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    Zuletzt aktualisiert: 12.04.2009 um 01:24 UhrKommentare

    Das letzte Geleit in die Schrottpresse

    Seit 1. April gibt's in der Steiermark die Verschrottungs- prämie. Das Ehepaar Baptist hat sich aus diesem Grund von seinem Volvo getrennt. Ein Abschied.

    Foto © AP

    Mit den Gelenken hat er's immer schon gehabt, der goldige Schwede. Die Servo hat gesudert. Vor allem in engen Kurven. 13 Jahre hat er die Familie Baptist sicher ans Ziel gebracht. 19 Jahre hat er insgesamt auf dem Buckel.

    13 Jahre lang. An der Seitenscheibe klebt das obligatorische "25 Jahre Club-Mitglied"-Pickerl. Die gelben Engel brauchte Fritz Baptist aber nie. Denn auf den Volvo war Verlass. Ein Goldgriff, im wahrsten Sinne des Wortes. 13 Jahre lang. 306.000 Kilometer, in Autojahren gerechnet. "Er war, wie ich mir einen Mitmenschen wünsche: verlässlich, ehrlich, sicher und immer für mich da", sagt Baptist sentimental. Mit Blick auf den, den's nimmer lange geben wird. Zumindest nicht in dieser Form. Der Volvo steht mit seinen treuherzigen Scheinwerfern auf dem Schrottplatz von Peter Kuttin in Knittelfeld, glänzt in der Sonne und irgendwie tut er einem leid.

    Zwei Freunde, ein Abschied. Er weiß nicht, dass er in weniger als einer Dreiviertelstunde als "Nummer 160" zerschnipselt wird. Die letzten Minuten der "160", die letzten Minuten eines Autolebens. Doch der Volvo ist alles andere als samtig im Abgang. Ein Kämpfer und Dickschädel bis zum Schluss. "Das war er schon immer", sagt Baptist stolz. Immer, wenn ihm einer reingefahren sei, hatten die anderen Autos den größeren Schaden. Noch einmal wird liebevoll die Motorhaube getätschelt. Zwei alte Freunde. Ein Abschied.

    Faustgroße Stücke. Denn in wenigen Minuten wird der Volvo zerlegt. Phase eins "Übernahme": Die Fahrgestellnummer wird notiert und der Wagen bekommt eine Nummer. Phase zwei "trocken legen": Die Reifen werden abmontiert. Öl und Benzin abgesaugt. Danach kommt der Schredder. Der Reißwolf. Man munkelt: Keiner kam je zurück. Jedenfalls nicht ganz. Sondern in faustgroßen Stücken. Heiliges Auspuffrohr.

    Prämie, Umwelt, Wirtschaft. Sieht man das ganze Szenario nicht aus Vehikel-Perspektive, haben zuerst die Baptists, dann die Umwelt und schließlich die Wirtschaft etwas davon. Das Ehepaar hat nämlich schon den Schrieb vom Finanzamt bekommen. Die 1500 Euro Prämie sind ihnen sicher. Dazu kommt, dass bis auf 20 Prozent vom Volvo alles wiederverwendet wird. Die Reifen gehen an die Zementindustrie, das Altöl wird entsorgt und 75 Prozent des Schrotts werden zur Stahlproduktion genutzt. Auch die Wirtschaft freut sich, haben die Baptists doch ein nagelneues Gefährt in der Garage.

    Bang beim Anblick. Traude Baptist wird trotzdem ganz bang beim Anblick der Auto-Kadaver und nackten Karossen, die den Autofriedhof bevölkern wie ausgemergelte Piratenbarkassen den letzten Hafen. "Eigentlich ist er ja noch gefahren. Er hat uns Glück gebracht." Auch Hündin "Kessi" meutert.

    Weggefährte. Das Lehrerehepaar gehört zwar nicht zur Sorte "Homo Fahrer", trotzdem sind ihre Erinnerungen bunt gefärbt. In den intensiven Farben gemeinsam zurückgelegter Kilometer. Von Feldbach nach Gleichenberg ist Fritz Baptist täglich in die Arbeit gefahren. Zehn Jahre lang. Und nach vielen Jahren erst hat er gemerkt, dass der Volvo zwei verschiedene Zierkappen an den Vorderreifen hat. "Als ob er zwei verschiedene Socken trägt."

    Loch im Dach. Die werden dem Volvo jetzt ausgezogen. Unsanft. "Ich kann nicht hinschauen", sagt Traude Baptist. Sie verzieht das Gesicht, als hätte sie Zahnweh. Dabei sind's Phantomschmerzen. Aber es kommt noch härter. Der Greifer. Eine Monsterkralle, die anpackt, was ihr zwischen die Finger kommt. "Das hat er wirklich nicht verdient", wettert Ehefrau Baptist.

    35 Minuten. Die Scheiben bersten, das Blech kracht und wenig später prangen zwei Löcher im Dach. Nach 35 Minuten ist es schließlich so weit. Der Volvo landet im Schredder. Den Kofferraumdeckel weit aufgerissen wie zu einem allerletzten Schrei. Der Schredder muss zwei Mal anfahren bis der Volvo in seinem dunklen Schlund verschwindet. "Der war zäh. Genau wie wir. Komm gut heim", sagen die Baptists. Autos sind halt auch nur Menschen.

    CARMEN OSTER

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