Brückenbauer lösen die Feuerwehrleute ab
125 Pioniere errichten im Raum Oberwölz fünf Brücken. Behörde kontert Kritik, wonach die Soldaten zu spät angefordert wurden. Wieder gab es schwere Unwetter in Österreich.

Foto © Peter HaselmannErstes Antreten der Soldaten in Oberwölz. Zwei Wochen lang werden die Pioniere Brücken aufbauen, die das Hochwasser weggerissen hat
Seit Montag arbeiten Soldaten in der von den letztwöchigen Unwettern heimgesuchten Region Oberwölz. Die rund 90 Villacher Pioniere und ihre 35 Kameraden des Pionierzugs im Militärkommando Steiermark lösen damit die Mannschaften der Feuerwehr ab, die seit Donnerstagabend um die 24.000 Arbeitsstunden geleistet hatten.
Hilfe für die Opfer der Katastrophe
Spendenkonto "Hochwasserkatastrophe Oberwölz": Raiba Oberwölz, BLZ 38 452, Kontonummer 300 000 7.
ODER
Spendenkonto Niederwölz "Hochwasserhilfe" Konto: 2.222.222 BLZ: 38452
Der verzögerte Marschbefehl ließ auch kritische Stimmen laut werden: Warum man angesichts der enormen Schäden nicht eher die Unterstützung des Bundesheeres angefordert habe, rätselte man in der Region. "Es waren bis zum Wochenende immer ausreichend Feuerwehrleute vorhanden", hält Kurt Kalcher von der Katastrophenschutzabteilung fest.
Kurt Kalcher, Leiter der Katastrophenschutzabteilung des Landes
1. Warum kommt das Bundesheer erst vier Tage nach den schweren Unwettern im Raum Oberwölz zum Einsatz?
KURT KALCHER: Wir haben klar beurteilt, was sofort zu machen ist und was später. Für die Beseitigung von Verklausungen, das Auspumpen von Kellern und das Freischaufeln der Häuser waren bis Sonntag täglich bis zu 500 Feuerwehrleute da. Ab Montag, das war klar, geht diese Zahl zurück, deshalb war ein fließender Übergang mit Kräften des Bundesheeres geplant. Zudem hatten die Pioniere inzwischen Zeit, den Aufbau der Brücken vorzubereiten.
2. Verstehen Sie dennoch den Unmut mancher Bewohner?
KALCHER: Wir erleben das bei jedem Einsatz, dass sich einige benachteiligt fühlen. 99 Prozent sind aber zufrieden. Wer es nicht ist, kann das jederzeit bei der Einsatzleitung deponieren.
3 .Wer entscheidet, wann und wo das Heer eingesetzt wird?
KALCHER: Es sitzen bis zu 30 Leute im Führungsstab, der von der BH Murau geleitet wird. Das ist keine einsame Entscheidung.
Zu viele Helfer in einem beengten Einsatzgebiet würden einen koordinierten Einsatz erschweren, sagt man auch beim Bundesheer. Das Militär war jedenfalls schon seit Freitag mit einem Erkundungsteam in alle Entscheidungen des Führungsstabs eingebunden, bei Bedarf hätte auch sofort ein Zug aus Zeltweg anrücken können.
Unterstützung der Bevölkerung
Bis Montag hatte die Feuerwehr mit tatkräftiger Unterstützung der Bevölkerung nahezu alle Keller ausgepumpt und Häuser von Schlamm befreit. "Schadstellen in Gärten und landwirtschaftlichen Flächen sind nicht unsere Aufgabe. Wir stellen Infrastruktur, Wege und Brücken wieder her", erklärt Vizeleutnant Josef Pfeifer, der den Heereseinsatz leitet. Dazu gehört die Errichtung von fünf Brücken, die spektakulärste davon - die Pionierbrücke 2000 - wird heute in Oberwölz-Umgebung gespannt. Zwei Wochen sind für den Einsatz vorerst eingeplant, die Soldaten werden in der Hauptschule Oberwölz untergebracht. Am Dienstag werden außerdem 100 Einsatzkräfte des Bezirksfeuerwehrverbands Deutschlandsberg zum FuB/KHD-Einsatz ins "Wölzertal" fahren.
Unterdessen steigt nach der Hitzephase der letzten Tage die Unwettergefahr wieder an. Am Montag gab es kleinräumige Gewitter wie etwa im Bereich St. Nikolai im Sausal und Fürstenfeld, wo trotz heftiger Sturmböen und Hagel keine größeren Schäden gemeldet wurden. Anders in der Nacht zuvor in Salzburg und Oberösterreich: Ein gewaltiges Gewitter, das über Bayern hinweg gezogen war, hatte das Flachgau, das Inn- und das Mühlviertel gestreift. Der Sturm ließ Bäume umknicken, Autos wurden beschädigt, Blitze lösten Brände aus, 35.000 Haushalte in Oberösterreich waren ohne Strom.












