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Zuletzt aktualisiert: 19.10.2012 um 09:08 UhrKommentare

Auf tönernen Füßen

Der Oststeirer Franz Kapfer wurde zur Busan Biennale nach Südkorea eingeladen und zeigt Muskeln gegenüber Nordkorea.

Der Künstler Franz Kapfer

Foto © Franz BrugnerDer Künstler Franz Kapfer

Für seine skulpturale Installation auf der renommierten Busan Biennale mit dem Generalthema "Garden of Learning" recherchierte Franz Kapfer im Vorfeld im kommunistischen Nordkorea. Der Künstler aus Bad Waltersdorf war im Reich von Kim Jong-un als Tourist mit Begleitschutz von zwei parteitreuen Aufpassern unterwegs. Er suchte gezielt Kultstätten mit Bedeutung für die Identität des Landes auf. "Um die gewünschten Motive vor die Linse zu bekommen, musste ich mich in meinem Verhalten systemopportun zeigen", erzählt der Wahl-Wiener. Verlangt war Bewunderung.

Die Speerspitze des Personenkults um den verstorbenen "Lieben Führer" Kim Jong-il manifestierte sich für Kapfer bei der Freundschaftsausstellung in einem pagodenähnlichen Museum in Myohyang. Auf 30.000 Quadratmetern breitet sich ein Sammelsurium von rund 19.000 Geschenken aus, die Kim Jong-il von Staatsgästen überreicht bekam.

"Die Palette reicht von einem Reitersattel von Gaddafi bis zum Tafelbesteck von Erich Honecker." Kapfers Augenmerk galt dem mächtigen, mit stilisierten Magnolien dekorierten bronzenen Eingangstor. Dazu muss man wissen, dass eine Riesenmagnolie ein wichtiges Symbol der autoritären Staatsmacht ist.

Diese Insignien haben es Kapfer angetan. Er zeigt auf der Busan Biennale eine vereinfachte Nachbildung des Tores in Originalgröße (6 mal 3,6 Meter). Ebenso hat er zwei Tiger nachgebaut, die das Monument für Tangun, den sagenhaften Begründer des Koreanischen Reiches, bewachen. Weiters zwei vergoldete Torbeschläge des Kumsusan Palastes, dem Mausoleum für zwei einbalsamierte Diktatoren.

"Vor dem Gesetz", abgeleitet von Kafka, nennt Kapfer seine Busan-Installation. Er malte mit schwarzer Farbe die Bildmotive auf Sperrholzplatten, denen er dann auf der Rückseite mit Latten bewusst eine improvisierte Halterung verlieh. "Eine Art potemkinsches Dorf. Die Konstruktion soll zeigen, auf welch tönernen Füßen das totalitäre System steht", erklärt Kapfer.

FRANZ BRUGNER

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