Die Gosdorfer zittern, wer das zahlt
Mit 200.000 Euro steht die ausgelagerte Gesellschaft schon in der Kreide, wenn man nur die schon anerkannten Rechnungen berücksichtigt. Grüne fordern Prüfung durch Gemeindeaufsicht.

Foto © KuzmickiDer Murturm in Gosdorf
Aufregung in Gosdorf, und darüber hinaus: Dass der Bürgermeister der südsteirischen Kleingemeinde, Anton Vukan, auch Geschäftsführer der Landes-SPÖ ist, macht die Sache mitten im Gemeinderatswahlkampf nicht besser. ÖVP-Mandatar Anton Gangl ist zornig darüber, dass hier womöglich die Bevölkerung von Gosdorf über Gebührenerhöhungen etc. zur Kasse gebeten wird. Er fordert, dass Landeshauptmann Franz Voves die Mehrkosten übernimmt. Die Kontrolle sei offenbar "schamlos vernachlässigt" worden. Für den Grünen Lambert Schönleitner stellt sich die Frage, ob Vukan als Geschäftsführer der SPÖ noch tragbar ist. Er fordert den für die Gemeindeaufsicht zuständigen VP-Landeshauptmann-Stellvertreter Hermann Schützenhöfer auf, die Gemeinde Gosdorf unter die Lupe zu nehmen.
Zwei Ausschreibungen
Eine Kostensteigerung von 382.000 Euro auf 1,5 Millionen Euro ist - auch wenn dieser Forderung noch ein veritabler Rechtsstreit folgen dürfte - kein Pappenstiel. Dabei hätten die Alarmglocken schon 2007 läuten müssen. Die erste Ausschreibung hatte nämlich ein Angebot zur Folge, das den Betrag von stolzen 1.015.000 Euro umfasste. Ein "ganz anderes Projekt", sagt Vukan. Inwiefern? "Der Turm war damals aufwändiger und rund." Heute ist es ein spannendes Stahlgeflecht, aber die Höhe der Rechnung erinnert an den ersten Versuch. Beim zweiten Mal waren es übrigens nur zwei Firmen, die sich zu den gewünschten Billig-Konditionen an das Vorhaben wagten. Die Firma GLS aus Perg, und eine kleine Firma aus Ratschendorf. Die GLS gilt als Spezialist für Spezialbauten und kam zum Zug.
Eine ausgegliederte Gesellschaft wurde gegründet, die "Infrastruktur Entwicklungs KG". Sie nahm ein Darlehen auf, um die Zeit bis zum Eingehen der Förderungen zu überbrücken: 400.000 Euro auf zwei Jahre. Das Konto weist jetzt schon einen Rückstand auf: 131.590 Euro, und da sind die 90.000 Euro, die man der Baufirma nachträglich zugesteht, noch gar nicht dabei. 40.000 Euro brachte die Gemeinde bereits selbst auf für das Projekt. EU und Land fördern das Projekt: Die EU mit 203.000 Euro, das Land mit bisher 200.000 Euro aus den Bedarfszuweisungsmitteln. Weitere 100.000 sind angeblich zugesagt. Das wird nicht reichen.
Die Gemeinde hat ein Jahresbudget von 1,6 Millionen, und hatte 2009 einen Abgang von mehr als 200.000 Euro. Tendenz, wie überall, steigend. Die Suche nach Sponsoren für den Murturm ist bisher im Sand verlaufen. Trotz professioneller Begleitung. Die hat man sich 10.000 Euro kosten lassen. Ergebnis: Null. Die jetzige Aufregung lässt Vukan wohl zu Recht befürchten, dass die Suche weiter schwierig wird. Michael Schickhofer vom Büro Voves schließt sich in der Causa Gosdorf der Meinung Vukans an: Wenn dieser keine weitergehenden Vereinbarungen unterschrieben habe, dann müsse die Gemeinde auch nicht zahlen.








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