Bezirks- und Gemeindesuche
Geht's nach dem Land, fusionieren alle acht
Nach dem Gespräch von Land und Bürgermeistern der Kleinregion Gleisdorf steht fest: Das Land möchte eine Fusion. Zuvor soll aber eine Analyse Vor- und Nachteile auf den Tisch bringen.
Von offen und positiv bis hin zu emotional und wenig Neuem - so charakterisieren die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister der Kleinregion Gleisdorf das gestrige Gespräch mit dem Land Steiermark zur Gemeindestrukturreform. Auch nach der dreieinhalbstündigen Verhandlungsrunde stand fest: Das Land wünscht eine Fusion der acht Gemeinden. Der Großteil der Umlandgemeinden von Gleisdorf wiederum pocht auf Eigenständigkeit.
Um die Argumentationslinien mit Zahlen und Fakten zu untermauern, werden ab Juni der Istzustand aller Kommunen analysiert und die Folgen einer Fusion bewertet. "Dabei wird es nicht nur ums Finanzielle gehen, sondern alle Punkte, die die Bevölkerung betreffen, sollen analysiert werden", erklärt Peter Schiefer, Bürgermeister von Nitscha.
"Ich hatte mir eigentlich vom Land erwartet, dass es diese Zahlen, Daten und Fakten bereits hat. Das war aber nicht der Fall", sagt Reinhard Hofer, Ortschef von Laßnitzthal und einziger SPÖ-Bürgermeister der Region. "Erst wenn alles auf dem Tisch liegt, kann man wirklich sagen, was Sinn macht." Analysiert werde daher auch eine weitere Variante: eine Fusion von Laßnitzthal, Ungerdorf und Labuch. "Wir wären für alles offen", so Hofer. Schlussendlich solle aber die Bevölkerung zur Fusion befragt werden.
Zweifel
Eine Bürgerbefragung möchte auch Robert Schmierdorfer, Bürgermeister von Albersdorf-Prebuch, nicht ausschließen. "Falls der Druck vom Land steigen sollte, machen wir das", so Schmierdorfer. Denn Ziel des Landes seien weniger Gemeinden, die leichter von oben steuerbar sind, meint er. "Dass eine Fusion wirklich besser für unsere Bürger ist, bezweifle ich", so Schmierdorfer. Er befürchtet höhere Gebühren und - durch Verwaltungsabbau - eine Zunahme von Arbeitslosen. "Und das trifft unsere Gemeindebürger", so Schmierdorfer.
Negative Folgen
Werner Höfler, Bürgermeister von Hofstätten, erwartet durch eine Fusion eher negative Folgen für seine Gemeindebewohner. Dennoch werde man offen in die Analysephase gehen.
Starke Zweifel jedenfalls hat Franz Klinkan, Bürgermeister von Ludersdorf-Wilfersdorf. Immerhin habe er einen Gemeinderatsbeschluss, der sich für die Eigenständigkeit der Gemeinde ausspricht. Nun werde man eben analysieren, wie vom Land verlangt, "schauen, welche Stärken und Schwächen wir haben." Das Ergebnis werde im Gemeinderat diskutiert. "Und dann stimmen wir wieder ab", sagt Klinkan.
Schon eine wirtschaftliche Analyse durch den Gemeindebund hat Ungerdorf hinter sich. "Die besagt, dass Ungerdorf wirtschaftlich gut dasteht", sagt Bürgermeisterin Rosemarie Taferl. Dennoch werde sie offen in die eigene Analyse gehen und "schauen, wie sich der Amtsvorschlag auf Ungerdorf auswirkt". Erst dann werde entschieden, in welche Richtung es gehen soll.
Gleich denkt ihre Kollegin Philippine Hierzer aus Labuch. Sie habe das Gespräch als "grundsätzlich positiv empfunden", eine Analyse mit den anderen Gemeinden werde zeigen, ob eine Fusion etwas bringt.
Das meint auch Christoph Stark, Bürgermeister von Gleisdorf. "Zuerst analysieren, dann drüber reden", sagt er, "wir haben jetzt schon einen gemeinsamen Lebensraum, der von den Menschen als solcher erlebt wird. Das wird in Zukunft nicht anders sein."
Features
FAKTEN
Von den 54 Gemeinden des Bezirkes wurden bisher 42 vom Land Steiermark zu Gesprächen geladen. Das Land setzte dabei durchgehend auf Fusionen. Weitere Gesprächsrunden sind im Bezirk aus heutiger Sicht nicht geplant.
Die restlichen zwölf Gemeinden sind Rettenegg, Ratten, St. Kathrein am Hauenstein, Fischbach, Gasen, Strallegg, Miesenbach, Gutenberg an der Raabklamm, Puch bei Weiz, Markt Hartmannsdorf, Sinabelkirchen und St. Margarethen an der Raab.
Bei diesen Gemeinden geht man davon aus, dass sie alleine bleiben - mit einer Ausnahme: Unklar ist bisher, wie sich das Land die Zukunft von Miesenbach vorstellt.
Bezirksübergreifende Gespräche gab es für Fladnitz (mit Tulwitz und Tyrnau) und Hirnsdorf (siehe oben).












