Schwarze Glücksbringer
Der alte Brauch, die glücksbringenden Rauchfangkehrer kulinarisch zu verwöhnen, wird in einigen Haushalten der Region noch immer gepflegt.

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I n weiten Teilen der Welt gelten die Rauchfangkehrer als volkstümliche Glücksbringer. Wer sie berühre, habe Glück im neuen Jahr, wird angenommen. Und früher war es auch durchaus noch allgemein üblich, dass die "schwarzen Männer" in den Dörfern, in denen sie arbeiteten, von einer Familie zum Mittagessen eingeladen wurden.
"Ein Mal saß ich bei einer Bäuerin bei der Jause und sah, dass schöne Hühner und Hähne im Hof herum liefen. Da fragte mich die Bäuerin, ob ich zu Mittag einen Hahn zu essen haben möchte. Ich sagte Ja, und tatsächlich wurde für mich ein Hahn abgestochen und zum Mittagessen serviert", erinnert sich der pensionierte Feldbacher Rauchfangkehrermeister Karl Brandl, der in seiner Berufszeit die Entwicklungsgeschichte der Feuerstätten und des Kamins erlebte. Nachdem er Jahrzehnte in den Häusern die Kamine kehrte, waren den Bäuerinnen seine Essensvorlieben bereits bekannt: "Es gab Frauen, die bereiteten für mich einen eigenen Salat ohne Knoblauch und ohne Zwiebel zu. Es wurde immer groß aufgetischt."
Übernachten im Stall
Früher war es durchaus noch üblich, dass die Rauchfangkehrer mit ihren Fahrrädern in die einzelnen Dörfer fuhren, um dort die Kamine zu kehren. Konnten an einem Tag nicht alle Kamine gereinigt werden, blieben die Rauchfangkehrer im Dorf, wo sie bei einem der Bauern im Stall oder auf dem Heuboden übernachteten. An solchen Tagen war es für die Rauchfangkehrer angenehm, wenn es Häuser gab, in denen sie etwas zu essen bekamen.
In Obergiem bei Maria und Gertrude Reichmann wird der Brauch, die Rauchfangkehrer ordentlich zu bewirten, übrigens auch noch heute mit Begeisterung gepflegt. Da wird im Bauernhaus ordentlich aufgetischt, um die Glücksbringer mit Schnitzel, Henderl oder Schweinsbraten zu verwöhnen.
JOHANN SCHLEICH








