Die Saison beginnt mit Zittern
Von einer weißen Steiermark ist weit und breit keine Spur. Kein Wunder, dass die Touristiker dem Saisonstart angespannt entgegensehen.

Foto © APAMomentan stehen die Lifte in vielen steirischen Schigebieten noch still. Spätestens am verlängerten Wochenende rund um den Marienfeiertag am 8. Dezember wollen aber alle durchstarten
Die weiße Pracht lässt auf sich warten, fröhliches Pistenwedeln ist vorerst im ganzen Land Wunschdenken. Das spürt auch der steirische Wintertourismus, der zu einem erheblichen Teil vom Schnee abhängig ist. Steiermark-Tourismus-Chef Georg Bliem: "Im vergangenen Jahr wurden mehr Nächtigungen gebucht, was natürlich dem damals reichhaltigen Schneefall zu verdanken war."
Lichtblick ist derzeit das dritte Adventwochenende, an dem der Marienfeiertag 8. Dezember auf einen Donnerstag fällt. "Dass wir hier einen Fenstertag haben, spielt uns natürlich in die Hände. Es wurden bereits zahlreiche verlängerte Wochenenden gebucht." Wobei die Rechnung noch ohne den heiß erwarteten Schneefall gemacht wird. Bliem gibt sich aber auch hier entspannt: "Das Hauptgeschäft fängt immer erst zu Weihnachten an." Er warnt aber vor den immer früheren Schi-Opening-Terminen: "Ich kann nur Schi fahren, wenn Schnee auf der Piste liegt."
Am "Weißen Gold" auf den Pisten hängt zu einem großen Teil auch die Hoffnung von Gerhard Höflehner, Geschäftsführer eines Wellnesshotels in Haus im Ennstal: "Mehr als 80 Prozent aller Gäste kommen zum Schifahren zu uns. Etwa zehn Prozent der bisherigen Reservierungen wurden bisher storniert, weil zu wenig Schnee liegt." Trotzdem könne das Hotel die Verluste durch den großen Wellnessbereich abfedern.
Auch Andreas Mayrhofer vom Sporthotel Royer in Schladming hofft darauf, dass nicht erst das Christkind Schnee mitbringt: "Wir haben bis dato zwar noch keine Stornierungen hinnehmen müssen, sollte sich die Wetterlage aber bis Weihnachten nicht ändern, wird es schwierig."
Einen Umsatzrückgang für sein Wintersportangebot verspürt jedenfalls Heinz Stocker von Intersport Eybl im Shopping Center West in Graz: "Der gesamte Schi-Alpin-Bereich verkauft sich schlechter. Zudem gibt es einen starken Trend hin zum Schiverleih. Die Leute kaufen allgemein weniger."
Schneeschuhe boomen
Nach oben gehen die Verkaufszahlen dafür im Bergsport- und Tourenbereich: "Schneeschuhe verkaufen sich bestens, das Schneeschuhwandern liegt voll im Trend", so Stocker, "und wir bemerken auch deutlich, dass Kunden sich vor allem im Textilbereich gerne hochwertige, teurere Produkte leisten."
Nichts zu klagen hat trotz fehlender Schneedecke Alois Zauner mit seinem Sportgeschäft in Eisenerz. "Ich kann selbst nicht sagen, woran es liegt, aber die Verkaufszahlen waren schon vor dem Start zum Weihnachtsgeschäft überdurchschnittlich gut." Auch im Bereich Bergsport kann er sich über Zuwächse freuen. Da die derzeitigen Temperaturen flotte Schwünge auf der Piste noch nicht zulassen, würden viele eben noch wandern oder klettern.
Doch die Betreiber der steirischen Schigebiete spucken eifrig in die Hände, um die weiße Pracht doch noch auf die Hänge zu bringen. Planai-Chef Ernst Trummer, der sein Opening in Schladming am Wochenende jedenfalls durchziehen will: "Der Zielhang ist bereits präpariert. Spätestens ab Samstag geht es auch von der Mittelstation talwärts."
Auf Langläufer und Jungfamilien setzt die Hebalm. Seit zwei Nächten werden dort die Pisten beschneit. Geschäftsführer Clemens Spörk hofft, demnächst die Wintersaison starten zu können. Um noch mehr Familien ins steirisch-kärntnerische Grenzgebiet zu locken, bietet die Hebalm heuer erstmals Gratis-Schipässe für Kinder bis zum 15. Lebensjahr an, sofern ein Erwachsener Vollzahler ist. "Nachdem es immer wieder heißt, dass Schifahren so teuer ist, wollen wir damit einen Akzent setzen", so Spörk.
Zwei von 13 Liften sind auf der Turracher Höhe in Betrieb. Bei Nachttemperaturen von bis zu minus fünf Grad kann teilweise beschneit werden. "Vor allem das schöne Wetter hat aber schon am Wochenende viele Schifahrer angelockt", berichtet Daniela Schusser von den Bergbahnen. Schneelos sind die Schigebiete in der Oststeiermark: "Momentan flüchten viele Grazer und Wiener vor dem Nebel und kommen zum Wandern zu uns", berichtet Stephanie Lehner vom Tourismusverband Joglland-Waldheimat.
Features
Kommentar
Zum Thema
Graz & Umgebung
Nebel und Hochnebel werden in den nächsten Tagen in Graz bestimmend sein. Und während die Stadt selbst durchschnittlich viele Sonnenstunden aufweist, schien die Sonne im Süden mit 61 Stunden im November ungewöhnlich selten.
Mariazeller Land
Der Schnee lässt heuer sogar in Mariazell auf sich warten - aber auch die Kälte. So zeigte das Thermometer dort am Sonntag 16,1 Grad plus an! Langfrist-Modelle zeigen derzeit im Oberland einen Wintereinbruch am 6. Dezember, dem Nikolo-Tag.
Murtal
Mit 11,5 Grad plus war Zeltweg am Montag gemeinsam mit Kapfenberg der wärmste steirische Ort. Und auch über Sonnenschein durften sich die Murtaler zuletzt deutlich öfter freuen als die Steirer in den südlichen Landesteilen.








