Bezirks- und Gemeindesuche
"Wir sind alle noch Suchende"
Von 100 verkauften Flaschen täglich hat er geträumt, heute sind es 1000: Manfred Tement, leidenschaftlicher Perfektionist und Familienmensch. Der Mann hinter dem Wein.

Foto © Gernot EderManfred Tement
Mein erstes Glas Wein?", fragt Manfred Tement nach. Sein Blick gleitet am Zieregg, dem Berg, auf dem sein Parade-Lagenwein wächst, entlang. Muschelkalk und zum Teil Kalkmergel schenken dem Boden hier die Basis für kräftige und saftige Weine, die nach 10, 15, 20 Jahren ihre volle Kraft und ihr ganzes, tiefgründiges Aroma entwickeln. Manchmal glaubt man, Tements Gedanken reifen so gut und sicher wie seine Lagenweine, die im Ausbau Geduld und Raffinesse einfordern. "Mit 12 war's", sagt er kurz. "Mein Vater hat mich drei verschiedene Traminer verkosten lassen und gefragt, was mir schmeckt. Nach meiner Einschätzung hat er gesagt: ,Du hast einen guten Gaumen'."
Kein leichter Weg
Jetzt, wenn viele in die Südsteiermark pilgern, werden sie immer wieder mit der Marke Tement in Berührung kommen. Er hat dieses Land und den Wein in den letzten Jahrzehnten geprägt wie kaum ein anderer. National wie international ausgezeichnet, bei der Kleinen Zeitung-Weinkost ist er Rekordsieger, sein Weingut am Zieregg ein architektonisches Kleinod. Aber es war kein leichter Weg, der ihn auf diesen Gipfel brachte. Der Vater starb früh, als Manfred Tement 16 war. "Vielleicht ist deshalb meine Grundeinstellung zum Leben vom Vater stärker beeinflusst als bei jenen, die ihre Väter länger hatten." Vieles hat sich da tief eingeprägt, die Liebe zur Natur, die Gabe, über den Tellerrand in andere Weinbaugebiete hinauszuschauen, der Satz "Aufs Arbeiten braucht sich keiner was einbilden". "Denn", so erklärt Tement, "man arbeitet nicht um der Arbeit willen, sondern dafür, dass es wirtschaftlich ist und Sinn ergibt."
Qualität als einzige Chance
Das ist ihm gelungen. Mit 2,5 Hektar Weinanbaugebiet und 30 Flaschen verkauftem Wein pro Tag hat er begonnen. Von 100 verkauften Flaschen am Tag hat er geträumt. Heute gehen mehr als 1000 täglich über die Ladentische, von Japan bis Australien.
Dass die steirischen Weine aufgrund ihrer steigenden Preise auch kritisch beäugt werden, weiß er. Aber es gebe keinen Ausweg. "Es ist nicht möglich, diese Qualität um einen niedrigeren Preis herzustellen. Wir können mit Ländern, wo vierfache Erträge pro Hektar möglich sind, nicht mithalten. Im Gegenteil: Wir senken die Erträge pro Hektar. Die Qualität, die dabei herauskommt, ist die einzige Chance."
Und Tement macht unermüdlich weiter. In Slowenien erwarb er direkt neben der Zieregg-Lage ein Weingut (Domaine Ciringa). Der Wein Fosilni Breg wird schon jetzt geschätzt. Neben dem Weingut entstehen auf der Substanz alter Steinbauten wunderschöne Ferienhäuser. Mit dem Wirtshaus Magnothek ein Baustein in seiner Erlebniswelt-Strategie.
"Aber wir sind alle immer noch Suchende beim Weinmachen", wendet er ein, "auch wenn wir manchmal nahe dran sind am endgültigen Geschmack." Tement gibt selbst zu, dass das immer in ihm "brennt". Er brauche viel Zeit für Entscheidungen. Das Hirn, das sei für langfristige Strategien. Beim Wein, wenn's um Momententscheidungen geht, muss der Bauch ran. "Das Gehirn braucht da manchmal zu lange", schmunzelt Familienmensch Tement: Ehefrau Heidi (Administration/Verkauf) kocht mittags nach wie vor für die ganze Familie, ein Fixpunkt im Leben der Tements. Und die Söhne Armin (Kellermeister/Weingärten) und Stefan (Weingärten/Keller) sind sowieso ihr ganzer Stolz.
2005 haben sich Manfred und Armin Tement übrigens auf ein Experiment eingelassen. Beide probierten, was das Zeug hielt. "So haben wir beim Weinmachen noch näher zueinandergefunden und uns verstehen gelernt."
Einen Traum hat Manfred Tement noch: Einen Wein ohne technische Hilfsmittel zu kreieren, bei dem er jeden Stock selbst bearbeitet und sein ganzes Wissen und sein Gefühl einsetzt. Aber dafür, sagt er, bleibt noch genug Zeit. Zuerst wird er einmal Großvater. Wie er wird Sohn Armin mit 26 bald erstmals Vater.
Features
Fakten
Manfred Tement führt mit seiner Frau Heidi und den Söhnen Armin und Stefan das Weingut in der Südsteiermark. Credo: "Die wahre Qualität wächst im Weinberg. Entscheidend ist die Auswahl der Sorten und des Bodens. Das Weinmachen beeinflusst nur noch Trinkbarkeit und Stil."








