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Zuletzt aktualisiert: 27.05.2012 um 07:00 UhrKommentare

"Schnittstelle von Kunst und Handwerk"

Der Judenburger Fritz Panzer (57) hat die Geschäftsleitung der traditionsreichen und sich immer wieder neu aufstellenden Wiener Porzellanmanufaktur Augarten übernommen.

Das ist natürlich ein aufgelegter Elfer: "Panzer im Porzellanladen." "Ja, dieses Wortspiel passt ja wirklich sehr gut. Seit 1. März bin ich Geschäftsführer der Wiener Porzellanmanufaktur Augarten." Mit dieser beruflichen Entscheidung hat der gebürtige Judenburger Fritz Panzer seinen Bekannten- und Freundeskreis ziemlich überrascht.

Seit seinem Start als Lehrling in der Styria-Buchhandlung Judenburg (stieg dort zum Filialleiter auf) Anfang der 1970er Jahre verbrachte er sein bisheriges Leben in der Buchbranche. Nach der Matura im zweiten Bildungsweg, studierte er in Salzburg Politik- und Kommunikationswissenschaften, dissertierte 1985 über die "Literarische und politische Öffentlichkeit in Österreich", werkte anschließend für Verlage in Wien, ehe er sich mit der Firma "Buchmarketing" selbstständig machte. 1995, als Österreich das Schwerpunktland bei der Frankfurter Buchmesse war, organisierte Panzer die Veranstaltungsreihe "Über Frankfurt hinaus" mit hunderten Lesungen und literarischen Veranstaltungen in Deutschland.

Mittlerweile ist er mit der Germanistin Johanna Rachinger verheiratet, die zuerst die Kinderbuchabteilung im Ueberreuter Verlag leitete, ehe sie zur Geschäftsführerin dieses damals größten österreichischen Verlags aufstieg. 2001 holte Unterrichtsministerin Elisabeth Gehrer Rachinger an die Spitze der Österreichischen Nationalbibliothek und Panzer wurde für neun Jahre der Nachfolger seiner Frau als Ueberreuter-Geschäftsführer.

"Damals war Erhard Grossnigg der operative Chef der Salzer-Holding zu der der Ueberreuter-Verlag gehört und er hat mich geholt. Vor einem halben Jahr hat Grossnigg mich gefragt, ob ich nicht Geschäftsführer bei Augarten Porzellan werden möchte", erzählt Panzer. Und warum wollte er? "Ich habe überlegt, ob ich außerhalb der Buchbranche etwas machen kann. Je mehr ich nachgedacht habe, umso spannender wurde die Herausforderung etwas Neues an der Schnittstelle zwischen Kunst und Handwerk anzugehen. Ich habe mir gedacht, diese Chance kommt nur einmal und da habe ich dann halt zugegriffen. Ich arbeite in einem traditionsreichen Unternehmen, das es mit Unterbrechungen seit 1717 gibt und ein österreichisches Aushängeschild in der ganzen Welt ist."

2003 ging die Manufaktur deren Produktpalette rund 25.000 Stück zwischen Fingerhut, Geschirr, Schmuck, Vasen, Porzellanfiguren umfasst Pleite. Seit 2008 ist die Manufaktur, "in der alles von Hand gemacht wird" (Panzer) im Alleineigentum des Sanierers Grossnigg. Panzers Aufgabe? "Für eine ausgeglichene Bilanz zu sorgen, in zwei Jahren sollte ich dieses Ziel erreicht haben." Und zum Abschied sagt er zur Kleinen Zeitung: "Bestellungen über das beste und schönste Porzellan der Welt nehme ich gerne auch persönlich entgegen. Bei Großbestellungen spendiere ich ein kleines Bier."

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