Bezirks- und Gemeindesuche
Lobbyist für 340.000 ehrenamtliche Helfer
Der Südsteirer Albert Kern (55) ist neuer Präsident des österreichischen Bundesfeuerwehrverbandes. Sein Ziel: "Das Ehrenamt an sich stärken."

Foto © LFV/MaierAlbert Kern
Mitten in der Diskussion über Wehrpflicht und Berufsheer samt Volksbefragung betritt ein Steirer die bundesweite Bühne der Einsatzorganisationen. 84 Prozent der Delegierten wählten Albert Kern vorige Woche zum neuen Präsidenten des Bundesfeuerwehrverbandes. Sofort zeigte der 55-Jährige, wo seine Stärken liegen: Er kann sich in der Öffentlichkeit Gehör verschaffen. Das bewies er gleich nach der Wahl, indem er die Feuerwehr in der Heeresdebatte ins Spiel brachte: "Das wäre sehr schlecht für unsere Motivation, wenn die Feuerwehrleute gratis arbeiten und dann kommen Kräfte, die zu einer Entschädigung kommen." Zumal 90 Prozent der Aufgaben im Katastrophenschutz sowieso von der Feuerwehr und anderen Rettungsorganisationen erfüllt würden. "Ich will die Feuerwehr richtig positionieren", tritt Kern mit offensiver Haltung sein neues Amt an.
Als höchster Feuerwehrmann Österreichs kämpft der Steirer in den nächsten fünf Jahren für die Anliegen der großteils ehrenamtlich engagierten 340.000 Feuerwehrmänner und -frauen in Österreich. Das will er im Diskurs mit Politik und Wirtschaft erreichen. Denn neben der Stärkung des Ehrenamtes sieht Kern das Lobbying als eine Hauptaufgabe seiner neuen Funktion an.
Dabei sei die Funktionärskarriere nie das Ziel des Steirers gewesen, der mit 15 der Feuerwehr in seinem Heimatort Hainsdorf-Brunnsee beitrat. "In einer kleinen Gemeinde hat die Feuerwehr einen hohen Stellenwert. Meine Begeisterung ist gewachsen und irgendwann übernimmt man dann auch Aufgaben", erinnert sich Kern an seine Anfangsjahre in der Blaulichtorganisation.
Bezirks- und Landeschef
Bereits 1995 wurde der damals 38-Jährige Bezirksfeuerwehrkommandant. Die Funktion, inzwischen in Bereichsfeuerwehrkommandant umbenannt, bekleidet Kern bis heute. Zudem gehört er seit 2000 dem Landesfeuerwehrkommando an, seit 2006 ist er Landesbranddirektor. Das will Kern trotz der Wahl zum Bundesfeuerwehrpräsidenten bleiben: "Das ist eine gute Kombination, zumal es immer so war, dass der Präsident ein Landesfeuerwehrkommandant war." Bestehen musste Kern auch gegen Kritiker aus der eigenen Reihe. 2010 sah er sich mit einer anonymen Anzeige wegen Amtsmissbrauchs in Zusammenhang mit der Errichtung der neuen Landesleitzentrale in Lebring konfrontiert. Diese wurde kurz darauf von der Staatsanwaltschaft eingestellt. "Das war ein großer Einschnitt, der mich letztlich gestärkt hat", sagt Kern.
Am besten entspannen kann sich der Radkersburger im Kreis seiner Familie - Gattin Josefine und die Söhne Thomas und Philipp, beide ebenfalls Feuerwehrmänner. Zudem trifft sich Kern mit Freunden zum Sporteln, unter anderem in einer Radgruppe.
Features
Fakten
Albert Kern wurde im Mai 1957 geboren und lebt in Hainsdorf-Brunnsee (Bezirk Radkersburg).
Beruflich ist der Südsteirer bei der Bezirkshauptmannschaft Leibnitz tätig. 2006 wurde er zum steirischen Landesfeuerwehrkommandanten gewählt.
Privat ist Albert Kern mit Gattin Josefine verheiratet und hat zwei Söhne, Thomas und Philipp.








