Abgängiger war zwölf Tage ohne Wasser eingeschlossen
Zwölf Tage keine Nahrung und kein Wasser: Abgängiger Oststeirer wurde zufällig in einem Abbruchhaus entdeckt und befreit. Die Tür des Abbruchhauses war mit einer Schnur an der Außenmauer verankert. Robert G. dürfte zu schwach gewesen sein, die Verankerung aufzureißen.

Foto © BREITEGGER Polizei sucht nach Spuren im Abbruchhaus. Wie und warum ist G. in das Gebäude gelangt?
Seit zwölf Tagen gab es in der kleinen Gemeinde Baumgarten bei Gnas ein Gesprächsthema. Das unerklärliche Verschwinden des 45-jährigen Robert G. nach einem Sachschadenunfall sorgte in der Bevölkerung für wilde Spekulationen. Montagabend wurde der Abgängige in einem Abbruchhaus, etwa zwei Kilometer von seinem gemieteten Wohnhaus entfernt, gefunden. Das Thema ist damit aber nicht beendet, der Fall ist und bleibt vorerst mysteriös.
Christian D., Anrainer des leer stehenden Anwesens in Wörth (Gemeinde Baumgarten), traute seinen Ohren nicht: als er auf seiner Wiese mit einer Sense Gras mähte, hörte er plötzlich aus dem Abbruchhaus auf der anderen Straßenseite Klopfzeichen und unverständliche Laute. Er hielt Nachschau, öffnete die mit einer Schnur an der Mauer verankerte Tür. Da torkelte ihm ein Mann entgegen und brach vor seinen Füßen zusammen. Es war Robert G., abgängig seit dem 26. April dieses Jahres. Zwölf Tage lang war der Oststeirer wie vom Erdboden verschluckt. Jetzt lag er da auf dem alten Holzboden, ausgetrocknet, halb verhungert, verwirrt.
Fragen über Fragen
Als der Mann gefunden wurde, war die Polizei Gnas noch mit Vorbereitungsarbeiten für eine groß angelegte Suchaktion beschäftigt. Sie war für Mittwoch geplant. Ernst Raggam, Polizeichef in Gnas und seine Kollegen fuhren sofort zum Auffindungsort, um Robert G. kurz zu befragen. Doch der Mann konnte kaum antworten. Er sei durch ein Fenster ins alte Haus gelangt. Wann, wie und warum, könne er nicht sagen. Nur etwas wiederholte er immer und immer wieder: Es sei ihm unmöglich gewesen, das Haus zu verlassen.
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Foto vergrößernRobert G. behauptet, dass er das Abbruchhaus nicht verlassen konnte. Die Tür war mit einer Schnur an der Außenmauer verankert Foto © BREITEGGER
Robert G. behauptet, dass er das Abbruchhaus nicht verlassen konnte. Die Tür war mit einer Schnur an der Außenmauer verankert Grafik © BREITEGGER
Raggam: "Wir gehen davon aus, dass sich der Mann zwölf Tage ohne einen Tropfen Wasser und ohne jede Nahrung im Gebäude aufgehalten hat. Warum, das ist ein Rätsel. Da sind noch einige Fragen zu klären. Vielleicht erfahren wir in einigen Tagen mehr, wenn der Betroffene im Krankenhaus befragt werden kann." G. liegt im LKH Feldbach.
Im Abbruchhaus gab es keine Nahrung und kein Wasser. Überall nur Dreck und Gestank. Schmutziges Geschirr, zerbrochene Flaschen, ein verrosteter Herd, eine alte Kredenz, einige desolate Möbelstücke, ein Bett und Bettwäsche, die vermutlich schon seit Jahren dort liegt, daneben ein Plastikkübel. Das ist alles, was in diesem Raum zu finden ist. "Kein Mensch käme unter normalen Umständen auf die Idee, sich inmitten dieses Unrates niederzulassen", bemerkt ein Nachbar.
Der Bauarbeiter war in der Nacht zum 26. April 2012 spurlos verschwunden. Seine Papiere, die Haustorschlüssel, die Autoschlüssel - das alles lag in der Küche seines gemieteten Wohnhauses neben der Landesstraße in Baumgarten. Das beschädigte Auto steht in einem Schuppen. Mit dem Wagen war am Abend des 25. April ein Sachschadenunfall verursacht worden.
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Bild vergrößernDie Tür war mit einer Schnur an der Außenmauer verankert (oben). Trotzdem wäre es nicht schwierig gewesen, sie mit einem Ruck aufzureißen. G. dürfte dazu schon zu schwach gewesen seinFoto © BREITEGGER










