Zufriedenheit und Enttäuschung in Radkersburg
Gemischte Reaktionen nach der gestern besiegelten Fusion zwischen Radkersburg und Feldbach.
Das war fast zu befürchten", schwingt in der Stimme von Waltraud Sudy ein Anflug von Resignation mit. Ans Aufgeben denkt die Sprecherin der Initiative "Nein zur Zwangsfusion Radkersburg" trotz der gestern endgültig besiegelten Zusammenlegung aber nicht. "Wir werden am Dienstag trotzdem nach Graz fahren, schließlich gibt es da eine Landtagssitzung. 4000 Unterschriften kann man nicht so einfach wegwischen", meint Sudy. Ob und in welcher Form der Protest weiter geht, soll bis dahin intern besprochen werden.
Ähnliche Töne stimmt der Murecker Bürgermeister Josef Galler an: "Diese Vorgangsweise des Landes wird sicher nicht als großer Wurf der Demokratie in die Geschichtsbücher eingehen." Zur geplanten BH-Außenstelle in Mureck könne er nichts sagen. "Ich habe noch keine Informationen", so Galler, der sich nun in einer Zwickmühle befindet. Ein einstimmiger Gemeinderatsbeschluss sieht für den Fall einer Fusion des Bezirks Radkersburg mit Feldbach nämlich eine Orientierung von Mureck nach Leibnitz vor. "Wir werden uns Anfang nächster Woche im Gemeinderat besprechen, wie es weitergeht und dann die Bürger informieren", meint Galler. Abwarten will auch sein Amtskollege August Wonisch aus Murfeld, das ebenfalls über einen Gemeinderatsbeschluss für Leibnitz verfügt.
So wie Gosdorf. Bürgermeister und SPÖ-Landesgeschäftsführer Anton Vukan sieht aber keinen Grund, den Widerstand gegen eine Fusion mit Feldbach fortzusetzen: "Die Politik besteht aus Kompromissen. So wie sie jetzt präsentiert wurde, ist die Verwaltungsreform für meine Gemeindebürger sogar ein Vorteil. Die Proteste haben sich ausgezahlt."
Verteidigt wird die Bezirkszusammenlegung auch von den Radkersburger Landtagsabgeordneten Anton Gangl (VP) und Martin Weber (SP). Beide sind davon überzeugt, dass eine Spaltung des Bezirks Radkersburg die Region massiv geschwächt hätte. Da kein Radkersburger für Behördenwege nach Feldbach fahren müsse und auch noch Kosten gespart würden, spreche nichts gegen die Verwaltungsfusion.
Straffer Zeitplan
Ans Eingemachte geht es jetzt für Alexander Majcan. Der Radkersburger Bezirkshauptmann und designierte Südoststeiermark-Chef muss die Umstrukturierung bis 1. Jänner 2013 umsetzen: "Wir haben einen fixen Fahrplan erarbeitet." Für die rund 140 Mitarbeiter gibt es eine Arbeitsplatzgarantie, Wechsel zwischen den Standorten soll es nur wenige geben. Majcan selbst wird allerdings nach Feldbach übersiedeln. "Ich werde aber auch immer wieder in Bad Radkersburg sein. Je nach Anlass und Anforderung. Im Mittelpunkt der Reform steht aber der Bürger", so Majcan.
Features
FAKTEN
Die Bezirkshauptmannschaft Südoststeiermark setzt sich ab 1. Jänner 2013 aus den bisherigen Bezirken Feldbach und Radkersburg zusammen.
Die neue Verwaltungseinheit umfasst aktuell noch 74 Gemeinden und knapp 90.000 Menschen.
Feldbach: Sitz der Bezirkshauptmannschaft, Bürgerservicestelle, Anlagenreferat, Veterinär- referat, Sanitätsreferat, Forstfachreferat, Teile des Sicherheits- und Sozialreferats.
Bad Radkersburg: Bürgerservicestelle, Sicherheits- und Sozialreferat, Teile des Anlagen- und Forstfachreferats sowie Amtstage im Veterinär- und Sanitätsbereich.
Mureck: Außenstelle mit zwei Sozialarbeitern und Bürgerservice-Amtstag jeden Freitagnachmittag.
Kirchbach: Wie bisher Bürgerservice-Außenstelle jeden Freitagnachmittag.







