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Zuletzt aktualisiert: 15.03.2012 um 20:19 UhrKommentare

Aus für Arteser erzeugt Unmut

Arteser ohne Bewilligung und solche, die nicht mehr dem Stand der Technik entsprechen, sollen verschlossen werden. Dass die Besitzer dafür auch noch zahlen müssen, sorgt für Zündstoff.

Rudolf Müller, Hans Weicher, Manfred Wendler, Fritz Wolf und Christine Müller (alle aus Mühldorf) sind über die geplante Schließung ihrer Hausbrunnen verärgert

Foto © SteinerRudolf Müller, Hans Weicher, Manfred Wendler, Fritz Wolf und Christine Müller (alle aus Mühldorf) sind über die geplante Schließung ihrer Hausbrunnen verärgert

Das Aktionsprogramm des Landes zum Schutz von Tiefengrundwasser ist im Bezirk Feldbach angekommen. Ohne Maßnahmen würden diese hochwertigen Trinkwasserressourcen in absehbarer Zeit versiegen, betonte Michael Ferstl von der zuständigen Fachabteilung des Landes 19A, bei einer Informationsveranstaltung für Besitzer von Artesischen Brunnen in der Bezirkshauptmannschaft Feldbach. Übernutzung und Brunnen, die nicht mehr dem Stand der Technik entsprechen, gelten als Gründe für das Sinken des Druckwasserspiegels.

Mit der Verschließung von Hausbrunnen erwartet man sich, dem entgegenwirken zu können. Beginnen will man in den Wasserschongebieten im Raum Feldbach und Fehring und sich dort auf die nicht genehmigten Anlagen konzentrieren, so Alois Maier von der Bezirkshauptmannschaft Feldbach. Man habe "Hot spots" ausgesucht, wo man am schnellsten eine positive Wirkung erreichen kann. Von 676 Artesern im Bezirk sind laut Ferstl 375 unbewilligt und entsprechen zum Großteil nicht mehr dem Stand der Technik. Für den Bezirk ergeben sich dadurch Wasserverluste von 55 Litern pro Sekunde. Ferstl: "Das reicht zur Versorgung von 27.500 Personen."

Heftige Reaktionen

Dass ihnen als Besitzern so gut wie keine Wahl zum Verschließen des Brunnens bleibt - außer in einigen Fällen, wo der Anschluss ans öffentliche Netz wegen der Entfernung unzumutbar ist, die sündteure Neuerrichtung (150 Euro pro Meter, bis Tiefen von 40 Metern und mehr) - erregte viel Unmut. Dass sie dafür aber auch noch bezahlen müssen, führte zu teilweise sehr heftigen Wortmeldungen (siehe auch Infobox), die sich Bezirkshauptmann Wilhelm Plauder, seine Mitarbeiter, Michael Ferstl und der hydrogeologische Sachverständige Gerhard Grafeneder anhören mussten: Von bloßem Abcashen bis zu Enteignung war die Rede.

Rein rechtlich sei die Lage klar, so Ferstl, räumte aber eine ungerechte Situation ein: "Man nimmt den Leuten das Wasser weg und lässt sie dafür auch noch zahlen." Dass das Land heuer 50 Prozent der Kosten der ordnungsgemäßen Verschließung als Förderung zahlt - von ca. 2500 Euro wird ausgegangen - konnte die Brunnenbesitzer nicht zufriedenstellen. Bis 30. September läuft dafür die Frist zur Meldung bei der Gemeinde.

Bezirkshauptmann Plauder sagte zu, dass allen Betroffenen die Studie zugeschickt wird, die Basis der Maßnahmen ist. Zudem wird Alois Jäger von Baubezirksleitung für Informationen zur Verfügung stehen und auf Wunsch zu den Betroffenen kommen, um abzuklären, ob es sich überhaupt um einen artesischen Brunnen handelt.

HELMUT STEINER

Kommentar

HELMUT STEINERZumutung von HELMUT STEINER

Zum Aktionsprogramm

Der Bezirk Feldbach ist der letzte, in dem das Arteser-Aktionsprogramm umgesetzt wird. Zugleich existieren dort die meisten artesischen Brunnenanlagen. 50 Prozent davon sind nicht bewilligt, bei manchen ist die Bewilligung ausgelaufen und viele entsprechen nicht dem Stand der Technik.

Wichtige Basis der Maßnahmen ist die Ende 2005 abgeschlossene Studie "Hydrogeologische Grundlagen für eine nachhaltige Nutzung der Tiefengrundwässer im Bereich des Oststeirischen und Pannonischen Beckens" (NANUTIWA).

Sie führt aus, dass ein schonungsvollerer Umgang mit der wertvollen Ressource und eine strengere Handhabung bei Bewilligungen unumgänglich sind. Der größte Teil der Tiefbohrungen betrifft Hausbrunnen, von denen laut Studie nur etwa 20 Prozent tatsächlich genutzt werden.

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