die Aufnahmen nahmen jede freie Minute in Anspruch. Jetzt besteht das Archiv und so soll es auch bleiben", meint er zufrieden. "Was alles genau darinnen festgehalten ist, kann ich nicht mit Sicherheit sagen."
Im Aufnahmeraum stehen Tonbandgeräte, Computer, Radios und Fernsehgeräte, dazwischen liegen Verbindungskabel, unbespielte Tonbänder und Kleingerät. Seine Archivierungsarbeit hat Karl Haberl beendet. Mit seinem Archiv, in dem er täglich einige Zeit verbringt, ist er dennoch noch immer mit Leib und Seele verbunden.









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