Neuroth setzt auf sanfte Expansion unter neuem CEO
Lukas Schinko (24) hat das Hörgeräte-Imperium "Neuroth" frisch übernommen. Als aktuelles Ziel arbeitet das Unternehmen an einer Vollabdeckung der Schweiz.

Foto © copyright Neuroth AGLukas Schinko (24)
"Es ist kein Stigma, sondern eine Chance, Lebensqualität und soziale Kontaktfähigkeit wiederzugewinnen". Seit über 100 Jahren arbeite man an der Verbesserung der Technik und vor allem des Images von Hörgeräten, erklärt Lukas Schinko, der dieser Tage den Vorsitz in der in Familiensitz befindlichen AG von seiner Mutter Waltraud Schinko-Neuroth übernommen hat. Der 24-jährige CEO und Chef von 680 Mitarbeitern in knapp 180 Filialen und im oststeirischen Headquarter setzt weiter auf sanfte Expansion - derzeit gerade in der Schweiz.
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Vom Hörrohr über die ersten Transistoren in den 1990er-Jahren bis zu den aktuellen Bluetooth-fähigen Mini-Tonanlagen inklusive Telefonfunktion im Ohr ist es ein langer Weg. Das elektronische Innenleben wird von drei Herstellern zugekauft. Von der Stange gibt es nichts, jedes Gerät ist eine Maßanfertigung. Gegenüber beispielsweise den Optikern hat man abgesehen von der notwendigen Verstärkung auch mit einer komplexen Frequenzregelung zu tun. Das Marktpotenzial ist groß, aber schwer auch nur annähernd auszuschöpfen: Von jenem Fünftel der Menschen in Österreich, die einer Hörhilfe bedürften, habe nur ein Fünftel auch eine solche. In Skandinavien etwa sei die Versorgungsquote doppelt so hoch.
Individuelle Lösungen für alle Ohren
Individuell angepasst sind bei den Hörgeräteherstellern auch die Produkte des jüngsten Segments, des Hörschutzes: Mittels unterschiedlicher Filter werden die unerwünschten Frequenzen herausgenommen, ohne dass z.B. bei einem Musiker das Hörerlebnis in der Qualität beeinträchtigt wird. Ebenso werden störende Geräusche für Jäger, Biker, Heimwerker oder für durch das Schnarchen des Partners geplagte Ruhebedürftige weggefiltert.
Die Neuroth AG mit Sitz im oststeirischen Schwarzau hat einen Marktanteil von knapp 50 Prozent der in Österreich im Jahr verkauften 70.000 bis 75.000 Hörgeräte. Zu den 110 Studios in Österreich kommen 50 in der Schweiz und Lichtenstein, 15 in Slowenien und seit September zwei in Kroatien. "Wir befinden uns derzeit in einer Wachstumsphase", so der gelernte Hörakustiker und Nachrichtentechniker Lukas Schinko im APA-Gespräch. Der nächste Schritt sei die Vollabdeckung der Schweiz.
Das 1907 als "Spezialhaus für Schwerhörigenapparate" gegründete Familienunternehmen setzte zuletzt rund 90 Mio. Euro um. Von den 680 Mitarbeitern sind 170 in der Firmenzentrale und Produktion in Schwarzau (Bezirk Feldbach) beschäftigt. Die Neuroth AG, mit Lukas Schinko nun in Händen der vierten Generation, ist Gründungsmitglied des steirischen Humantechnologie-Clusters.








