Steirer des TagesVom Hilfsarbeiter zum Präsidenten

Eduard Zentner entwickelt nicht nur emissionsarme Tierschutzställe mit, er ist als Präsident der Landarbeiterkammer ab sofort auch für 12.000 Mitglieder verantwortlich.

Eduard Zentner ist neuer Landarbeiterkammer-Präsident.
Eduard Zentner ist neuer Landarbeiterkammer-Präsident. © ballguide
 

Ob es an der guten Luft liegt oder am imposanten Grimming-Blick ist nicht überliefert – jedenfalls konzentriert sich im obersteirischen Altirdning auf ein paar Quadratmetern ab sofort wohl die höchste Präsidentendichte des Landes. Während auf der einen Straßenseite mit Franz Titschenbacher der Präsident der Landwirtschaftskammer lebt, wohnt nebenan sein neues kammerpräsidiales Gegenüber: Denn Eduard Zentner ist neuer Präsident der Landarbeiterkammer (während die Bauernkammer also die Arbeitgeber vertritt, kümmert sich die Landarbeiterkammer um die Arbeitnehmer).

Dass sich die Wege der beiden Klassenkameraden mit bäuerlichen Wurzeln auf diese Weise wieder kreuzen, war aber lange keineswegs absehbar.
Vielmehr beginnt Zentner nach der Schule eine Lehre (Zentner: „Weil meine Freunde auch alle Geld verdienten“) und arbeitet fortan zwölf Jahre als Tischler. 1991 schließlich dockt er bei der Höheren Bundeslehr- und Forschungsanstalt Raumberg-Gumpenstein an. Und arbeitet sich dort, begleitet von Extraschichten in Zusatzausbildungen, vom Hilfsarbeiter zum nunmehrigen Abteilungsleiter für Stallklimatechnik und Nutztierschutz empor.

Heute ist der zweifache Familienvater einerseits federführend an Forschungsprojekten für emissionsarme und besonders tierfreundliche Ställe beteiligt und wird andererseits ebenso von Veterinären, Bauern wie auch Anrainern – quasi als fachliche Mediationsinstanz – gerufen, wenn es um das heikle Konfliktfeld zwischen Tierschutz, Emissionsschutz, Anrainerschutz und bäuerliche Interessen geht.

Dass der kernige Tischler aus dem Ennstal aus einem ganz besonderen Holz geschnitzt ist, hat man auch bei der Landarbeiterkammer erkannt, wo Zentner seit 2009 als Kammerrat (ÖAAB-FCG) tätig ist. Seine Wahl zum Präsidenten fiel kürzlich einstimmig aus. Nun sieht sich Zentner („Mein Arbeitstag dauert jetzt halt 14 Stunden, aber ich habe an beiden Stellen beste Leute, auf die ich mich verlassen kann“) auch für die 12.000 Kammermitglieder verantwortlich – dazu zählen bäuerliche Bedienstete, Forstarbeiter, Berufsjäger, Lagerhausmitarbeiter, aber vor allem auch Arbeiter in Gärtnereibetrieben, Landwirtschaftsschulen und Erntehelfer.

Landarbeiter sind keine aussterbende Spezies

Sehr oft seien im Mitgliederbereich Beratungen im Arbeitsrecht notwendig. „Von fixen Schichten von 8 bis 17 Uhr sind unsere Mitglieder oft weit entfernt, weil es um Lebensmittel geht und nicht um Stahlnägel.“
Und wer denkt, dass es sich bei Landarbeitern um eine aussterbende Spezies handelt, liegt falsch. Während die Zahl der Bauern abnimmt, werden die Landarbeiter mehr. Zentner: „Weil die Betriebe weniger, aber größer und damit umso spezialisierter werden.“ Laut werden kann der Ennstaler dann, wenn es um – aus seiner Sicht – „himmelschreiende Ungerechtigkeiten bei den Pensionen geht, wenn bäuerliche Schwerarbeiter nur mit hohen Abschlägen vor dem 65. Lebensjahr in Pension gehen können, aber Wiener Beamte mit 55 und vollen Bezügen in Rente geschickt werden“. Hier will der zweifache Familienvater auch politisch ansetzen.

Politischen Aussagen, die wie zuletzt die Landarbeiterkammer und ihre vom Land übertragenen Aufgaben infrage stellten, entgegnet Zentner vehement: „Die komplette Arbeit – unter anderem über 600 Rechtsberatungen pro Jahr – wird bei uns von nur elf Angestellten und 21 ehrenamtlichen Kammerräten erledigt. Es gibt keine effizientere Interessenvertretung als uns.“

Wenn Zentner seinen Nachbarn Titschenbacher also künftig auf der anderen Straßenseite trifft, gibt es bestimmt genügend Dinge zu bereden. „Wir werden eng zusammenarbeiten.“ Vielleicht plaudert man dann ja auch über gemeinsame Schulzeiten. „Wir haben sogar zusammen die Schulbank gedrückt. Es ist aber nicht schwer zu erraten, wer von wem abgeschaut hat“, räumt Zentner im Hinblick auf Klassensprecher und Klassenbesten Titschenbacher ein. Aber auch, wenn Zentner auf seinem Lebensweg ein paar Abbiegungen mehr gemacht hat als sein Nachbar-Präsident, versichert er: „Ich würde genau den gleichen Weg wieder gehen.“

Kommentare (1)

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pesosope
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Lesenswert?

Warum schreiben Sie hier "vom Hilfsarbeiter zum Präsidenten"?

Warum schreiben Sie nicht vom Tischler, das er ja gelernt hat, oder vom Ingenieur, das er ebenso erlernt hat oder wollen Sie damit vielleicht etwas bestimmtes sagen?

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