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Zuletzt aktualisiert: 17.08.2012 um 07:00 UhrKommentare

Patrick Grunert: Auf Jagd in der Tiefsee

Als erster Österreicher verlegte der Paläobiologe Patrick Grunert sein Labor auf ein Forschungsschiff für Tiefseebohrungen. Thema: der Klimawandel vor drei Millionen Jahren.

Patrick Grunert am Forschungsschiff „Joides“ vor Lissabon, wo die Tiefseebohrungs-Mission startete

Foto © GRUNERTPatrick Grunert am Forschungsschiff ?Joides“ vor Lissabon, wo die Tiefseebohrungs-Mission startete

Der Kontrast könnte nicht größer sein: auf dem Bildschirm das stolze, riesige US-Forschungsschiff "Joides" und eindrucksvolle Bilder von knapp zehn Meter langen Bohrkernen. Hinter Patrick Grunert am Institut für Erdwissenschaften hingegen kleine Glasplättchen mit winzigen Punkten: die Ergebnisse seines mehrmonatigen Aufenthaltes auf hoher See. Als erster Österreicher nahm er am "Internationalen Ozeanischen Bohrprogramm" teil, das Dutzende Staaten seit knapp zehn Jahren finanzieren und betreiben.

Grunert ist Paläobiologe und beschäftigt sich mit mikroskopisch kleinen Einzellern, sogenannten Foraminiferen. Die Geschöpfe bilden ein Kalkskelett und werden daher im Sediment abgelagert. Etwa vor der Straße von Gibraltar, südlich der Küste von Portugal. Dort erkundet das Forschungsschiff die erdgeschichtlichen Strömungsverhältnisse zwischen Mittelmeer und Atlantik. Das Mittelmeer schickt an dieser Stelle warmes Wasser in den Atlantik hinaus. Die Foraminiferen dienen nicht nur zur Datierung der Bohrkerne, sondern verraten auch, wie einst die Strömungsverhältnisse waren.

Genau genommen interessiert Grunert die Zeit des Pliozän (5,3 Millionen Jahre bis 2,6 Millionen Jahre). Es ist die Zeit, in der die ersten vagen Vorläufer des Menschen auftauchen.

Damals gab es auch Klimaschwankungen, etwa eine Warmphase vor drei Millionen Jahren, als CO2-Gehalt und Temperaturen höher als heute waren. Welche Einflüsse hatte dies auf die Strömungen?

Die wochenlange Arbeit in 12-Stunden-Schichten, sieben Tage durch, war zwar sehr anstrengend, aber spannend: Die Forscher und Bohrmannschaften kamen ja aus aller Herren Länder. Nur am Weihnachtsabend gab es einmal drei Stunden Pause.

Grunert, der in Kirchberg am Wagram (NÖ) geboren wurde, studierte Biologie, ehe er sich der Paläobiologie zuwandte: "Das macht vielleicht einer von 1000", schmunzelt er. So abgehoben das Fach klingt, es hat ganz konkrete Anwendungen: Grunert arbeitete eine Zeit lang im Bereich der Erdöl- und Erdgasaufschließung: "Auch da kann man aus den Foraminiferen viel herauslesen."

Privat ist der 29-jährige Post-Doc-Forscher viel unterwegs: "In Europa habe ich wohl alle Länder schon durch", auch die USA, Mexiko und Wüstengebiete gehören zu seinen Zielen. Würde er nochmals aufs Schiff wollen? "Ja sicher, ich habe mich bereits wieder für eine Ausfahrt beworben", sagt Grunert schmunzelnd.

NORBERT SWOBODA

Fakten

Patrick Grunert, 1983 in Kirchberg am Wagram (NÖ) geboren, studierte Biologie und Paläobiologie in Wien und Berlin.

Er nahm an einer Ausfahrt eines internationalen Forschungsschiffes teil und forscht über einen Teilaspekt. Österreich beteiligt sich am Gesamtprojekt.

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