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Zuletzt aktualisiert: 29.07.2012 um 07:00 UhrKommentare

Extra Motivation braucht sie nicht

Wachtmeister Gabriele Kasper (25) kam gerade erst von den Golanhöhen zurück. Nun steht sie im Katastropheneinsatz im Paltental ihre Frau.

Soldatin und Feuerwehrmann: Wachtmeister Gabriele Kasper und Hauptbrandinspektor Walder Danklmeier beim Hilfseinsatz in St. Lorenzen

Foto © Sabine HoffmannSoldatin und Feuerwehrmann: Wachtmeister Gabriele Kasper und Hauptbrandinspektor Walder Danklmeier beim Hilfseinsatz in St. Lorenzen

Nein, eine Sonnenschein-Mission war ihr Jahr auf den Golanhöhen sicher nicht. Bei den vielen Massakern, der dramatischen Lage in Syrien, die sich immer stärker auch auf die UN-Blauhelme auswirkt. Doch dass so kurz nach der Heimkehr nach Österreich hier eine noch anstrengendere Aufgabe auf sie wartet, hätte sich Wachtmeister Gabriele Kasper nicht gedacht.

Jetzt steht die vor drei Jahren aus Tulln (NÖ) ins südsteirische Wagendorf zugewanderte Unteroffizierin im Schlamm von St. Lorenzen, schaufelt Keller frei, hilft, zerbeulte Autowracks aufzuladen. Die 25-Jährige ist eine von mehr als 320 Soldatinnen und Soldaten des Bundesheeres im Katastropheneinsatz im Paltental - und doch keine gewöhnliche.

"Ich wollte immer schon einen Männerberuf ausüben", erzählt Frau Wachtmeister im breiten niederösterreichischen Dialekt. Schon mit acht Jahren trug sie die Feuerwehruniform, nach der Matura schlug sie zunächst die Offizierslaufbahn ein. Dann sattelte sie um, kombinierte bei der Flughafenfeuerwehr am Fliegerhorst Langenlebarn den Soldatenberuf mit ihrer Feuerwehrleidenschaft.

Der Liebe wegen zog sie 2009 in die Steiermark, baute mit dem Freund ein Haus, nächstes Jahr wird geheiratet. Ihre neue militärische Heimat fand Kasper in der ABC-Abwehrkompanie in Graz. "Da gibt es auch ein Rette- und Bergeelement. Wir können mit Motorsäge und Flex umgehen, weshalb wir bei Katastropheneinsätzen gern gesehen sind." Das war vor zwei Jahren in Kleinsölk so, jetzt eben in St. Lorenzen.

"Die Leute sind hier so nett", schwärmt sie und erzählt von einer Frau, die den Soldaten fürs Kellerausräumen unbedingt etwas schenken wollte. "Sie hat alles verloren und dann ärgert sie sich, dass sie uns nicht einmal eine Schokolade geben kann." In solchen Momenten, sagt sie, brauche man niemanden mehr extra motivieren. "Da will wirklich jeder zugreifen und helfen."

Ein Ruhepol mitten im Chaos

Vollstes Verständnis, wäre er der Bitte um ein Gespräch mit einem "Aber wirklich nur ganz kurz!" nachgekommen. Doch Walter Danklmeier lächelt nur freundlich: "Ja sicher, setz' ma uns irgendwohin, wo wir eine Ruhe haben." Den Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr St. Lorenzen im Paltental bringt nichts aus der Fassung. Die Souveränität und Besonnenheit, mit der er den Katastropheneinsatz in seinem Heimatort leitet, haben ihm Bewunderung und Respekt von allen Seiten eingebracht.

Woher er diese Ruhe nimmt? "Das fragt mich meine Mutter auch. Dann sag ich, das musst du ja wissen, die Gene hab ich von dir", sagt der 32-Jährige. Er weiß auch, dass er sich auf ein starkes Team verlassen kann. Da könne man auch Aufgaben delegieren.

Und seine Kameraden können sich schon seit sechs Jahren auf den jungen Hauptbrandinspektor verlassen. Vor 14 Jahren trat er der Feuerwehr bei, als "Quereinsteiger". 2009 die erste schwere Prüfung für ihn und sein Dorf: Ein gewaltiger Hagelsturm ließ von 125 Hausdächern in St. Lorenzen nur fünf unbeschädigt.

Fast genau drei Jahre später nun diese zerstörerische Mure. Der Einsatz hatte für Danklmeier schon Stunden zuvor begonnen, bis 4.30 Uhr hatte er noch am Lorenzenbach Verklausungen beseitigt. Als er sich daheim eine kurze Pause gönnen wollte, kam der Anruf einer Anrainerin: "Du, der Bach staut sich auf . . ."

Auch sein Haus hat der Schlamm erwischt, das Auto ist ein Totalschaden. Doch das war für den Mitarbeiter der Logistik bei der Veitsch-Radex Trieben in den ersten Stunden zweitrangig. Es galt, den Einsatz hochzufahren. Seitdem beginnt sein Tag um halb sechs, endet selten vor Mitternacht. Die Firma gewährt ihm den nötigen Sonderurlaub.

Auf den "richtigen" Urlaub will er trotzdem nicht verzichten. In zwei Wochen geht's mit Freundin und ihren beiden Kindern nach Tunesien.

WILFRIED ROMBOLD

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