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Zuletzt aktualisiert: 06.05.2012 um 07:00 UhrKommentare

Kurt Jungwirth: König und Dame locken ihn nach Moskau

Eine besondere Ehre wird dem früheren Kulturlandesrat Kurt Jungwirth zuteil: Er, seit seiner Jugend schachbegeistert, leitet bei der Weltmeisterschaft in Russland das Schiedsgericht.

Foto © Kanizaj

Für Visvanathan Anand und Boris Gelfand geht es um alles. Die beiden Schachprofis kämpfen ab Donnerstag in Moskau um die höchste Schach-Auszeichnung, den Weltmeistertitel. Zug um Zug, Runde für Runde werden einander der Titelverteidiger aus Indien und sein in Israel lebender Herausforderer mit weißrussischen Wurzeln hoch konzentriert gegenübersitzen. Zwei Schiedsrichter achten darauf, dass die Regeln in dem Zweikampf eingehalten werden.

Dass die Spieler nicht immer mit deren Entscheidungen einverstanden sind, liegt auf der Hand. In Moskau tritt dann Kurt Jungwirth auf den Plan. Der seit vielen Jahren schachbegeisterte prominente Steirer wurde vom Weltschachverband für die Weltmeisterschaft 2012 zum Vorsitzenden des Schiedsgerichts berufen. "Eine große Ehre", wie er sagt. Denn gibt es Zweifel an einem Spruch eines Schiedsrichters, hat das dreiköpfige Gericht darüber zu befinden und binnen zwei Stunden eine endgültige Entscheidung zu treffen. Auch für alle anderen Beschwerden rund um das Turnier - zum Beispiel, wenn das Publikum zu laut ist - ist das Schiedsgericht zuständig.

"Schon vor Monaten habe ich den Anruf vom Weltschachverband bekommen", erzählt Jungwirth. Er hatte sich nicht für die Funktion beworben, aber mit Freude zugestimmt. Schließlich sitzt der frühere Kulturlandesrat seit seiner Jugend gerne am Schachbrett und versucht, den nächsten Zug des Gegners zu erahnen. Das ist es auch, was ihn am Schach fasziniert: die Fantasie, die man aufbringen muss, um den Spielverlauf vorauszusehen. "Das ist die größte Herausforderung", sagt der 82-Jährige.

Reise nach Kalmückien

Seit 1971 ist Jungwirth Präsident des österreichischen Schachbundes. Viel ist er als solcher in der Welt herumgekommen. Eine Reise führte ihn in das schachversessene Kalmückien. In der autonomen russischen Republik ist Schach Nationalsport und reguläres Schulfach für alle Kinder. Auch Kirsan Iljumschinow, damals Präsident Kalmückiens und des Weltschachverbandes in Personalunion, hat er dort getroffen.

In Moskau war Jungwirth schon mehrfach, nicht nur wegen seiner Schachleidenschaft, sondern auch in seiner Funktion als Kulturpolitiker vor und nach der Wende. "Da sind auch viele private Kontakte entstanden", erzählt er. Immer schon sei die Schachgemeinschaft eine sehr weltoffene gewesen.

Verständigen wird sich der studierte Pädagoge, Sprachenfan und Anhänger des Französischen während seines dreiwöchigen Moskau-Aufenthalts auf Russisch können. Auch, wenn die Turniersprache Englisch ist. "Sicher gehe ich wieder ins Bolschoi Theater", sagt Jungwirth.

Volle Konzentration

Seiner Aufgabe als Vorsitzender des Schiedsgerichts sieht er "mit positiver Spannung" entgegen. Schließlich gilt es, viele Stunden lang voll konzentriert zu bleiben. Selbst spielt er nur noch selten Schach, bleibt aber seiner Leidenschaft treu. So hat Jungwirth im Juni ein "Ländermatch" zwischen Slowenen und Steirern in der Kulturhauptstadt Marburg organisiert. Und natürlich ist er regelmäßig beim Schachturnier der Generationen vertreten.

SONJA HASEWEND

Fakten

Kurt Jungwirth, geboren am 3. 9. 1929 in Graz.

Karriere: Professor für Romanistik, Uni Graz. 1970 als Landesrat für Kultur in die Landesregierung berufen, bis 1985. 1985 bis 1991 Landeshauptmann-Stellvertreter. Seit 1971 Präsident des Österreichischen Schachbundes. Styriarte-Gründer. Großes Goldenes Ehrenzeichen der Republik.

Fakten

Die Schachweltmeisterschaft 2012 wird von 10. bis 31. Mai als Zweikampf zwischen Weltmeister Visvanathan Anand und Boris Gelfand ausgetragen.

In dieser Zeit sollen 12 Partien gespielt werden. Ausgetragen wird das Turnier in der Galerie Tretjakow in Moskau. Organisator ist der Weltschachverband.

Zwei Schiedsrichter achten auf die Regeln, bei Protesten zu Schiedsrichterentscheidungen oder zur Organisation tritt das Schiedsgericht in Aktion.

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