Bezirks- und Gemeindesuche
Bevölkerung soll über Fusion abstimmen
Pöllauberg wird seine Bürger zur geplanten Gemeindezusammenlegung befragen. Das Ergebnis soll bindend sein, wie Bürgermeister Johann Weiglhofer (VP) im Interview erklärt.
Derzeit bilden die sechs Gemeinden des Pöllauer Tales eine Kleinregion. Im Zuge der Gemeindereform wird zwar über Zusammenlegungen nachgedacht, allerdings gibt es noch keine Details zur neuen Struktur.
Herr Bürgermeister, wie stehen Sie zu einer Gemeindeverbandslösung als Alternative zur Gemeindefusionierung?
JOHANN WEIGLHOFER: Eine Verbandslösung lehne ich ab, weil damit keine effiziente Verwaltung zu erzielen ist. Dadurch würde nur alles noch mehr verkompliziert. Entscheidungsfindungen würden sich dadurch unnötig verzögern. Ich sehe darin jedenfalls keinen Fortschritt. Eine solche kann nicht im Sinne des Landes sein.
Derzeit sind die sechs Gemeinden des Naturparks Pöllauer Tal gerade in der Analysephase. Zuletzt wurde Tacheles über den Schuldenstand der einzelnen Gemeinden geredet. Was können Sie dazu sagen?
WEIGLHOFER: Pöllau hat Darlehensschulden in der Höhe von 6,2 Millionen Euro. Unser Sollsaldo beträgt mit Jahresende 95.000 Euro. Das ist weniger, als jeder durchschnittliche Häuslbauer an offenen Krediten hat. Die Gemeinde Rabenwald wiederum hat gar keine Schulden. Bei einer Gemeindezusammenlegung kämen alle Schulden in einen Topf. Drauf zahlt dabei derjenige, der gut gewirtschaftet hat. Für uns hieße das, weniger Geld in die Infrastruktur investieren zu können.
Und wie schaut es mit der Fusionsprämie des Bundes und deren Verdoppelung durch das Land aus?
WEIGLHOFER: Wir würden 200.000 Euro auf vier Jahresraten über den Finanzausgleich erhalten. Der Betrag würde vom Land verdoppelt werden. Beim Zusammenschluss aller Gemeinden des Pöllauer Tals zu einer Großgemeinde ergäbe das eine Summe von zwei Millionen Euro. Dieses Geld würde aber zum Großteil in den Neubau eines Gemeindeamtes fließen, weil das bestehende in Pöllau nicht die räumliche Kapazität für eine Großgemeinde hätte.
Welche Nachteile sehen Sie für die Bevölkerung bei einer Gemeindezusammenlegung?
WEIGLHOFER: Das Vereinsleben würde auf jeden Fall darunter leiden. Auch gäbe es dann nicht mehr den Luxus, dass im Winter der Schneepflug jede Hofzufahrt schneefrei macht. Wir hätten dann ein Straßennetz von über 360 Kilometer Länge zu betreuen. Da kann auf individuelle Wünsche keine Rücksicht mehr genommen werden.
Erfüllt Pöllauberg eigentlich die vom Land geforderten Bedingungen, um als selbstständige Gemeinde weiter bestehen zu können?
WEIGLHOFER: Laut dem Punktekatalog des Landes erreichen wir 76 von 100 Punkten. 70 Punkte sind die Voraussetzung, um eigenständig bleiben zu können. Laut Gutachten arbeiten Gemeinden zwischen 2000 und 5000 Einwohnern wirtschaftlich am besten. Wir fallen genau in diese Kategorie, während eine Großgemeinde im Pöllauer Tal auf 8300 Einwohner käme.
Welche Vorteile können Sie in einer Gemeindefusion für sich entdecken?
WEIGLHOFER: Ein großes Plus wäre, dass man einen gemeinsamen Gewerbepark schaffen könnte. Das hätte aber schon vor 20 Jahren passieren müssen. Bei der Umsetzung der Raumordnung könnte man restriktiver sein. Das wäre gut gegen eine fortschreitende Zersiedelung.
Wie werden Sie weiter vorgehen, wenn Sie alle Fakten am Tisch liegen haben?
WEIGLHOFER: Wir werden dann unsere Bevölkerung detailliert informieren und sie darüber abstimmen lassen, ob sie für oder gegen eine Fusionierung ist. Das wird Anfang nächsten Jahres sein. Das Ergebnis ist für mich bindend, so oder so!











